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Der Regenmacher
Der Regenmacher
© Studiocanal

Kritik: Der Regenmacher (1997)


Klienten, Firmen, Akten, eine Kammer und ihre Jury

The American Dream is still alive - Schon seit Jahrhunderten klammern sich alle Tellerwäscher der Welt an die Hoffnung, irgendwann einmal in ein Bassin millionenfacher Geldmünzen eintauchen zu können. Auch Rudy Baylor (Matt Damon) träumt von einem solchen Aufstieg. Frisch vom Jurastudium kellnert er sich zwar noch den Lebensunterhalt zusammen, doch sein Einstieg in die Anwaltskanzlei von Bruiser Stone (Mickey Rourke) scheint seine Karriere ein Stück weit voran zu bringen. Zusammen mit einem Kollegen darf er sich erst einmal um die kleineren Brötchen kümmern und versucht in Krankenhäusern schadensersatzwütige Klientel zu ködern. Nicht zuletzt diese Kontakte führen den Junganwalt auf die Spur maroder Machenschaften im amerikanischen Gesundheitswesen.

Die böse Firma im System in der inzwischen sechsten Verfilmung eines John-Grisham-Romans ist dieses Mal ein Versicherungsunternehmen, das sich mit nicht ganz legalen Mitteln vor der Auszahlung vertraglich zugesicherter Leistungen drückt. Mit dieser Themenwahl hat sich Grishams Story nach einer konfliktreichen Abhandlung der Selbstjustiz in "Die Jury" erneut einem heißen Brandherd der amerikanischen Gesellschaft gewidmet - Private Krankenversicherungen, die nicht versichern, sondern nur Versicherungsprämien kassieren. Und Grisham wäre nicht Grisham, wenn er diesen Makel nicht wieder einmal durch einen aufstrebenden Nachwuchsjuristen ausmerzen ließe, den Fall patriotisch vor einem Gericht ausbreitet und die systematisch Benachteiligten und Beschissenen liebevoll unter seine Fitiche nähme. "Der Regenmacher" macht hierbei ebenfalls keine Ausnahme. Und auch den übrigen Problematiken bei Grisham-Adaptionen konnte selbst ein Ausnahmeregisseur wie Francis Ford Coppola nicht entkommen. Es ist wieder einmal der seitenreiche Umfang der Literaturvorlage, der den Hauptkonflikt im Film durch zu viele Nebenhandlungen verwässert, einer durchgehenden Spannungskurve beraubt und letztendlich streckenweise gar in Langeweile mündet.

Daß "Der Regenmacher" auch deutlich als Grisham-Film und nicht als Coppola-Werk erkennbar bleibt, mag zum einen zwar die Bestsellerfans in die Kinos locken, zum anderen sollte sich aber ein Regisseur überlegen, ob ihm das Zurücklehnen in Auftragsarbeiten wirklich genug ist. Denn von der Handschrift des Patenschöpfers und Apokalypsenmeisters Coppola ist bis auf wenige raumgreifende Licht-Schatten-Kompositionen wenig zu spüren. Coppola hat sich in den Dienst einer durchschnittlichen Geschichte gestellt, einen durchschnittlichen Film gemacht, der sicherlich nicht mehr als durchschnittlichen Erfolg haben wird. Und auch der derzeit so heiß gehandelte Hauptdarsteller Matt Damon bleibt ein Typ mit Durchschnittsgesicht, der im Rahmen der Geschichte zwar bestens funktioniert, mehr aber auch nicht. Einzig und allein einem grandiosen Danny DeVito bleibt es überlassen, dem absoluten Mittelmaß mit seiner Figur des tolpatschigen Anwaltsassistenten Deck Shifflet noch einige komödiantische Höhepunkte zu entlocken.




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