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Kritik: Reine Nervensache (1999)


Robert De Niro und Billy Crystal sind ein Angebot, das man als Kinobesucher kaum ablehnen kann – Harold Ramis' Mafia-Persiflage lebt von der Aura seiner Hauptdarsteller: Ein augenzwinkernder De Niro, dem Zuschauer als exaltierter Mafiosi wohlbekannt, parodiert dabei gekonnt sein eigenes Image, und Billy Crystal als Psychiater nimmt sich mit trockenem Humor bewußt zurück – und rettet den Film damit vor dem Überborden.

"Reine Nervensache" ist auch vor allem deshalb amüsant, weil hier nicht Gags um jeden Preis gezündet werden – die Witze ergeben sich statt dessen aus dem Plot. Gerade weil die beiden Helden so verschieden sind, erweisen sie sich als perfektes Paar: Der Kulturschock zwischen Mafiosi und Psychiater ist der Treibsatz dieses Streifens.

110 Minuten aber sind dann doch zuviel des Guten – auf halber Strecke gehen dem Thema des Films die Variationen aus: Parodie mutiert zu Slapstick, aus Ironie wird Dümmlichkeit. Das überdrehte Ende dieser an sich sehenswerten Mafia-Persiflage im Kinosessel zu goutieren – auch das ist eben reine Nervensache.

Rico Pfirstinger


Eine Frühjahrsbrise bläßt uns dieses Jahr ‘psychonalytischen Wind’ in die Kinos. Nach “Kopfleuchten“ und “Idioten“ ist es nunmehr eine weniger ernstvolle Beschäftigung mit dem Thema; eine Komödie, die sich des Seelenklempners und der Marotten seiner Patienten annimmt.
“Analyze This“ ist einer dieser Filme, denen man zunächst nicht viel abverlangt; man geht ohne bestimmte Erwartungen hinein, aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen, und kommt schließlich dabei, erstaunlicherweise, ganz auf seine Kosten.

Selbstverständlich ziehen die beiden Hauptdarsteller ’Bobby‘ – wie er väterlich-liebevoll von Elia Kazan bei dessen Oscar-Ehrung genannt wurde - de Niro und Billy Crystal das Publikum an, wie das Licht die Mücken; zu Recht, denn ohne die beiden könnte sich diese Komödie nicht halten.
De Niro, der viel Wert darauf legte, daß seine Interpretation der Figur ’Paul Vitti‘ auf keinen Fall als Parodie seiner selbst verstanden werden sollte, ist so eine exzellente Mischung aus Ironie und Dramatik gelungen. Dabei versteht er es wie kein anderer das Milieu zu charakterisieren (man erinnere sich an die zahlreichen Darstellungen Little Italys, in denen er insbesondere unter Martin Scorseses Regie die tragende Rolle hatte – und an seine eigene Lebenserfahrung, durch die er diesen Rollen Authentizität verschaffte), um daraufhin mit einem Augenzwinkern seinen kritischen Kommentar subtil in Erscheinung treten zu lassen.
Ihn, den wir als gefürchteten Mafia-Boß aus “Der Pate II“, “Goodfellas“ und “Die Unbestechlichen“ kennen, bekommen wir nun als herrlich komischen und angeschlagenen Paul Vitti zu sehen – einem weniger gefährlichen ’Mob-Boß‘, der auch zu Tränen gerührt sein kann.

Doch es ist nicht nur der schauspielerischen Leistung Robert de Niros und Billy Crystals – der wie immer seine üblichen entnervt-launischen Auftritte zum Besten gibt - zu verdanken, daß diese Komödie nicht die Flachheit und Eindimensionalität des letztjährigen Films “Mafia!“ erhält: Regisseur und Drehbuchautor Harold Ramis (“Ghostbusters“, “Und ewig grüßt das Murmeltier“) und die Co-Autoren Peter Tolan und Kenneth Lonergan nahmen sich zwar auch der ’Legenden der Leinwand‘ an, aber hier entwickeln sich die parodistischen Scherze wie von selbst; nie wirken sie aufgesetzt oder fabriziert. Die Assoziationen und Bezüge auf jene Filme fließen in die Geschichte fast unmerklich und doch effektiv ein – in einer Szene kommentiert de Niro den ’Paten‘, mit den Worten “I was Fredo - I don’t think so“.

Dabei liest sich die Story wie eine Mischung aus “Goodfellas“ und “Was ist mit Bob?“ : Gerade als es sich Psychiater Ben Sobol so richtig gut gehen lassen will (wobei er selbst, angesichts seines zunehmendst langweilig werdenden Berufs und seiner familiären Schwierigkeiten, nicht wirklich Hoffnungen hegt...), kreuzt ein neurotischer Mafia-Boß seine Wege, um sein Leben aus der Bahn zu werfen. Vitti ist auf der Suche nach professioneller Hilfe, jemandem der ihm dabei helfen kann seinen ’Job‘ zu erfüllen, und dabei gleichzeitig glücklich zu sein. Dabei schafft er es aus dem ruhigen, sich nicht einmal des Wortes ’Aufregung‘ erinnernden Doc, ein nervliches Wrack zu machen, der immer weniger davon angetan ist, Vitti zu helfen. Doch der hartnäckige Gangster läßt nicht locker, und versucht ständig seinem vermeintlichen ’Erlöser‘ die weisen Ratschläge zu entlocken...

Nun gut, allein von der Handlung her also nichts Weltbewegendes... Aber die Art, in der Crystal und de Niro interagieren, und sich damit von dem sonst üblichen Sit-Com-Stil abheben, läßt viele Comedy-Filme der letzten Jahre verblassen. Mit der unterstützenden Leistung des Kameramanns Stuart Dryburgh und des Cuttors Christopher Tellefsen, die dem Film die nötige Würze in Form von Farbe, Leichtigkeit und Rhythmus gaben, ist eine Erfolgskomödie entstanden; die bereits in ihrer Startwoche (mit Einnahmen von 17,7 Millionen Dollar) den Spitzenplatz an den amerikanischen Kinokassen erreicht hat.




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