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Kritik: Ex Drummer (2007)


Drei sonderbare Landeier wollen einen berühmten Buchautoren für ihre Band gewinnen, mit der sie an einem dörflichen Band-Contest teilnehmen wollen. Dabei prallen zwei Welten aufeinander. Hervorgerufen durch komplett unterschiedliche Mentalitäten, münden die aufkommenden Konflikte schließlich in einer Katastrophe.

An sich keinen Skandal wert, bilden echter Sex, brutale Gewalt und "asoziales" Verhalten eine grauenerregende Symphonie, deren Ausdruckskraft nur schwer zu ertragen oder in anderen Werken wiederzufinden ist. Dabei ist das Vorgehen des Regisseurs simpel - extreme Bilder, harte Worte und gute Schauspieler. Letztlich fehlt es aber doch an klarer Aussage. Der Zuschauer wird allein gelassen.

Das traurige Portrait einer Klassengesellschaft die sich vor allem durch unterschiedliche Verhaltensweisen auszeichnet, beginnt in dem Moment zu bröckeln, indem der Film von seiner Ernsthaftigkeit abweicht und in diesem Fall ein übergroßes, männliches Genital als Zugpferd für seine Freakshow nutzt. Das abgeschnittene Genitalien eine besonders große Qual für Männern darstellen, wurde in der Filmgeschichte bereits mehrfach genutzt ("Hostel", "I Spit On Your Grave"). Ein äußerst abstoßendes Element, welches im Hinblick auf die Aussagen und Provokationen des betroffenen Charakters zwar genugtuend wirkt, aber nichts desto trotz vollkommen absurd erscheint.

Jeder in der Gruppe hat sein "Handicap". Angefangen bei dem schwerhörigen bis tauben Gitarristen, über einen steifarmigen und schwulen Bassisten, bis hin zu einem lispelnden und frauenverachtenden Sänger. Hineingestoßen in eine schwer ertragbare Welt, spielt sich Bries im Laufe der Geschichte als Erlöser auf, hetzt die Bandmitglieder untereinander auf bis diese durch ein Blutbad ihrer "gerechten Strafe und Daseinsberechtigung" zugeführt werden. Erschreckend muss man feststellen, dass der eigentliche Protagonist des Films der asozialste Charakter ist und nur für sich und seinen eigenen Höhepunkt zu leben scheint. Ein Film, der Tellerwäschern beinahe eine Chance gibt und mit Millionären abrechnet.

Skandalträchtige Sätze wie: "Als ich sechs Jahre alt war, hatte ich öfter Sex mit meinem Vater. Damals war der Schwanz noch gigantisch groß. Ich habe immer gesucht nach einem solchen Gefühl" sorgen für ein aufkeimendes Unwohlsein und bringen den Film auch nach der Vorstellung ins Gespräch, bleiben im Gesamtzusammenhang aber eher fraglich.

"Ex Drummer" ist ein polarisierendes, aber zugleich etwas aussageloses Werk. Das fulminante Finale bietet jedoch genügend Ansätze zum Nachdenken. Mit Sicherheit eines der besseren Arthouse-Werke.




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