VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
New York, I love you
New York, I love you
© 2009 Concorde Filmverleih GmbH

Kritik: New York, I Love You (2008)


"New York, I love you", der Nachfolger von "Paris, je t’aime", zeigt eine Wundertüte von Shorties mit mehr oder weniger deutlichem Liebesmotiv und erheblichen qualitativen Unterschieden. Umfasst wird das Sammelsurium von einer plumpen Klammer – eine junge Touristin mit Videokamera, die immer mal einem der anderen Protagonisten über den Weg hoppelt. Sie stammt vom Produzenten Emmanuel Benbihy, dem Kopf der "Cities of Love"-Kurzfilmkompilationsreihe. Als nächstes sind noch Rio de Janeiro, Schanghai und Jerusalem dran.

Und dran trifft es denn auch: Allen Geschichten gemein ist ein sehr gebügeltes, charmeloses und fast nur auf Manhattan konzentriertes New York, welches ausschließlich von weißen oder asiatischen Amerikanern besiedelt zu sein scheint. Schäbigere Ecken sieht man nicht. New York sieht man eigentlich nicht.
Viele der Geschichten sind zudem nicht mal ansatzweise so smart und hip, wie sie gerne wären – Natalie Portmans Regiedebüt etwa, ein prätentiös-fluffiges, albernes Nichts, das zum Teil im Central Park herumschlendert. Vor der Kamera funktioniert Portman allerdings, in Mira Nairs Beitrag, einem der Höhepunkte: Eine kurze, aber prägnante Begegnung zweier alter Kulturen in einer hochmodernen Stadt. Actionspezialist Brett Ratner (u.a. "Rush Hour" I-III, "X-Men – der letzte Widerstand") überrascht mit einem erstaunlich witzigen Abschnitt über eine ungewöhnliche Prom Night – und der unwahrscheinlichsten Sex-Szene seit langem - während Andy Garcia und Hayden Christensen sich in Wen Jiangs knackiger Episode als gewiefte Taschendiebe in Sepia duellieren. Auf Sprache setzt der Israeli Yvan Attal: Ethan Hawke gibt für ihn den hemmungslosen, großmäuligen Möchtegernaufreißer, der dringend bei Maggie Q. landen will. In einer weiteren Episode wiederholt Attal seinen Pointentrick sogar, diesmal mit Robin Wright Penn und Chris Cooper.
Nach Antony Minghellas Tod übernahm Shekhar Kapur dessen Beitrag, eine elegante, hübsch anzusehende, wenn auch surreal abgehobene Gefühlscollage, mit Shia LaBeouf, Julie Christie und John Hurt. Und als nett kann man immerhin noch Orlando Blooms Auftritt als gestresster, von einer Telefonassistentin abhängiger Komponist beschreiben, den der Japaner Shunji Iwai inszenierte.
Fatih Akin besucht Chinatown, kommt aber mit seiner Geschichte nicht dort und auch sonst irgendwo an. Joshua Marston meint es mit zwei gebrechlichen Rentnern zu gut, um wirklich glaubhaft zu sein. Und bei Allen Hughes aufkeimender Liebesgeschichte könnte womöglich irgendwas passieren - tut es aber nicht...

Benbihy gab seinen auserwählten Regisseuren zwei Tage Drehzeit und eine vorher bestimmte Crew (für alle), um eine überzeugende Liebesgeschichte allein aus der Atmosphäre der Stadt zu zaubern. Doch offensichtlich bringt Zeitdruck nicht zwangsläufig kreative oder originelle Kurzfilme zustande. Einige können in zehn Minuten eine dramaturgisch ausgefeilte Geschichte erzählen, oder zumindest eine dichte Momentaufnahme zeigen, andere eben nicht. Zurück bleibt ein Gefühl der Beliebigkeit – die meisten Episoden hätten sehr gut auch woanders spielen können – und ein falsches Bild von New York, als weichgespültes, gentrifiziertes Ghetto der Eitelkeiten.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.