Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Gulliver's Reisen - Hauptplakat
Gulliver's Reisen - Hauptplakat
© 2010 Twentieth Century Fox

Kritik: Gullivers Reisen - Da kommt was Großes auf uns zu (2010)


Wer es laut und poltrig mag, darüber hinaus schmerzfrei genug ist, sich bei manch einer nerdigen Einlage nicht fremdzuschämen, der ist bei Jack Black an der richtigen Adresse. Der Brachialkomiker, der für feinsinnigen Humor soviel übrig hat, wie Sylvester Stallone, der Vater von "Rocky" und "Rambo", fürs Arthouse-Kino, zielt mit seinen Filmen direkt auf die Gehirnzentren, die auf infantile Dauerbespaßung (bereitwillig) mit Dopamin-Tsunamis reagieren. Blacks Filmcharaktere sind demzufolge liebenswerte Kindsköpfe, die mitten in der Pubertät stecken geblieben sind – und das mit über 30. Aktueller Vertreter dieser Fraktion ist Lemuel Gulliver (Jack Black). Seit zehn Jahren arbeitet er in der Poststelle einer New Yorker Zeitung. Dass sein Leben stagniert, scheint er nicht mitzubekommen. Er wähnt sich als König eines Reiches, das kleiner nicht sein könnte. Dafür genießt er die Freiheit, unbehelligt während der Arbeitszeit Rock-Guitar-Hero spielen zu dürfen.
Insgeheim schmachtet er Darcy (Amand Peet), die Leiterin der Reiseredaktion an, die mag den schrägen Lemuel sogar, er aber denkt sie wäre unerreichbar. Als eines Tages sein zehn Jahre jüngerer Assistent an ihm vorbei zieht und plötzlich zu Lemuels Vorgesetztem wird, bekommt die Illusion seiner kleinen Welt Sprünge. Plötzlich will Lemuel etwas verändern, allein schon um Darcy zu imponieren. Diese sucht gerade händeringend nach einem Reisejournalisten. Mit aus dem Internet geklauten Texten bewirbt sich Lemuel für diesen Job. Prompt darf er ins berüchtigte Bermuda-Dreieck reisen. Auf dem Weg dorthin gerät er aber auf hoher See in einen Sturm und ein monströser Wirbel packt ihn und befördert ihn an die Küste eines unbekannten Eilands. Als er erwacht, liegt er gefesselt am Strand, und eine Armee von Miniatursoldaten hat um ihn herum Stellung bezogen.
Ähnlich Lewis Carrols "Alice im Wunderland" existiert für "Gullivers Reisen" eine literarische Vorlage: Jonathan Swift verfasste eine vierteilige Geschichte, die im Jahre 1726 erschien und den Helden der Erzählung in merkwürdige Länder verschlägt; darunter das Land Liliput und das Land der Riesen. In Wirklichkeit, eine weitere Gemeinsamkeit zu Alice im Wunderland, ist die Geschichte eine Schmähschrift auf die Regierenden (europäischen Königshäuser). Im Spaßspektakel, in dem nun Jack Black die Rolle des Reisenden einnimmt, ist natürlich von dieser Charakteristik herzlich wenig übrig geblieben. Vielmehr darf nun ein 30-jähriger Nerd, der in realen Leben ein ausgesprochener Loser ist, unter Beweis stellen, was wahre Größe bedeutet. Zunächst aber als Monster und Bestie von den Bewohnern Liliputs gefürchtet, muss er sich dort erst beweisen. Danach halten ihn aber alle für eine unglaubliches Wesen und nehmen ihm jegliche, noch so hanebüchene, Geschichte ab.
Turbulent geht es in diesem Streifen her. Jack Black tut das was er am Besten kann: Wie eine spät pubertierende menschliche Dampframme die Bühne, die ihm bereitet wurde, zu rocken. Und das wieder mal im wahrsten Sinne des Wortes; denn einige überdeutliche Anspielungen, dass in Black ein verkannter Rock-Gott steckt, dürfen erneut nicht ausbleiben. Es ist Humor simpelsten Strickmusters, der hier seinen Weg auf die große Leinwand findet, und man wird von dieser schrillen, überdrehten Show am Besten mitgerissen, wenn es gelingt, die höheren Gehirnregionen auszuschalten. Ein paar ironische Höhen erlebt der Streifen – und das sollte ihn zugute gehalten werden – wenn überdeutliche Anspielungen auf "King-Kong"/"Godzilla", "Transformers" und "Star Wars" genommen werden; davon abgesehen, wurde sich an Originalität aber kein Bein ausgerissen. Zumal es bei dieser Adaption gerade mal fürs erste Buch Jonathan Swifts reichte. Die "Reise ins Land der Riesen", welches in früheren Verfilmungen zumindest noch vorkam, wurde auf ein kurzes Zwischenspiel zurechtgestutzt.
Fazit: Albern, infantil und zuweilen witzig, wenn man die Worte Niveau und Komik nicht in einem Atemzug ausspricht. Das ist "Gullivers Reisen - 3D". Der Film lebt von einem Jack Black, der sich sich gehörig ins Zeug legt und digitalen Effekten, die durchaus überzeugen; abgesehen von der nachträglichen 3D-Konvertierung, die absolut überflüssig war und zu offensichtlich darauf abzielt, den Besuchern noch mehr Euronen aus den Taschen zu ziehen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.