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Kritik: Small Soldiers (1998)


Das hätte ein richtig nettes Filmchen werden können: Sarkastisch wäre der Blick auf die perversen Vollidiotien von Kriegsspielzeug aller Art gefallen, ungeschönt wären die zynischen Machenschaften der profitgeilen Hersteller entlarvt worden und bitter wären die hilflosen Erwachsenen beleuchtet worden, die ihre Kinder, um sie aus den Füßen zu haben, mit derlei Krempel versorgen. Und für all dies wäre ja Joe Dante auch genau der richtige Regisseur gewesen. In Filmen wie "Meine teuflischen Nachbarn" oder auch "Gremlins" hat er bewiesen, daß er ebenso stilsicher wie spielerisch-ironisch mit Genres umgehen kann und fröhlich Bosheit hierbei sein Tonfall ist. Und die trostlose Einförmigkeit amerikanischer Einfamilienhaus-Vorstädte ist eh seine Lieblings-Location.

Hinter den pastellfarbenen Fassaden mit Wembley-Rasen und Zäunchen vermutet er sicher nicht zu Unrecht das schleichende Grauen. Wie gesagt, die Voraussetzungen stimmen und "Small Soldiers" hätte durchaus ein freches kleines B-Picture werden können. Leider ist es dann aber irgendwie alles anders gekommen. Der Film ist in nahezu allen Belangen halbherzig ausgefallen und somit eine einziger fader Kompromiß, der nie so recht weiß, was er denn nun eigentlich sein will. Das mag u.a. daran liegen, daß fünf Drehbuchautoren eigentlich vier oder mindestens drei zuviel sind. Unklar ist vor allem auch, an welche Zielgruppe sich der Film wendet. Ein unreifes präpubertäres Publikum dürfte kaum die nötige Distanz haben, die nötig ist, um die derben und zum Teil sexistischen Landserzoten als Satire aufzufassen. Aber auch ältere Zuschauer werden hier Probleme kriegen, ergötzt sich der Film doch offensichtlich ein ums andere Mal an dem, was er eigentlich zu karikieren gedenkt bzw. vorgibt.

Zur Geschichte: Zwei etwas weltfremde Spielzeugerfinder geraten in eine Identitätskrise, als ihre Firma von einem Militärkonzern übernommen wird. Aber, um ihren Job zu retten, rüsten sie die gerade in Arbeit befindlichen Spielzeugpuppen zu martialischen Kriegsspielzeug um. Die Prototypen sind sechs zu allem entschlossene Mini-Rambos und - im Krieg braucht man Gegner - sechs schrullige Exoten, die Gorgonites. Die einen sind auf bedingslosen Kampf programmiert, die anderen auf Niederlage. Aber dann geht etwas schief, den Figur werden defekte militärische Mikrochips implantiert. Fortan entwickeln sie ein fiasköses Eigenleben und entfachen ein Inferno, in deren Verlauf sich eine brave Eigenheimsiedlung in den reinsten Kriegsschauplatz verwandelt.

Tricktechnisch ist das Ganze natürlich auf dem neusesten Stand, hier in perfektem Zusammenspiel von Computeranimation und Realfilm. Und ist man mal bereit jedwede Anflüge von Ideologiekritik außen vor zu lassen, hat "Small Soldiers" auch seine unterhaltenden Qualitäten. Die Idee, psychologische Foltereinheiten mit Spice-Girls-Song zu verabreichen, hat durchaus was.




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