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Gert Voss ist tot

Theater-Star verstarb mit 72 Jahren

Der deutsche Schauspieler Gert Voss erlag am Sonntag in Wien einer noch unbekannten "kurzen und schweren Krankheit". Dies teilte das Burgtheater mit, bei dem er seit 1986 zum festen Ensemble gehörte und einige seiner größte Erfolge feierte. "Das Burgtheater ist in tiefer Trauer über den Verlust dieses in der europäischen Theaterwelt einzigartigen Schauspielers und großen Menschen. Mit Gert Voss verliert das Burgtheater einen virtuosen Charakterdarsteller mit phänomenaler Strahlkraft", sagte Intendantin Karin Bergmann.
Der Star der deutschsprachigen Bühne, der sein Leben in der Autobiographie "Ich bin kein Papagei" selbst als "Theaterreise" bezeichnete, kam am 10. Oktober 1941 in Schanghai zur Welt, wo sein Vater als Außenhandelskaufmann arbeitete. Nach dem Krieg kehrte die Familie nach Deutschland zurück und Voss wuchs am Bodensee auf. Nach dem Abitur studierte er zunächst Germanistik und Anglistik, brach aber schließlich ab. Von 1964 bis 1966 nahm Voss privat Schauspielunterricht bei Ellen Mahlke. Es folgten erste Engagements in Konstanz (Stadttheater), Braunschweig (Staatstheater) und München (Residenztheater). Am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart wurde er dann in Inszenierungen von Claus Peymann berühmt, mit dem er 1986 ans Wiener Burgtheater ging. Dort feierte er seinen Einstand mit einer umjubelten Produktion von William Shakespeares Drama "Richard III.". Der Schriftsteller Thomas Bernard zeigte sich von seiner Performance dermaßen beeindruckt, dass er Voss und zwei weiteren Schauspielern ein eigenes Stück widmete, "Ritter, Dene, Voss". Neben dem Burgtheater war Voss unter anderem auch im Berliner Ensemble beschäftigt (1994 bis 96). Seine größten Erfolge feierte er jedoch in Wien, etwa in Inszenierungen von Peter Zadek (Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig", Strindbergs "Totentanz"), Luc Bondy (Tschechovs "Die Möwe") und George Tabori (Shakespeares "Othello", "Requiem für einen Spion", "Goldberg Variationen", "Die Ballade vom Wiener Schnitzel"). Tabori sagte eins über Voss: "Er ist ein gefährlicher, nackter Schauspieler, ein unheimlicher Clown, ein wilder Stier, aus dem Käfig ausgebrochen." Herausragend ist außerdem seine Interpretation des "Jederman" bei den Salzburger Festspielen, die er ab 1995 vier Jahre lang übernahm. 1995 wurde er von der britischen Times zum "besten Theaterdarsteller Europas" gekürt. In Film und Fernsehen hätte Voss sich auch gerne etabliert, wie er selbst sagte. Daraus wurde jedoch - verglichen mit seinen Theaterleistungen - nicht viel: Zu erwähnen sind Auftritte in Axel Cortis "Radetzkymarsch", Balzac - Ein Leben voller Leidenschaft und Helmut Dietls Zettl.
Voss war bis zu seinem Tod 45 Jahre lang mit der Dramaturgin Ursula Voss verheiratet. Die gemeinsame Tochter Grischka ist ebenfalls Schauspielerin und gründete 1997 zusammen mit Ernst Kurt Weigel das bernhard ensemble in Wien.


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