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Hafen im Nebel mit Jean Gabin
Hafen im Nebel mit Jean Gabin
© Studiocanal

TV-Tips für Sonntag (1. Februar): Jean Gabin behält den Durchblick

Arte zeigt französischen Klassiker "Hafen im Nebel"

Das Fernsehprogramm bietet zum Februar-Auftakt erfreulich mehr als Hollywood-Dutzendware: Neben einer amerikanischen sind auch eine deutsche und insbesondere eine französische Produktion zu empfehlen, die zum Glück auch im Hauptprogramm ausgestrahlt wird.

"Hafen im Nebel", Arte, 20:15 Uhr:
Der Nebel wabert - und der "poetische Realismus" erwacht. Regisseur Marcel Carné ist einer der bekanntesten Verfechter dieser Spielart des Kinos, die im Frankreich der dreißiger Jahre entstand. Filme, die zwar in der Realität verankert sind, in denen aber das Leidenschaftliche eine große Rolle spielt. Filmemacher wie Carné siedelten dabei ihre Geschichten am Rande der Gesellschaft an, zeigten die düsteren Seiten des Lebens, Sympathie für die Benachteiligten, Aufmerksamkeit gegenüber sozialen Problemen und stellten Außenseiter in den Mittelpunkt. Und hier kommt Schauspielgigant Jean Gabin ins Spiel. Der damals 33-Jährige ist in "Hafen im Nebel" von 1938 das Sinnbild des französischen harten Kerls, eine ikonische Figur wie später Humphrey Bogart im US-Kino und überholte Charles Boyer als Superstar des französischen Kinos. Er spießt Würstchen mit einem Messer auf, redet grundsätzlich mit einer Kippe im Mundwinkel oder verabreicht Pierre Brasseur Schläge mit dem Handrücken. Daneben die zärtliche Michèle Morgan, die in einer Bettszene mitwirkt, die es im amerikanischen Kino so frühestens in den sechziger Jahren zu sehen gegeben hätte. Gabin spielt in "Le quai des brumes" (so der Originaltitel) einen desertierten Soldaten, den es nach Le Havre verschlägt, wo er sich in Morgan verliebt, die gerade dabei ist, ihren Patenonkel Michel Simon zu erpressen - mit Konsequenzen für alle Beteiligten. Großartig photographiert in einem atmosphärischen Spiel von Nebel und Schatten durch den deutschen Meisterkameramann und -pionier Eugen Schüfftan, nimmt das Drama mit seinem "süßen Gift des Pessimismus" ein. "Hafen im Nebel" war ein großer Erfolg, der Regisseur Carné sowohl Preise als "Bester Regisseur" bei den Französischen Filmpreisen wie auch auf den Filmfestspielen von Venedig einbrachte. "Eines der großen Meisterwerke des französischen Kinos. So tief romantisch wie 'Casablanca', aber viel melancholischer", befindet ein irischer Zuschauer. "Nur die Hartherzigsten werden am Ende nicht vom Bedrängnis dieses Liebespaars gerührt sein. Michel Carné arbeitete hier in der Form seines Lebens, die Photographie von Eugen Schüfftan ist superb, und Alexandre Trauner baute Le Havre meisterhaft im Studio nach."

"Mütter und Töchter", ARD, 22:35 Uhr:
Einer jener kleineren, mit einem schmalen Budget von sieben Millionen Dollar entstandenen Streifen, die trotz Stars in nur wenige Kinos gelangen - in den USA waren es gerade mal 119 - und so unverdienterweise unter dem Radar der Publikumsgunst durchrutschen. "Mother and Child" erzählt die Geschichte dreier Frauen: Eine 50-Jährige (Annette Bening), ihre Tochter (Naomi Watts), die sie vor 35 Jahren zur Adoption frei gegeben hat, und eine Frau (Kerry Washington), die ein Kind adoptieren möchte. Der Kolumbianer Rodrigo Garcia ("Albert Knobbs") schrieb und inszenierte das Drama 2009, das bei der Kritik auf Begeisterung stieß. Garcia verfasste ein wunderbar unsentimentales Drehbuch, das er mit einem feinen Gespür für Details in Szene gesetzt hat. "Emotional packend, auf den Punkt kommend geschrieben und unglaublich gespielt, widersteht das Drama lobenswerterweise einigen der zu erwartenden Klischees", lobte Matthew Turner für "View London". In einer Szene des Films kann man Naomi Watts sehen, wie sie im Krankenhaus liegt und sich sichtbar ein Baby in ihrem Bauch bewegt. Dies war kein Spezialeffekt. Die damals 40-Jährige, welche die zunächst für die Rolle vorgesehene Robin Wright ersetzt hatte, war zu der Zeit mit ihrem zweiten Kind schwanger.



"Aimée und Jaguar", ARD, 01:35 Uhr:

Unter den vielen Dingen, Lebensumständen und Menschen, welche die Nationalsozialisten hassten, verachteten und ausmerzen wollten, waren Homosexualität und Judentum. Über Lily Wust (Juliane Köhler) und Felice Schragenheim (Maria Schrader) schwebt daher immer das Fallbeil von Gefängnis, Deportation und Ermordung, denn die verheiratete Nicht-Jüdin Lily, die vier Kinder hat, verliebt sich im Berlin des Jahres 1943 in die taffe, starke, weltoffene Jüdin Felice, während ihr Mann (Detlev Buck) an der Front ist. Felice arbeitet im jüdischen Widerstand mit, was für die Beziehung der beiden Frauen eine zusätzliche Belastung darstellt - und die potentielle Aufdeckung ihrer Affaire durch die Gestapo noch gefährlicher macht. Der Film von Max Färberböck ("Anonyma - Eine Frau in Berlin") aus dem Jahr 1999 basiert auf der wahren Lebensgeschichte von Lily Wust, welche ihre Biographie der Autorin Erica Fischer erzählt hatte, die diese in einem Zeitzeugenband 1994 veröffentlichte. Färberböck adaptierte das Buch zu einem fesselnden, fein schattierten Drama, das zuletzt dann noch von zwei starken Schauspielerinnen umgesetzt wurde. Köhler und Schrader gewannen beide den Silbernen Bären auf der Berlinale als "Beste Darstellerinnen". Der Film selbst, der in Breslau gedreht worden war, erhielt eine Golden Globe-Nominierung als "Bester nicht-englischsprachiger Film". Für eine kalifornische Zuschauerin ist das "eine intensive, tief bewegende und äußerst herzzerreißende Geschichte, die einen durchschüttelt. Die Schauspielerinnen sind genial."




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