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Avengers: Age of Ultron mit Robert Downey Jr und...Evans
Avengers: Age of Ultron mit Robert Downey Jr und Chris Evans
© Marvel Entertainment

Kinobesitzer boykottieren "Avengers"

"Disney legen sich mit der gesamten deutschen Filmindustrie an"

Die deutschen Kinobesitzer und der mächtige Walt Disney-Konzern sind auf Konfrontationskurs gegangen - und die Auswirkungen spüren ganz konkret Kinogänger, die sich in Kleinstädten "Avengers: Age of Ultron" ansehen wollen. Denn dort heißt es: Fehlanzeige! Genauer gesagt auf 686 Leinwänden in 193 Kleinstädten.

Dort weigern sich die Kinos, den Science Fiction-Film zu zeigen, nachdem Disney ohne Vorwarnung die Erhöhung ihres Gewinnanteils am Verkauf der Kinokarten von 47 auf 53 Prozent verlangen. Dazu kommt noch ein Zurückfahren der Werbung und das Streichen des Vorschusses für die Ausgabe der 3D-Brillen. "Solche Bedingungen durchsetzen zu wollen, ist höchst ungewöhnlich und in meinen Augen ein Skandal", erklärt Andreas Kramer vom Hauptverband Deutscher Filmtheater gegenüber der Deutschen Welle. "Disney legen sich mit der gesamten deutschen Kinoindustrie an."

Dies komme zu einem Zeitpunkt, bei dem die deutschen Kinos wegen der enormen Summen, die in die Digitalisierung der Technologie gesteckt wurden - Kramer schätzt sie auf 3,4 Milliarden Euro - sowieso schon unter einem großen Kostendruck stehen. Profiteur sind dabei die Verleiher, die nun keine Filmkopien mehr herstellen und verteilen lassen müssen. Dass nun ein Verleiher trotzdem noch mehr Profit eintreiben will und ausgerechnet beim Film des Jahres der Kuchen nach Gutsherrenart durch Disney verkleinert werden soll, hat landauf, landab für Empörung und dann den Boykott gesorgt. Jetzt verdient in vielen Kinos niemand an dem Blockbuster. Die Kinobesitzer nicht - Verleiher Walt Disney Pictures allerdings auch nicht.

Rechtlich ist indes nichts gegen das Vorgehen des Hollywood-Studios einzuwenden: Die Leihgebühren sind nicht festgelegt, sondern können immer wieder neu bestimmt werden. In der Vergangenheit gab der Disney-Konzern dafür bereits schon mal ein Beispiel mit Boykottfolgen, als die Leihgebühren 2003 für "Hulk" erhöht wurden und sich daraufhin 200 Kinos weigerten, den Streifen zu zeigen.

Während der Disney-Konzern zu dem Boykott keine Stellungnahme abgibt ("Es verstieße gegen unsere Firmenpolitik, öffentlich vertrauliche Details hinsichtlich unserer Geschäftsbeziehungen zu diskutieren"), wagt Karl-Heinz Meier vom Kinoverband I.G. Nord einen Ausblick: "Am Ende des Jahres kommt der neue 'Star Wars', bei dem auch Disney den Verleih übernimmt - das könnte interessant werden."


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