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Fargo - Blutiger Schnee
Fargo - Blutiger Schnee
© 20th Century Fox Home Entertainment

TV-Tips für Sonntag (17.5.): Blutiger Schnee

Arte zeigt Meisterwerk "Fargo"

Derzeit sitzen die Coen Brothers als Vorsitzende der Jury bei den Filmfestspielen in Cannes. Zeigt daher Arte zu Ehren des genialen Brüderpaars heute Abend zwei ihrer besten Filme? Wer noch nie ihr Meisterwerk "Fargo" gesehen hat, kann dies zur besten Sendezeit nachholen.

"Die Tribute von Panem: The Hunger Games", Pro7, 20:15 Uhr:
2009 kratzten Lionsgate Films alles Geld zusammen, was sie hatten (oder liehen es sich), um die Rechte an Suzanne Collins' Jugendbuch-Trilogie "The Hunger Games" zu erwerben, die 2008 erschienen war. Hätten die anderen großen amerikanischen Filmstudios gewusst, welche Goldader die Kanadier damit anstachen, wären die Rechte wohl nicht für nur 200 000 Dollar gesichert worden. So aber konnten sich Lionsgate, die fünf Jahre hintereinander keinen Gewinn gemacht hatten, über eine der profitabelsten Reihen der letzten Jahre freuen.

"The Hunger Games" spielt in einem dystopischen Nordamerika der Zukunft: Während die Hauptstadt, das Kapitol, in obszönem Reichtum und Verschwendung lebt, vegetieren die unterdrückten Außendistrikte des Landes in Hunger und Armut. Einziger Weg aus diesem Zustand ist für einige wenige einmal im Jahr die Teilnahme an den landesweit übertragenen "Hunger Games", bei denen sich jeweils zwei Jugendliche aus jedem der zwölf Distrikte in einer riesigen Arena so lange bekämpfen müssen, bis nur noch ein Sieger übrig bleibt.

Für die entscheidende Rolle der Katniss Everdeen bewarben sich rund 30 Schauspielerinnen, darunter alles, was heute Rang und Namen hat - Hailee Steinfeld, Abigal Breslin, Emma Roberts, Saoirse Ronan, Chloe Grace Moretz und Shailene Woodley. Der Part ging schließlich an die damals 21-jährige Jennifer Lawrence, die 2010 mit "Winter's Bone" einem breiteren Publikum ein Begriff wurde. Für die Inszenierung verpflichtete man unerwarteterweise "Seabiscuit"-Regisseur Gary Ross, der auch zusammen mit Romanautorin Collins und Billy Ray das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde hauptsächlich in North Carolina, das acht Millionen Dollar Steuernachlass gewährte.

Insgesamt kostete der erste Teil 78 Millionen Dollar. Man legte viel Wert auf die Masken, Kulissen, Ausstattung und Kostüme - für die 500 verschiedenen, teilweise aufwendigen Frisuren waren alleine 35 Friseure und Maskenbildner beschäftigt - um die Unterschiede in Farbe und Form zwischen dem Capitol mit seiner Mischung aus zukünftigem Art Déco-Retro-Design und den Distrikten mit seinem Große Depression-Gefühl - gedreht wurde unter anderem in einem verlassenen Mühlendorf von Beginn des 20. Jahrhunderts - deutlich werden zu lassen.

"The Hunger Games" ist mit seinem Thema sich gegenseitig abschlachtender Teenager keine leichte Kost: Die Zensoren taten sich schwer, eine Altersfreigabe "Ab 12 Jahren" zu erteilen - in Großbritannien erhielt der Streifen diese nur nach Schnitten und anderen Modifikationen (weniger Blut etc.), während die ungeschnittene Version auf Disc erst "ab 15 Jahren" freigegeben werden sollte.

Davon abgesehen, gelang es Regisseur Ross, die dramatische Gewalt, die rohen Emotionen und den anspruchsvollen Handlungsrahmen des Romans werkgetreu und hervorragend auf die Leinwand zu bringen (wobei er nicht digital, sondern mit echtem Film photographieren ließ), spannend und ausgezeichnet gespielt.

"The Hunger Games" lud zu vielen kontroversen Diskussionen ein, vom Vorwurf, das Ganze sei ein schwacher Abklatsch des japanischen Thrillers "Battle Royale" über die Diskussion, ob Lawrence zu babyspeckig für einen Charakter wirke, die im Buch nahe am Rande des Verhungerns lebt, bis zu der Auseinandersetzung über die Ethnien der Charaktere. Welche politische Botschaft der Film transportiere, ob er christlich zu lesen sei oder feministische Untertöne habe, ließen den Blätterwald ebenfalls rauschen und die Computer-Tastaturen klappern.

All dies trug aber eher noch zum Interesse an diesem Werk bei, als dass es dieses behinderte - die Romanadaption wurde ein Riesenerfolg: In den USA kam sie mit 408 Millionen Dollar als dritterfolgreichster Film des Jahres 2012 hinter "The Avengers" und "The Dark Knight Rises" ins Ziel; weltweit spielte sie insgesamt 691 Millionen Dollar ein. Bei den Golden Globes wurde der Song "Safe and Sound" nominiert. Nach diesem Triumph war klar, dass die gesamte Trilogie verfilmt werden würde. Um die Kuh noch etwas länger zu melken, sogar mit einem zweigeteilten dritten Part.

Die Kritiken zu "The Hunger Games" waren exzellent und übertrafen sogar die Publikumsreaktionen. Kritiker Colin Covert lobte für die "Minneapolis Star Tribune": "Zuschauer, die als Beilage zu ihrem Science Fiction-Film eine politische Allegorie mögen, werden hier vieles zu würdigen wissen. So wie auch Romantiker, Fans von feministischen Helden und Action-Begeisterte. Dieser Film ist dieses seltene Beispiel für einen Blockbuster von echter Bedeutsamkeit."



"Fargo - blutiger Schnee", Arte, 20:15 Uhr:
Der von Anfang an unbeholfene Plan des in Schulden versinkenden Autoverkäufers Jerry Lundegaard (William H Macy), Lösegeld für seine von ihm und zwei Helfershelfern (Steve Buscemi und Peter Stormare) entführte Frau zu kassieren, scheitert an der beharrlichen Ermittlung der schwangeren Polizistin Marge Gunderson (Frances McDormand).

Derzeit macht die Fernsehserie "Fargo" Furore, die als eine Art Spin-off dieses Meisterwerks von 1996 zu sehen ist. Dass der Kriminalfilm auch knapp 20 Jahre nach Erscheinen seine Duftmarken in der Unterhaltungsindustrie setzt, verwundert kaum. Schon bei Veröffentlichung überschlugen sich die Kritiker, die "Fargo" zum besten der bis dahin erschienenen Werke der Coen Brothers erklärten. Brutal, schrullig und bitterböse komisch zugleich, war Ethan und Joel Coen, die wie immer auch das Drehbuch geschrieben und den Film unter ihrem Pseudonym Roderick Jaynes auch geschnitten hatten, eine wirklich originelle Geschichte gelungen. Und nicht zuletzt eine originelle Heldin in Form der schwangeren Ermittlerin, die von McDormand wunderbar dargestellt wurde.

Dass zu Beginn des Films eingeblendet wird: "DIES IST EINE WAHRE GESCHICHTE. Die Ereignisse, die in diesem Film dargestellt werden, spielten sich 1987 in Minnesota ab. Auf Bitten der Überlebenden sind die Namen geändert worden. Aus Respekt vor den Toten ist der Rest geschildert, genauso wie er passiert ist." Schnell stellte sich nach Journalistenrecherchen heraus, dass dies kompletter Blödsinn war - die Handlung ist reine Fiktion (wie es dann auch im Abspann zu lesen war), auch wenn die Coens betonten, so etwas Ähnliches wie im Film habe sich 1986 in Connecticut abgespielt. "Wenn Zuschauer glauben, dass etwas auf wahren Begebenheiten basiert, dann gestattet es einem Dinge zu machen, die sonst nicht akzeptiert würden", begründeten die Filmemacher ihren Streich. Auch der Titel des Films führt in die Irre. Die Stadt Fargo in North Dakota kommt nur am Rande vor; die Handlung spielt in der Heimat der Coens, Minnesota, wo der Großteil des Films auch gedreht wurde.

Mit "Fargo" erarbeiteten sich die Coens erstmals den ganz großen Respekt der Filmindustrie. Obwohl die nur sieben Millionen Dollar teure Produktion nur ein moderater Erfolg beim Publikum wurde (er war allerdings mit der Altersfreigabe "R - Restricted" auch nicht für Jugendliche ohne Erwachsenenbegleitung sehbar), erhielt er sieben Academy Awards-Nominierungen für den "Besten Film", die "Beste Regie", das "Beste Drehbuch", die "Beste Hauptdarstellerin" (McDormand), die "Beste Nebenrolle" (Macy), die "Beste Kamera" und den "Besten Schnitt". Zwei "Oscars" gingen dabei an die Coens für das Drehbuch und an Frances McDormand. Die Coens gewannen für die "Beste Regie" darüberhinaus in Cannes und bei den Britischen Filmpreisen. Insgesamt erhielt "Fargo" rund 70 Preise. 2006 nahm ihn die Library of Congress als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam" in das National Film Registry auf, um seinen Erhalt für die Nachwelt zu garantieren.

Ein Zuschauer aus New Mexico schwärmt: "Mann, ist das ein guter Film! Auf das Wesentliche reduziert, handelt es sich hier um einen Kriminalfilm, aber die Coen Brothers untergraben die Ernsthaftigkeit ständig mit einer verschrobenen Ironie. Es ist vollkommen unmöglich, das allzu ernst zu nehmen - aber doch gerade ernst genug, um Mitleid mit den Opfern zu empfinden und die Bösewichter zu missbilligen. Ein origineller und erfrischend erwachsener Streifen."



"Barton Fink", Arte, 21:50 Uhr:
Ein angesehener New Yorker Schriftsteller (John Turturro) wird 1941 nach Kalifornien gelockt, um ein Drehbuch zu schreiben und versinkt dabei in der höllischen Wahrheit Hollywoods.

Als sie beim Schreiben ihres vorherigen Films "Miller's Crossing" nicht weiterkamen, machten sich die Coen Brothers daran, innerhalb von drei Wochen stattdessen "Barton Fink" zu schreiben, eine der ätzendsten Satiren auf die hohlköpfige Kommerzialiät Hollywoods und eine faszinierende Reflexion über den Schreibprozess und die künstlerische Integrität. Joel und Ethan Coen verankern ihre Geschichte dabei in einem quasi-realen Hollywood, indem ihre Figuren realen Personen mehr als ähneln. So ist der naive Schriftsteller Barton Fink an den New Yorker Schriftsteller Clifford Odets angelehnt, der eigentlich Stücke über "den kleinen Mann" schreiben wollte und dann in Hollywood landete, wo er Drehbücher schrieb. Der von John Mahoney verkörperte desillusionierte und alkoholabhängige Schriftsteller WP Mayhew ist eine Variation von William Faulkner, und der bullige Filmproduzent Jack Lipnick (Michael Lerner) ähnelt sehr den Hollywood-Mogulen David Selznick und MGM-Boss Louis Mayer.

Voller Wendungen und zunehmend beunruhigend, realisierten die Coens ihr Drama von 1991 mit ihrem typischen schwarzen Humor und mit phantastischen Leistungen ihrer Besetzung, darunter auch der für einen Golden Globe nominierte John Goodman und die von den Londoner und New Yorker Filmkritikern ausgezeichnete Judy Davis in Hochform. Erstmals arbeiteten die Filmemacher mit dem britischen Kameramann Roger Deakins, der von da an ihr Stammkameramann werden sollte. Er setzte die Kontraste des Films - das langsam verfallende Hotel, in dem Fink untergebracht wird und das wie ein Geisterschiff durch die Stadt zu treiben scheint, und die sonnendurchfluteten Hollywood-Studios und -Residenzen unvergesslich ins Bild.

Bei den Filmfestspielen in Cannes schaffte "Barton Fink" das seltene Kunststück, alle drei Hauptpreise (die "Goldene Palme" für den "Besten Film", für die "Beste Regie" und für Turturro als "Besten Darsteller") zu gewinnen. Bei den "Oscars" wurden Michael Lerner als "Bester Nebendarsteller", die "Besten Kulissen" und die "Besten Kostüme" nominiert. Trotz dieser hohen Wertschätzung und der großartigen Kritiken kam der Streifen in nur wenige Kinos und spielte seine bescheidenen Produktionskosten nicht ein.

Ein britischer Zuschauer beschreibt: "Das ist ein fabelhafter Film, mit der brütenden und schwülen Atmosphäre vollgesogen, die einen in die klamme Welt von Barton Fink zieht, der in seinem Hotelzimmer sitzt und dem Knistern der Tapete lauscht, die sich feucht von den Wänden löst. Vielleicht ist der Film etwas zu düster für manche Geschmäcker, aber man wird keine schwärzere und beißendere Satire finden, die das Hollywood-System und die Vornehmtuerei der New Yorker Theaterwelt mit gleicher Boshaftigkeit angeht. Am Schluss jeder Szene in den letzten 20 Minuten dachte ich, dass der Film nun enden könnte und ein unglaublicher Streifen sein würde, aber jede weitere Szene fügte weitere Tiefe und Eindringlichkeit hinzu."



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