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Roman Polanski als Der Mieter
Roman Polanski als Der Mieter
© Paramount Home Entertainment

TV-Tips für Samstag (23.5): Auf ungute Nachbarschaft!

Arte zeigt "Der Mieter"

Zu nächtlicher Stunde lässt es sich prächtig gruseln: "Der Mieter" Roman Polanski zieht ins Arte-Nachtprogramm ein und ist die Empfehlung des Abends. Zur Hauptsendezeit locken die originalen "X-Men" vor den Fernseher.

"X-Men - Der Film", Pro7, 20:15 Uhr:

Zwei Jahre später sollte Hollywood mit dem sensationellen Mega-Start von "Spider-Man", der am Eröffnungswochenende mit 115 Millionen Dollar einen neuen Startrekord aufstellte, realisieren, dass sich mit Comic-Verfilmungen richtig viel Geld verdienen ließ. Und hat die Zuschauer seitdem unablässig mit Comic-Adaptionen bombardiert. Doch der wahre Wegbereiter für diese Entwicklung ist dieser Science Fiction-Film aus dem Jahr 2000. 20th Century Fox bewiesen, dass man nicht nur aus Shakespeare spannendes Qualitätskino machen konnte, wenn man den Stoff nur den richtigen Leuten anvertraute: So übertrug man Bryan Singer die Regie, der mit dem meisterhaften "Die üblichen Verdächtigen" seinen Durchbruch gefeiert hatte, und stellte ihm eine großartige Besetzung internationaler Schauspieler zur Verfügung - von denen einige wie der Brite Patrick Stewart tatsächlich Shakespeare-Erfahrung hatten oder andere wie der Australier Hugh Jackman ihr Hollywood-Debüt gaben.

In diesem ersten "X-Men" werden zwei Mutanten (Anna Paquin und Hugh Jackman) an eine Privatschule für ihresgleichen geholt, wo ein Superhelden-Team sich bereit macht, eine terroristische Organisation mit ähnlichen Fähigkeiten zu bekämpfen.

Schon seit 1984 hatten Marvel Comics mit der Idee gespielt, ihre Comic-Reihe zu einem Spielfilm verarbeiten zu lassen, dabei aber das Pech, erst mit Orion Films und dann mit Carolco Pictures jeweils mit zwei Studios zu kooperieren, die in finanzielle Schwierigkeiten gerieten und das Projekt nicht stemmen konnten. Dabei war auch James Cameron als Regisseur im Gespräch. Das Ganze bekam neuen Schwung, als 20th Century Fox den Erfolg der "X-Men"-Zeichentrickserie auf ihrem Fernsehkanal Fox Kids bemerkten. Ab 1994 trieben daher Fox die Produktion voran. Einer der Autoren, die an den ersten Drehbuchentwürfen mitarbeiteten, war ein gewisser Joss Whedon - inzwischen mit "Avengers" selbst der Comic-Film-König.

Fox offerierten mehrmals dem gerade mit "The Usual Suspects" zu Ehren gekommenen Singer das Projekt, der es zunächst ablehnte, weil er Comic-Verfilmungen für unter seiner Würde hielt. Als er sich indes näher mit dem Material auseinander setzte, stellte er fest, dass ihn die Themen wie Vorteile und Ausgrenzung doch interessierten und nahm 1996 den Posten an. Fox kündigten erfreut die Premiere für Weihnachten 1998 an. Ein Termin, der sich absolut nicht halten ließ: Das Studio und Singer wurden sich nicht über das Drehbuch einig - Fox hielten die Ideen des damals 33-Jährigen für zu kostspielig. Schließlich schrieb der Schauspieler David Hayter das Drehbuch nochmals um und sollte für sein Skriptdebüt auch die alleinige Nennung im Vorspann erhalten.

Die Dreharbeiten fanden in Toronto statt, und erstaunlicherweise dachte man zunächst nicht daran, Firmen für digitale Spezialeffekte zu involvieren. Erst nachdem die Arbeiten bereits begonnen hatten und nachdem sich Singer via der Produktion von George Lucas' "Stars Wars: The Phantom Menace" über das inzwischen enorm gewachsene Potenzial der computergenerierten Effekte kundig gemacht hatte, engagierte man diverse Special Effects-Unternehmen.

Die Effekte standen dann beim Lob, das "X-Men" bei seiner Premiere von der Kritik erhielt, auch nicht im Vordergrund. Man rühmte vor allem, dass es dem Regisseur gelungen war, trotz der Vielzahl der Charaktere, die er zu berücksichtigen hatte, eine überraschend fokussierte Geschichte zu erzählen, die sich an die Vorlage hielt und mit viel Action unterhielt, getragen von einem großartigen Schauspielerensemble. Der 75 Millionen Dollar teure Streifen wurde der weltweit neunterfolgreichste Film des Jahres mit einem Einspiel von knapp 300 Millionen Dollar, so dass Fox nicht zögerten, eine Fortsetzung in Auftrag zu geben, erneut mit Singer auf dem Regiestühlchen.

Ein Zuschauer aus Alabama lobt: "Bryan Singer hat einen prima Job gemacht, indem er einen Film gedreht hat, der nicht nur die Fans der Comics überglücklich macht, sondern auch alle anderen Kinogänger. Der Streifen ist geerdet und vermittelt eine Botschaft über Vorurteile, von denen die Comics immer gehandelt haben: Die X-Men kämpfen für eine Welt, die sie eigentlich hasst."



"Event Horizon - Am Rande des Universums", Sat1, 22:40 Uhr:
Eine Rettungscrew (mit unter anderem Joely Richardson, Sam Neill und Laurence Fishburne) wird an Bord eines Raumschiffs geschickt, dass in einem Schwarzen Loch verschwunden war und nun zurückgekehrt ist - mit jemand oder etwas Neuem an Bord...

Einer der Regisseure, welche die Arbeit an "X-Men" ablehnten, war Paul Anderson. Der Engländer hatte 1995 erfolgreich den Fantasy-Film "Mortal Kombat" in die Kinos gebracht, als Paramount Pictures ihn für diesen Horrorfilm engagierten. Im Nachhinein hätte der damals 31-Jährige wahrscheinlich lieber Fox für "X-Men" zugesagt. Denn Paramount bestanden auf einer pünktlichen Veröffentlichung der Produktion im August 1997 auch dann noch, als sich abzeichnete, dass dadurch die Nachproduktion erheblich verkürzt werden wurde. So musste praktisch schon geschnitten werden, während noch gedreht würde. Hast ist niemals ein guter Ratgeber, und hier wurde das Produktionschaos noch dadurch verstärkt, dass Paramount mit Anderson's ersten Schnittfassungen nicht einverstanden waren: Seine Version dauerte 130 Minuten und enthielt viel Brutalität und Blut. Nach negativen Testvorführungen orderte Paramount an, den Streifen extrem zu kürzen - am Ende blieben 96 Minuten und somit nur noch ein Torso, der bei Kritik und Publikum gnadenlos durchfiel.

Da sich in der Prä-Disc Zeit niemand Gedanken machte, dass man sich noch mal etwas mit einem Director's Cut dazuverdienen würde können, vernichtete man die geschnittenen Szenen oder lagerte sie so unzureichend, dass sich das Filmmaterial heute in einem so schlechten Zustand befindet, dass es nur noch zum Bonus-Material auf den Disc-Veröffentlichungen taugte.

Die Idee des Films ist nicht neu und wirkt wie eine Computerspielversion von "Solaris", was insofern kein Zufall ist, weil eine der beteiligten Software-Firmen für das Erfolgscomputerspiel "Doom" verantwortlich war. Dass der Film sich aus seinem Flop-Status über die Jahre zu einem kleinen Kult-Film entwickelt hat, liegt neben der Sympathien für seinen "Underdog"-Status (das böse Hollywood-Studio zerstört die künstlerische Integrität des Filmemachens) auch in der Qualität seiner verstörenden und beeindruckenden Bilder.

Ein bulgarischer Zuschauer schreibt: "Das ist einer der unheimlichsten und spannendsten Horrorfilm, die ich je gesehen habe. Er erschafft ein Gefühl des Grauens und der düsteren Vorahnung, wie ich es noch in keinem Film erlebt habe. Das liegt an der Kombination großartiger Kameraführung, passender Musik und - man glaubt es kaum - an den Computereffekten. Ja, CGI ist hier einmal adäquat eingesetzt und nicht nur um ihrer selbst willen."


"Der Mieter", Arte, 01:00 Uhr:
"Heutzutage kann das Verhältnis zu den Nachbarn...recht kompliziert sein." Ein Bankangestellter (Roman Polanski) mietet sich in einem Pariser Apartment ein, wo er bald in einen Zustand gefährlicher Paranoia gerät.

Dass es zum Erzeugen von Schrecken keiner großen Spezialeffekte oder gar CGI bedarf, bewies Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Polanski mit diesem französischen Horrorfilm, mit dem er sich 1976 nach dem Riesenerfolg mit "Chinatown" wieder etwas kleiner setzte und zu seinem Apartment-Horror aus den Sechzigern mit "Ekel" und "Rosemary's Baby" zurückkehrte. Als Vorlage diente der Roman "Le locataire chimérique" von Roland Topor aus dem Jahr 1964. Ursprünglich wollte Jack Clayton in Großbritannien das Buch verfilmen, Paramount Pictures übertrugen es dann aber Polanski, während Clayton noch mit der Arbeit an "The Great Gatsby" beschäftigt war.

Polanski war für dieses Material zweifellos eine gute Wahl. Er entwickelt aus banalen Alltagsdetails einen irrationalen Schrecken, steigert geschickt Paranoia und Furcht und inszeniert grandios den psychischen Verfallsprozess als halluzinatorische Wirklichkeitsentfremdung. Dabei lässt er offen, wie viel sich nun wirklich nur im Kopf des Protagonisten abspielt oder wie viel seiner Angst tatsächlich durch seine Umwelt verschuldet wird.

Während "Le Locataire" (so der Originaltitel), der bei den Filmfestspielen in Cannes am Wettbewerb teilnahm (es gewann "Taxi Driver"), bei seiner Uraufführung mit Enttäuschung aufgenommen wurde, hat er seitdem - losgelöst aus dem "Chinatown"-Schatten - an Renommee gewonnen.

"Das ist ein wunderbar spannender und hochgradig klaustrophobischer Film, mit einem langsam eskalierenden und unerbittlichen psychologischem Schrecken. Dies ist mehr als eine einfache Darstellung von Wahn aus der Sicht der Person, die sie erleidet. Das Thema von Einsamkeit und ein Gefühl einer sinnlosen, unbedeutenden Existenz sind der wahre Hintergrund dieses exzellenten Werks", so ein kalifornischer Zuschauer.

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