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Gene Wilder
Gene Wilder
© BANG Showbizz

Gene Wilder gestorben

Schauspieler litt an Alzheimer

Gene Wilder ist mit 83 Jahren gestorben. Sein Neffe Jordan Walker-Pearlman erklärte gestern, dass der Mime am Sonntagabend in seinem Heim in Stamford im US-Bundesstaat Connecticut an den Folgen der Alzheimer-Krankheit verschied: "Mit unbeschreiblicher Traurigkeit und Trübsinn, aber mit Dankbarkeit für das Leben, das er gelebt hat, muss ich das Hinscheiden des Ehemanns, Vaters und universellen Künstlers Gene Wilder bekannt geben."

Bereits vor drei Jahren habe Wilder die Alzheimer-Diagnose erhalten, aber geheim gehalten, um seine Fans nicht zu beunruhigen. Er habe die Vorstellung einfach nicht ertragen, dass es ein Lächeln weniger auf der Welt geben könnte, zumal viele Kinder ihn als Willy Wonka in "Charlie and the Chocolate Factory" von 1971 kannten.

Wilder war 1968 mit der Komödie "The Producers" von Mel Brooks bekannt geworden, für die er auch gleich für den "Oscar" als "Bester Nebendarsteller" nominiert wurde. Mit Brooks landete er 1974 seine zwei größten Erfolge mit den Komödien "Young Frankenstein", für dessen Drehbuch die beiden Künster "Oscar"-nominiert wurden, und "Blazing Saddles" ("Der wilde wilde Westen").

Gene wurde am 11. Juni 1933 als Jerome Silberman in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin als Sohn eines russischen Einwanderers geboren, der als Erfinder und Kaufmann arbeitete. Bereits als Kind war er von der Bühne fasziniert, als er seine ältere Schwester als Schauspielerin beobachtete. Mit 13 Jahren begann er seine zweijährige Ausbildung als Akteur bei dem Schauspiellehrer seiner Schwester. Mit 15 Jahren stand er in "Romeo and Juliet" erstmals vor zahlendem Publikum auf der Bühne. 1951 beendet er die High School und begann ein Studium der Kommunikations- und Theaterkünste an der University of Iowa. Nach dem Ende des Studiums musste er für ein Jahr zur Armee, wo er im Medizinischen Coprs in Phoenixville im US-Bundesstaat Pennsylvania diente und nebenbei weiter eine Schauspielschule in New York City besuchte.

1959 wurde er als Schüler im weltbekannten Actor's Studio in New York City aufgenommen und änderte seinen Namen in Gene Wilder, weil "Jerry Silberman in 'Macbeth' keinen besonders guten Klang hatte", wie er später erzählte. Anfang der Sechziger begann er sich einen Namen als Darsteller am Off-Broadway zu machen und erhielt 1963 die Hauptrolle in Bertold Brecht's "Mutter Courage und ihre Kinder" neben Anne Bancroft, die ihn mit ihrem Freund Mel Brooks bekannt machte.

Wilder tourte mit verschiedenen Theaterproduktionen durch die USA, trat im Fernsehen unter anderem 1966 in einer TV-Version des Theaterstücks "Death of a Salesman" in einer Nebenrolle auf und erschien 1967 in "Bonnie and Clyde" erstmals auf einer Kinoleinwand. Ein Jahr darauf erinnerte sich Brooks an Wilder und besetzte ihn als Hauptdarsteller in "The Producers" ("Frühling für Hitler"), mit dem der damals 33-Jährige auch im Kino bekannter wurde, während der Film selbst floppte und erst mit den Jahren zu dem Kultfilm wurde, der dann sogar in den nuller Jahren zu einem Musical und einem Remake führen sollte.

Auch wenn die drei folgenden Filme, die Komödien "Start the Revolution Without Me" und "Quackser Fortune Has a Cousin in the Bronx" aus dem Jahr 1970 und der Fantasy-Film "Willy Wonka and the Chocolate Factory" von 1971 kommerzielle Reinfälle waren, machten sie Wilder dennoch als Hauptdarsteller weiter bekannt; als Willy Wonka wurde er für einen Golden Globe nominiert. Die Flop-Reihe endete 1972 mit der Erfolgskomödie "Everything You Always Wanted to Know About Sex But Were Afraid to Ask" von Woody Allen, in der Gene ein unvergessliches Liebespaar mit einem Schaf bildete.

Im Anschluss nahm der Schauspieler seine Geschicke in die eigenen Hände und schrieb das Drehbuch zu "Young Frankenstein", das er Mel Brooks zur Inszenierung anbot. Beide Männer liefen mit dieser liebevollen und schreiend komischen Hommage an die Horrorfilme der Dreißiger zur Hochform auf und drehten ein Werk, das mit Drehbuch und Ton für zwei "Oscars" nominiert und 1974 mit Platz vier in den USA ein Riesenerfolg wurde - geschlagen von ihrer eigenen Western-Parodie "Blazing Saddles", die im selben Jahr der erfolgreichste Streifen es Jahres wurde.

Durch die Erfolge ermutigt, trat Wilder ein Jahr darauf erstmals in Dreifachfunktion auf: Er schrieb, inszenierte und spielte in der Komödie "The Adventure of Sherlock Holmes' Smarter Brother". Im gleichen Jahr trat er zum ersten Mal mit Richard Pryor in der Komödie "Silver Streak" ("Trans-American Express") auf, die ein großer Hit wurde. Wilder und Pryor bekamen die erste interethnische Komikerpaarung des US-Kinos. Gene wurde als Hauptdarsteller für einen Golden Globe nominiert.

1977 schrieb, inszenierte und drehte Gene die Komödie "The World's Greatest Lover", eine Hommage an Rudolfo Valentino, die floppte, ebenso wie 1979 die Westernkomödie "The Frisco Kid" ("Ein Rabbi im Wilden Westen") mit Harrison Ford. Ein Jahr darauf inszenierte Sidney Poitier das Duo Gene Wilder und Richard Pryor in "Stir Crazy" ("Zwei wahnsinnig starke Typen"), der wieder ein Mega-Hit wurde und den Status der Zwei zementierte. Unter Poitier drehte Gene 1982 auch seine nächste Komödie "Hanky Panky" ("Der Geisterflieger"), die ein Reinfall war, bei der er aber immerhin seine dritte Frau Gilda Radner kennen lernte.

Mit "The Woman in Red", der Wiederverfilmung einer französischen Komödie, trat Wilder zum dritten Mal hinter die Kamera. Dieser Film gewann für Stevie Wonder's "I Just Called to Say I Love You" den Academy Award. Während dieses Werk ein Erfolg beim Publikum war, fiel Wilder's vierte und letzte Regiearbeit "Haunted Honeymoon" ("Hochzeitsnacht im Geisterschloss") 1986 durch. 1989 kehrte das Duo Pryor-Wilder mit "See No Evil, Hear No Evil" ("Die Glücksjäger") zum dritten Mal auf die Leinwände zurück. Trotz negativer Kritiken wurde auch diese Komödie ein Erfolg an den Kinokassen.

Nach "See No Evil, Hear No Evil" spielte Gene nur noch zwei Mal in Kinofilmen mit: 1990 in der Komödie "Funny About Love" ("Kein Baby an Bord") und 1991 noch einmal mit Richard Pryor in "Another You" ("Das andere Ich"), die beide floppten. Danach arbeitete Wilder ausschließlich im Fernsehen, so in der NBC-Sitcom "Something Wilder", die schlechte Kritiken erhielt und es nur auf eine Staffel brachte. Letztmals war Gene 2003 im Alter von 70 Jahren in einer Folge von "Will & Grace" zu sehen.

2005 veröffentlichte der Mime seine Memoiren und erklärte 2008, dass er sich zur Ruhe gesetzt habe: "Ich mag die Show. Aber ich mag nicht das Business." Er engagierte sich für verschiedene Wohltätigkeitszwecke.

Gene Wilder war viermal verheiratet; die ersten beiden Ehen endeten in Scheidungen. Die dritte Ehe mit Gilda Radner endete mit deren Krebstod 1989. Der Künstler hinterlässt nun seine vierte Gattin Karen Boyer, mit der er seit 1991 verheiratet war und die er bei den Dreharbeiten zu "See No Evil, Hear No Evil" kennen gelernt hatte, als sie ihm das Lippenlesen beibrachte.



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