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Edge of Tomorrow - Tom Cruise
Edge of Tomorrow - Tom Cruise
© Warner Bros.

TV-Tipps für den 2. Advent (4.12.): Tom Cruise in der Endlosschleife

Pro7 zeigt FreeTV-Premiere "Edge of Tomorrow"

Mit "Edge of Tomorrow" beziehungsweise "Live.Die.Repeat" hat Pro7 am Sonntagabend einen der besten Tom Cruise-Filme im Angebot des Hauptprogramms. Wer mehr Gefühl, weniger Geballer schätzt, der findet mit "Wenn ich bleibe" auf RTL2 eine einigermaßen sehenswerte Alternative.

"Edge of Tomorrow", Pro7, 20:15 Uhr

Ein Soldat (Tom Cruise), der in Nordfrankreich gegen Außerirdische kämpft, erlebt - sobald er getötet wird, den selben Tag immer wieder und wieder und wieder.

Es wäre leicht, diesen Streifen als "...und täglich grüßt das Murmeltier" goes Science Fiction abzutun, aber das würde dem packenden, sehr gut gespielten, witzigen, intelligenten und vor allem unterhaltsamen Werk nicht gerecht. Von allen Filmen, die Tom Cruise in den vergangenen Jahren gedreht hat, ist dies wohl der mit Abstand beste, und um so tragischer ist es, dass ausgerechnet dieser allein wegen seines mäßigen Premierenwochenendes als gefühlter Misserfolg wahrgenommen wurde und in den USA lief, als wäre es irgendein anderer "Oblivion" oder "Jack Reacher", aber eben kein "Mission Impossible".

Mit 178 Millionen Dollar hatten sich Warner Brothers das Unterfangen eine möglicherweise irrational scheinende Zahl kosten lassen, und der Erwartungsdruck war von Anfang an hoch, nun die Zuschauer zum Schlangestehen einzusammeln. Mit rund 100 Millionen Dollar in den USA wurde "Edge of Tomorrow" indes ein nur solider Erfolg; das grandiose Auslandgeschäft von 270 Millonen Dollar blieb ein Nachsatz.

So kam es, dass - bei einer Hollywood-Produktion diesen Ausmaßes eigentlich unvorstellbar - das Werk für seine Disc-Auswertung sogar umgetitelt wurde, um einen frischen Start bei den Konsumenten zu ermöglichen und den vermeintlich nach Flop riechenden Titel "Edge of Tomorrow" in den Hintergrund zu rücken. Auf einmal hieß der Film so wie sein Slogan: "Live. Die. Repeat."

2010 erwarben Warner Brothers für 3 Millionen Dollar die Verfilmungsrechte an dem japanischen Jugendroman "All You Need Is Kill" von Hiroshi Sakarazaka aus dem Jahr 2004 und sahen ursprünglich ein Projekt für Brad Pitt vor, der dann aber nach dessen Absage durch Cruise ersetzt wurde.

Die Dreharbeiten in den Warner Brothers Studios in Leavesden nahe London, in denen die "Harry Potter"- und "Fantastic Beasts"-Filme entstanden, dauerten mit fast einem Jahr vom Herbst 2012 bis Sommer 2013 ungewöhnlich lange. Regisseur Doug Liman nahm sich für jede Szene viel Zeit, bis sie zu seiner Zufriedenheit geriet. Alleine die Dreharbeiten am Strand dauerten auch wegen des sich ständig verändernden Wetters statt zwei Wochen drei Monate. Die Szenen am Strand mussten ja im Film wegen des exakt immer wieder gleich aussehenden Tages nicht zu unterschiedlich wirken.

Ein weiteres Problem war, dass noch während der Dreharbeiten kein befriedigender Schluss für das Drehbuch existierte. Christopher McQuarrie, der als Regisseur mit Cruise an "Jack Reacher" zusammen gearbeitet hatte und ein Jahr später bei "Mission: Impossible - Rogue Nation" erneut kooperieren sollte, wurde als Drehbuchautor Nummero drei an Bord geholt, um während der laufenden Produktion das Skript in seine endgültige Form zu bringen.

Dem fertigen Film sieht man diese Schwierigkeiten nicht an, was auch ein Ausweis der Qualität der Arbeit aller Beteiligten, einschließlich der Spezialeffekte-Künstler- und -Techniker ist, die ein Werk aus einem Guss geschaffen haben. Tom Cruise bewies, dass er auch nach drei Jahrzehnten im Filmgeschäft immer noch mehr als fähig war, einen Streifen auf seinen Schultern zu tragen. Auch wenn es in der öffentlichen Wahrnehmung trotz glänzender Kritiken dann leider anders transportiert wurde und "Edge of Tomorrow" in der Preisverleihungssaison weitgehend ignoriert wurde.

Kritiker Jonathan Hatful lobte in "SciFi Now": "Mit einer gewaltigen ersten Hälfte und mehr Verstand, Herz und Lachern, als die ganze Werbekampagne erwarten ließ, ist dies klug, witzig, spannend und vor allem macht es Spaß."



"Wenn ich bleibe", RTL2, 20:15 Uhr
Nach einem Autounfall liegt die junge Mia Hall (Chloe Grace Moretz) im Koma. Während dessen muss sie in einer außerkörperlichen Erfahrung entscheiden, ob sie aufwachen will, um dann aber ein Leben zu führen, das ganz anders sein würde, als das, was sie sich vorgestellt hat.

Bei "The Fault in Our Stars" ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter") hatten sich 20th Century Fox 2012 die Verfilmungsrechte gesichert. Das veranlasste New Line Cinema und MGM, die bereits seit 2010 erworbenen Rechte an dem Jugendroman "If I Stay" von Gayle Forman aus dem Jahr 2009 als Produktion voranzutreiben, um einen eigenen auf ein jugendliches, hauptsächlich weibliches Publikum abzielendes Werk auf den Leinwänden präsentieren zu können.

Für die Hauptrolle lagen Dakota Fanning, Emily Browning und Chloe Grace Moretz im Rennen, von denen Letztere schließlich den Part bekam. Obwohl sie im Vorfeld extra begann, für ihre Rolle das Cello-Spielen zu erlernen, wurde schließlich doch ein Musikerinnen-Double eingesetzt, auf die der Kopf der Darstellerin per Computertechnik überlagert wurde.

Ursprünglich war die "Twilight"-Regisseurin Catherine Hardwicke als Regisseurin vorgesehen, dann aber durch den brasilianischen Filmemacher Heitor Dhalia ("Gone") ersetzt, der das Projekt ebenfalls wieder verließ, so dass der Dokumentarfilmer und TV-Regisseur R.J. Cutler zu seinem Kino-Regiedebut kam und die Dreharbeiten im kanadischen Vancouver leitete.

Cutler erzählt die Teenager-Romanze sensibel, fügt der melodramatischen Jugendbuch-Handlung einen faszinierenden übernatürlichen Kniff hinzu und stellt anspruchsvolle Fragen über unterschiedliche Lebensentwürfe, über Verlust und Tod, ist dabei aber häufig mehr manipulativ als bewegend. Das größte Plus des Dramas ist Chloe Grace Moretz, die eine hingebungsvolle Darstellung bietet.

Mit weltweit nur 78 Millionen Dollar Umsatz wurde die Produktion - vielleicht auch wegen der schlechten Kritiken - 2014 kein großer Erfolg, spielte aber dank der geringen Kosten von 11 Millionen Dollar einen Gewinn für die Filmstudios heraus.

Kritiker Mark Kermode schrieb im "Observer": "Das Ganze klingt unerträglich kitschig, aber Regisseur R.J. Cutler kennt sein jugendliches Zielpublikum gut und schreibt ihm mehr Intelligenz und Belastbarkeit zu, als man erwartet hat."



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