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Naomi Watts und Laura Harring in Mulholland Drive
Naomi Watts und Laura Harring in Mulholland Drive
© Universal Pictures

TV-Tipp für Montag (19.6.): Naomi Watts fährt auf der Straße der Finsternis

Arte zeigt "Mulholland Drive"

"Mulholland Drive", Arte, 20:15 Uhr
Nachdem eine Frau (Laura Harring) bei einem Autounfall auf dem Mulholland Drive in Los Angeles ihr Gedächtnis verloren hat, suchen sie und eine kecke angehende Schauspielerin (Naomi Watts) nach Hinweisen auf ihre Identität und die Geschehnisse, die immer mehr in ein Gebiet zwischen Träumen und Realität führen.

Als im vergangenen Jahr die BBC 177 Kritiker weltweit nach dem ihrer Meinung nach besten Film des noch nicht so langen 21. Jahrhunderts befragte, landete dieser Kriminalfilm ganz vorne. Viele Zuschauer werden dieser Einschätzung nicht folgen können, allein schon mal deshalb, weil sie überhaupt nicht verstehen, was zum Teufel da auf der Leinwand passiert und welchen Sinn das ergeben soll. Was keine Schande ist. Schließlich ist das hier ein Werk von Regisseur und Drehbuchautor David Lynch, dessen Streifen man schon immer mehr erleben denn verstehen konnte.

"Eine Liebesgeschichte in der Stadt der Träume" hat Lynch seinen Film genannt, dessen Titel von der Straße herrührt, die aus den Bergen nach Los Angeles führt, und von der es heißt, sie trage die Geschichte Hollywoods in sich. Auf jeden Fall ist die Straße bereits in vielen Filmen, Liedern und Romanen thematisiert worden. Bei Lynch könnten die Serpentinen als Synonym für das Eindringen nicht nur in die Filmmetropole, sondern auch deren "Psyche" stehen, zumal der Filmemacher mit vielen Versatzstücken und Klischees Hollywoods spielt.

Ursprünglich war das Werk nicht für das Kino gedacht, sondern als Pilotfilm für eine Fernsehserie, von der sich der Sender American Broadcasting Company (ABC) ein zweites "Twin Peaks" - Lynch's Welterfolg von 1990, der gerade eine Fortsetzung vom Meister selbst erfährt - erhoffte. Doch den Anfang 1999 vor Ort in Los Angeles gedrehten Film wollten die Programmverantwortlichen nicht ausstrahlen - laut Lynch "hassten sie ihn" - und verlangten eine radikale Kürzung, mit welcher der Drehbuchautor und Regisseur wiederum unglücklich war. Schlussendlich gab man das Projekt auf.

Doch David wollte das Material nicht einfach ungenutzt lassen, sah das Potential für einen Kinofilm, erweiterte sein Skript und konnte weitere 7 Millionen Dollar Finanzierung des französischen Studios Canal plus sichern, so dass im Oktober 2000 weitere Szenen und ein neues Ende gedreht werden konnten.

Es mutet angesichts dieser Produktionsgeschichte ironisch an, dass "Mulholland Drive" 2001 dann von den Kritikern gefeiert, mit Dutzenden Preisen und Auszeichnungen bedacht und vom Publikum als einer von Lynch's besten Filmen aufgenommen wurde. Auf dem Filmfestival von Cannes wurde David als "Bester Regisseur" ausgezeichnet und in Hollywood für den Oscar nominiert. Bei den Golden Globes ging der Streifen als "Bester Film", für die Regie, das Drehbuch und die Musik von Angelo Badalamenti ins Rennen. Letzterer war ebenfalls für den Britischen Filmpreis nominiert, den Mary Sweeney für ihren Schnitt erhielt.

Ein großer kommerzieller Erfolg war dem sperrigen, letztlich 15 Millionen Dollar teuren Werk, das sowieso mehr ein Programmkinotitel war, mit einem weltweiten Umsatz von 20 Millionen Dollar nicht beschert. Was, wie gesagt, kein Wunder ist. Der traumgleiche und geheimnisvolle "Mulholland Drive" weist eine unkonventionelle Erzählstruktur mit vielen Wendungen auf, deren scheinbar zusammenhanglosen Vignetten sich schließlich kreuzen. Die kryptische Handlung wird von surrealen und düster-komischen Szenen und Bildern gespeist, die wie eine Endlosschleife aneinander gereiht sind und in denen die Darsteller ihre Rollen wechseln. Die Engländerin Naomi Watts, die bereits seit Anfang der Neunziger im Fernsehen und auf der Leinwand zu sehen war, schaffte hier mit ihrer faszinierenden Darstellung den Durchbruch.

Als "Mulholland Drive" auf DVD erschien, fand sich dort eine Karte mit "David Lynch's zehn Hinweisen, diesen Krimi zu enträtseln". Im Internet versuchen sich bis zum heutigen Tage Zuschauer an einer Interpretation des Gesehenen.

Ein US-Zuschauer schreibt: "Alfred Hitchcock wäre auf diesen Film stolz. Selbst wenn nichts passiert, ist er spannend. David Lynch überrascht während des ganzen Streifens mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven, der Länge der Einstellung, dem Zeitpunkt der Schnitte, dem Vorspringen und Zurückgreifen zwischen den Szenen. Zusammen mit dem schlauen Einsatz von Musik und Tönen baut all das die Spannung auf. Dieser Film ist wie Aufwachen und sich an vieles aus einem Traum zu erinnern, aber nicht genügend, um sich daraus einen Reim zu machen. Ich versuche immer noch, das Ganze zu verstehen, und muss den Streifen wahrscheinlich nochmal sehen, um Sachen zu finden, die ich verpasst habe und die mir helfen, alles besser zu verstehen. Die Handlung ist sehr detailliert und kommt sehr langsam zusammen, man muss also geduldig und aufmerksam sein - den Klogang sollte man vor Filmstart erledigt haben."



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