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Ralph reicht's
Ralph reicht's
© Walt Disney Studios

TV-Tipps für Samstag (8.7.): Ein Schurke will der Held sein

Vox zeigt "Ralph reicht's"

Mit "Ralph reicht's" hat Vox einen exzellenten Animationsstreifen im Hauptprogramm des Samstagabends zu bieten. Kinoliebhaber, die länger durchhalten, sei Roman Polanski's Sozialsatire "Der Gott des Gemetzels" im ARD-Nachtprogramm empfohlen.

"Ralph reicht's", Vox, 20:15 Uhr

Ein Videospiel-Bösewicht (gesprochen von Christian Ulmen) möchte endlich einmal der Held sein, aber seine Bemühungen sorgen für Chaos in der Videospielewelt.

Für ihren 52. Animationsfilm in der Walt Disney Animated Classics-Reihe suchte sich das Haus mit der Maus ein ungewohntes Terrain aus, das in Realfilmen wie "Tron" schon angerissen worden war: Die Welt der Videospiele. Bereits Ende der Achtziger hatten Disney erste Konzepte entwickelt; unter dem ehemaligen Pixar-Chef und "Toy Story"-Genius John Lasseter, der seit 2006 den Walt Disney Animation Studios vorstand, wurde es verwirklicht.

Ein erheblicher Teil der Vorproduktion musste darauf verwendet werden, die Rechte an den zahlreichen Videospielfiguren zu sichern, denn die Macher meinten, dass ein Streifen nur mit eigens erdachten Figuren weniger witzig und treffend sein würde. Also verhandelten Disney zum Beispiel mit Nintendo, um den Bösewicht Bowser aus "Super Mario Bros.", und mit Sega, um den Schurken Doctor Eggman aus "Sonic the Hedgehog" auftreten zu lassen. Diese sind in der Selbsthilfegruppe für Videospielschurken zu sehen, die der Titelcharakter Ralph (im Original von John C. Reilly gesprochen) besucht.

Insgesamt treten 188 verschiedene Figuren auf, weil so viele unterschiedliche Charaktere aus der Videospiel-Historie untergebracht wurden. Die Titelfigur war allerdings eine Neuerschaffung von Regie-Debutant und Drehbuchautor Rich Moore ("Zoomania") und seinem Animationsteam. Die Filmemacher wollten keine bestehende Figur nutzen, die ihre eigene Geschichte mitbringt und für viele Zuschauer eventuell bereits mit vielen eigenen Erinnerungen und Gefühlen verbunden gewesen wäre.

Technisch nahm der in 3D computeraniminierte Zeichentrickfilm weitere Stufen in der Evolution immer photorealistischer aussehender Bilder. Die Animationskünstler konnten nun mit neuen Funktionen Rauch, Nebel und das sich auf Oberflächen spiegelnde Licht viel realer aussehen lassen - und vor allem je nach Videospiel auch noch unterschiedlich.

Das alles hatte seinen Preis: Mit 165 Millionen Produktionskosten wurde "Wreck-It Ralph" (so der Originaltitel) nicht gerade billig, aber das intelligente, bunte Abenteuer, das auf vielen bekannten Themen und spaßiger Nostalgie ruhte, unterhielt Kinder und ihre Eltern, die alt genug waren, die zahllosen Anspielungen zu verstehen, gleichermaßen. Mit weltweit 471 Millionen Dollar wurde das auch von den Kritikern hochgelobte Werk 2012 ein großer Erfolg; Der Streifen wurde sowohl für den Oscar als auch den Golden Globe als "Bester Animationsfilm" nominiert unterlag aber jeweils der hauseigenen Konkurrenz "Brave" ("Merida - Legende der Highlands"). Inzwischen ist eine Fortsetzung angekündigt, die Anfang 2019 in die deutschen Kinos kommen soll, und in der Ralph im Internet für Durcheinander sorgt.

Kritiker James Plath schrieb in "Movie Metropolis": "Wieder einmal haben Disney eine alle Sinne ansprechende Welt erschaffen, reich an Details, bevölkert von Charakteren mit Problemen, mit denen sich Erwachsene identifizieren können, und mit Eigenschaften, die sie sympathisch machen."



"Der Gott des Gemetzels", ARD, 00:45 Uhr
Zwei Elternpaare (Jodie Foster und John C. Reilly sowie Kate Winslet und Christoph Waltz) treffen sich, nachdem ihre Söhne in der Schule gerauft haben, um die Sache beizulegen. Je länger das Treffen dauert, desto mehr stürzt ihr eigenes kindisches Verhalten die Zusammenkunft ins Chaos.

Seinen Ursprung als Theaterstück kann "Carnage" (Gemetzel, so der Originaltitel) nicht verleugnen. Regisseur Roman Polanski ("The Pianist") filmte das gesamte Geschehen wie ein Kammerspiel in einem Filmstudio in Paris; die Ausstatter und die per Green Screen generierten Computereffekte simulieren den Handlungsort Brooklyn in New York City.

Grundlage für diese französische, aber auf Englisch gedrehte Komödie ist das gleichnamige, preisgekrönte Theaterstück der französischen Autorin Yasmina Reza, die ihr eigenes Werk hier zusammen mit Roman für die Leinwand adaptierte, aus dem Jahr 2006. Wer das Stück kannte, attestierte dem 25 Millionen Dollar teuren Film, nicht so packend zu sein, aber die geschmeidige Inszenierung von Polanski und die guten Leistungen insbesondere der weiblichen Darstellerinnen sorgen für ein Sehvergnügen, das mit überwiegend positiven Kritiken bedacht wurde.

Die internationale Co-Produktion kam 2011 in den USA nur in wenige Kinos und lief international bescheiden, so dass lediglich 27 Millionen Dollar Umsatz zu Buche schlugen. In der Preisverleihungssaison 2011/12 machte "Carnage" dennoch von sich reden: Bei den Golden Globes wurden Jodie Foster und Kate Winslet nominiert, bei den Französischen Filmpreisen gewann das Drehbuch; bei den Europäischen Filmpreisen wurden Winslet und das Drehbuch genannt; bei den Italienischen und Spanischen Filmpreisen lag der Streifen als "Bester europäischer Film" im Rennen; und bei den Polnischen Filmpreisen gewann Polanski, nominiert waren hier das Drehbuch und Komponist Alexandre Desplat.

Kritiker Rob Thomas lobte in "Capital Times": "Auch wenn das Stück auf der Leinwand nicht ganz so überzeugend und durchdringend ist, funktioniert es doch als ein unterhaltsam böses Doppel zwischen zwei Paaren phantastischer Schauspieler."



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