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TV-Tipp für Mittwoch (8.11.): Der Film, der die Welt erschütterte

Arte zeigt "Panzerkreuzer Potemkin"

"Panzerkreuzer Potemkin", Arte, 22:40 Uhr
Inmitten der Russischen Revolution von 1905 begehrt die Mannschaft des Kriegsschiffs Potemkin gegen das brutale Regime der Schiffsoffiziere auf.

In "The Naked Gun 33 1/3" aus dem Jahr von 1994 wird Leslie Nielsen in einer Traumsequenz in eine Schießerei in einem Bahnhof verwickelt. Einer Frau entgleitet dabei ihr Kinderwagen, der die Treppenstufen herunterrollt. Auch wenn man argumentieren kann, dass die Regisseure hier die Sequenz aus "The Untouchables" aus dem Jahr 1987 parodierten, so geht doch das Bild des Kinderwagens auf der Treppe auf eine der berühmtesten Sequenzen der Filmgeschichte zurück: Das Massaker auf den Treppen von Odessa in "Panzerkreuzer Potemkin" aus dem Jahr 1925.

Das sowjetische Stummfilmdrama ist einer der einflussreichsten Filme aller Zeiten, denn Regisseur Sergei Eisenstein verwandelte eine Progadanda-Auftragsarbeit der sowjetischen Staatsmacht anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Russischen Revolution mit einer bis dahin nicht gekannten Rhythmik und Dynamik, die er mit Hilfe des Schnitts erzeugte, zu einem beeindruckenden Werk. Der damals 27-Jährige, dessen zweiter Streifen dies war, zeigte, wie sich mit Hilfe der Montage, dem Wechsel in unterschiedliche Einstellungsgrößen wie extreme Nahaufnahme und dem Kontrastieren von Bildern Emotionen beim Publikum hervorrufen lassen. Neidlos musste der deutsche Propagandaminister Joseph Gobbels anerkennen: "Ein hervorragender Film ohne Gleichen. Jeder ohne feste politische Haltung könnte zum Bolschewik werden, wenn er dies gesehen hat."

Die so konsequent angewandte Montagetechnik fand ihren Weg in die Filmkunst und ist bis heute ein wichtiges Mittel der Zuschauerbeeinflussung geblieben. Hinter die technische Meisterschaft dieses Werks tritt der Inhalt zurück. Wie bei Propagandafilmen ist die Handlung einfach gehalten und sogar noch reduzierter, als ursprünglich vom Staat gewünscht. Eisenstein sollte eigentlich vier Aspekte der Russischen Revolution behandeln: Der Japanisch-Russische Krieg, das Massaker an den Armeniern, der Aufstand in Moskau und die revolutionären Unruhen in St. Petersburg. Einfach weil die Zeit nicht reichte - die Dreharbeiten in St. Petersburg, dem damaligen Leningrad, und Odessa begannen Ende März, der Aufführungstermin war für Dezember 1925 vorgegeben - entschied der Filmemacher, nur die St. Petersburg-Episode zu verfilmen.

"Bronenosets Potemkin" - so der Originaltitel - wurde ein großer Erfolg, der weltweit Anklang und Anhänger fand, wenn auch vielerorts - so in Deutschland - nur zensierte Fassungen liefen. Viele Zuschauer irritierte dabei weniger die Propaganda als die für die damalige Zeit drastischen Gewaltdarstellungen. Schon damals wurde der Streifen als einer der einflussreichsten Filme aller Zeiten bezeichnet; bei der Weltausstellung in Brüssel im Jahr 1958 kürte man ihn zum "Besten Film aller Zeiten". In der alle zehn Jahre von über 800 Kritiker weltweit durchgeführten Wahl für das Magazin "Sight & Sound" kam "Bronenosets Potemkin" 2012 noch auf den elften Rang. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat den Streifen 2003 in ihren Filmkanon für die Arbeit an Schulen aufgenommen.

2004 schrieb die britische Popduo Pet Shop Boys eine Filmmusik für das Werk; 2007 tauchten Szenen aus der Odessa-Sequenz im Musik-Video zum Song "Intervention" der kanadischen Independent-Band Arcade Fire auf.

Ein australischer Zuschauer schwärmt: "Das ist jetzt der älteste Film, den ich je gesehen habe. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt, weil ich auch noch nie einen Stummfilm gesehen hatte. Ich bin erstaunt! Das Kino schuldet diesem Streifen viel. Manche meinen, dass dies ein kostbares Sammlerstück ist, das man nur von Zeit zu Zeit genießen kann, aber es ist viel mehr als das. Es ist ein dramatisches und emotionales Erleben von Schmerz. Auch wenn es keine Figurenentwicklung gibt, konnte ich den Schmerz nachempfinden, den die Matrosen fühlen. Die Handlung ist minimal, aber nie langweilig. Besonders die Treppenszene ist tragisch, spannend und wunderbar gefilmt. Diejenigen, die sich dieses Werk angeschaut haben, wissen, wie gut es wirklich ist."



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