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The Hateful Eight - Traue keinem   hasse jeden:..., l.)
The Hateful Eight - Traue keinem hasse jeden: Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell), seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) und Oswaldo Mobray (Tim Roth, l.)
© Universum Film

TV-Tipps für den 3. Advent (17.12.): Quentin Tarantino's Lagerkoller

RTL zeigt "The Hateful Eight"

Der 3. Adventssonntag bietet viele gute Spielfilme - unter ihnen der letzte Streifen von Quentin Tarantino, den RTL im Hauptprogramm in zwei Teilen serviert, und der Kriminalfilm "Der Hass ist blind", das Spielfilmdebut von Sidney Poitier, im Arte-Spätprogramm.

"The Hateful Eight", RTL, 20:15 Uhr

Inmitten des tödlichen Winterwetters in Wyoming finden ein Kopfgeldjäger (Kurt Russell) und seine Gefangene (Jennifer Jason Leigh) Zuflucht in einer Hütte, in der bereits eine Reihe verruchter Figuren versammelt sind.

Nach dem großen Erfolg von "Django Unchained" im Jahr 2012 erwog Regisseur und Drehbuchautor Quentin Tarantino eine Fortsetzung, entschied dann aber zwar für einen weiteren Western, der allerdings unabhängig von "Django Unchained" für sich stehen sollte. Mitte 2014 sollten die Dreharbeiten starten, doch als Tarantino's Skript im Januar 2014 vorzeitig im Internet veröffentlicht wurde, blies der Filmemacher das Projekt ab und erklärte es für gestorben. Er änderte seine Meinung jedoch und ging in die Offensive: Im April veranstaltete er im United Artists Theater in Los Angeles eine öffentliche Lesung des vorzeitig bekannt gewordenen Skripts mit vielen der späteren Schauspieler wie Samuel L. Jackson, Bruce Dern, Michael Madsen und Tim Roth und kündigte an, das Drehbuch umzuschreiben und nun doch zu verfilmen.

Der Titel "The Hateful Eight", sozusagen der böse Bruder von "The Magnificent Seven", und die Ankündigung, auf 65mm-Zelluloid mit anamorphen Panavision-Objekten zu drehen, die ein ultra-breites Leinwandbild erzeugen, ließ Fans hoffen, dass Tarantino seine spektakuläre Version eines Spaghetti-Westerns inszenieren werde - Schusswechsel und Verfolgungsjagden in spektakulärer Landschaft inklusive. Immerhin stand 65mm für Spektakel wie "Ben Hur" oder "Far and Away" ("In einem fernen Land"). Aktuell ist "Murder on the Orient Express" in den Lichtspielhäusern, den Kenneth Branagh auf 65mm hat drehen lassen.

Um so größer die Überraschung, dass die Weinstein Company-Produktion zum Großteil auf Schusswechsel und Landschaft und auf Verfolgungsjagden komplett verzichtet. Statt dessen erinnert das Werk mit laufender Spieldauer immer mehr an Quentin's Version eines Agatha Christie-Krimis à la "Zehn kleine Negerlein". Der Spielort ist nicht der weite Wilde Westen, sondern eine Hütte im Nirgendwo. Die 65mm zeigen den Detailreichtum und die Enge des Handlungsortes, der wie für ein Kammerspiel eingesetzt wird, in dem das beeindruckende Ensemble "sein Ding" machen und die die typischen Tarantino-Wortwechsel mit sichtbarer Spielfreude austauschen kann.

Gedreht wurde im Winter 2014/15 für 44 Millionen Dollar auf einer Farm in Telluride im US-Bundesstaat Colorado, wo der Drehort errrichtet wurde, der im Film als "Minnie's Miederwarenladen" fungiert. Tarantino demonstriert, dass er als Filmemacher weiter gewachsen ist, und hat sein filmisches Arsenal handfester im Griff denn je - die ebenfalls für ihn typische verschachtelte Erzählweise inklusive. Dabei bietet er seine unverwechselbare Mischung aus Action, Humor und überkandidelten Gewaltdarstellungen.

Einen Coup konnte Tarantino mit dem Engagement von Ennio Morricone verzeichnen, dem italienischen Komponisten, dessen Werke zu "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Zwei glorreiche Halunken" das Western-Genre maßgeblich geprägt haben. Der 87-Jährige komponierte einen Soundtrack, den er in Prag einspielte und der ihm nicht nur seinen ersten Oscar, sondern auch den Golden Globe und den Britischen Filmpreis einbringen sollten.

"The Hateful Eight", der gute Kritiken erhielt, kam 2015 in zwei Versionen in die Kinos. Neben der normalen für die Vielzahl der Filmtheater, die nur noch über digitale Projektoren, aber keine 70mm-Projektoren mehr verfügten, zeigten ausgewählte Lichtspielhäuser wie die "Lichtburg" in Essen - als eines von nur fünf Kinos in Deutschland und Österreich - den Streifen in der 70mm-Kopie in der "Roadshow"-Fassung mit einer knapp vierminütigen Overtüre, einer Pause von zwölf Minuten und einigen ausgeweiteten Szenen.

Mit einem weltweiten Einspiel von 156 Millionen Dollar lief das Werk erfolgreich, blieb aber wesentlich unter den 425 Millionen Dollar von "Django Unchained" und wurde so zu einem "gefühlten Misserfolg" für Tarantino. Jennifer Jason Leigh wurde als "Beste Nebendarstellerin" für den Academy Award, den Golden Globe und den Britischen Filmpreis nominiert. Kameramann Robert Richardson erhielt eine Academy Award-Nominierung; das Drehbuch lag im Rennen für den Golden Globe und den Britischen Filmpreis.

Der "Cincinnati City Beat" schrieb: "Die reichhaltige Verderbtheit in der sich langsam aufbauenden Spannung explodiert, wie sie es in Tarantino-Geschichten tut, bricht und zerlegt Chronologie und Körperteile mit gleicher Souveränität und fieberhaften schwarzem Humor."



"Der Hass ist blind", Arte, 22:15 Uhr
Ein afro-amerikanischer Arzt (Sidney Poitier) behandelt zwei rassistische Weiße (Richard Widmark und Dick Paxton), die bei einem Raubversuch verletzt worden sind. Als einer der Beiden stirbt, bauen sich Spannungen auf, die Rassenunruhen verursachen könnten.

20th Century Fox wussten genau, was sie mit "No Way Out" - so der Originaltitel - erwarben, als sie sich 1949 in einem Bieterwettstreit gegenüber Paramount Pictures, Universal Pictures, Warner Brothers Pictures und Columbia Pictures durchsetzten und die Verfilmungsrechte am Drehbuchentwurf von Lesser Samuels kauften. Regisseur Nunnally Johnson, der sich darum bemühte, das Skript in Szene zu setzen, erklärte: "Die Geschichte ist die bislang vernünftigste Annäherung an die Rassenfrage in Form eines Dramas, die ich bisher gelesen habe. Sie plädiert für professionelle Gerechtigkeit und Gleichheit, nicht aus sozialen Gründen, sondern aus schlichtweg praktischen Gründen."

Der Film wurde Chefsache. Studioboss Darryl Zanuck produzierte den Streifen höchstpersönlich, mit Joseph Mankiewicz ("All About Eve") wurde einer der prominentesten Filmemacher, der gerade doppelt Oscar-gekrönt für seine Regie und sein Drehbuch zu "A Letter to Three Wives" worden war, gewonnen. Komponist Alfred Newman, der bis dahin vier seiner schließlich neun Oscars gewonnen hatte, schrieb die Musik, und der Oscar-nominierte Milton Krasner führte die Kamera. Vor der Kamera gab der damals 23 Jahre alte Sidney Poitier sein Leinwanddebut.

Mankiewicz wurde dem heiklen und umstrittenen Thema gerecht. Sein Drama setzt sich ernsthaft und objektiv mit der Rassenfrage auseinander, zeigt spannend und packend die Auswirkungen selbstzerstörerischer Gewalt und eben blinden Hasses - hier ist ein deutscher Verleihtitel einmal sehr passend gelungen.

Wie sehr die Rassenfrage die Vereinigten Staaten zur Zeit der Veröffentlichung 1950 umtrieb - und es bis heute ja immer noch tut - zeigte sich am pikanten Detail der Dreharbeiten, als sich die afro-amerikanischen Komparsen die gleiche Bezahlung wie für ihre weißen Kollegen erst gegenüber Fox erkämpfen mussten. Aber noch mehr in den Widerständen, "No Way Out" überhaupt auszuführen. In Chicago verbot der Bürgermeister unter Protesten der Filmemacher und der Presse die Aufführung des Werkes; erst nach einigen Schnitten kam er auf die Leinwände - genauso wie in den US-Bundesstaaten Maryland, Ohio, Pennsylvania und Virginia. In den Südstaaten kam er gar nicht in die Kinos; Fox hatten nicht mal versucht, ihn dort aufzuführen und gaben das Geschäft von vornherein verloren.

Es ehrt die Filmemacher um so mehr, dass sie sich im Bewusstsein dieser Schwierigkeiten mehr von den künstlerischen und durchaus auch gesellschaftspolitischen Erwägungen - Zanuck stellte vor Produktionsbeginn klar, dass man "eine eindringliche Propaganda gegen Intoleranz" anstrebe - leiten ließen. Ihre Bemühungen wurden mit einer Oscar-Nominierung und einer Nominerung bei den Writers Guild Awards für das "Beste Drehbuch" belohnt. Der Erfolg an den Kinokassen war aufgrund der Umstände nur moderat.

Ein Zuschauer schreibt: "Das Drehbuch bietet Sterotypen, aber man muss sich daran erinnern, dass diese Stereotypen nur allzu echt zu der Zeit waren, in der das Drehbuch geschrieben wurde. Der Autor schafft es phantastisch, diese papierernen Figuren mit Tiefe und Persönlichkeit anzureichern. Abgesehen von dem gut in Szene gesetzten Drehbuch und den überzeugenden Schauspielern zeigt der Film einen bewegenden und gut choreographierten Rassenkrawall. Heute mag der Streifen zahm erscheinen, aber zu seiner Zeit war er bahnbrechend in seiner Zeichnung von Rassisten und ihren Opfern. Dieses Werk ist definitiv sehenswert und sollte, allein schon wegen seines Inhaltes, bekannter sein."



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