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The King's Speech - Bertie (Colin Firth) und Lionel...rbeit
The King's Speech - Bertie (Colin Firth) und Lionel Logue (Geoffrey Rush) bei der Arbeit
© Senator

TV-Tipps für Samstag (30.12.): Colin Firth findet seine Sprache

ARD zeigt "The King's Speech"

Ein gutes Spielfilmangebot bietet der Samstagabend, wobei die Öffentlich-Rechtlichen die britischen Kronjuwelen im Angebot haben: das ZDF zeigt Daniel Craig in seinem ersten Auftrag im Geheimdienst Ihrer Majestät in "Casino Royale" im Abendprogramm, parallel strahlt die ARD den Oscar-Sieger "The King's Speech" aus.

"Casino Royale", ZDF, 22:00 Uhr
Der britische Geheimagent James Bond (Daniel Craig) muss bei seiner ersten Mission als 007 mit der Lizenz zum Töten einen Terrorismus-Finanzier (Mads Mikkelsen) in einem Pokerspiel in Montenegro besiegen.

James Bond Reborn. James Bond Reboot. James Bond Origins. Die Produzenten von Eon Productions stellten für ihr 21. Abenteuer mit dem Geheimdienstagenten Ihrer Majestät teilweise alles auf Anfang. Nicht ungleich am Ende der Roger Moore-Ära und dem Neustart mit "The Living Daylights" verabschiedeten sie einen verdienten 007-Darsteller, stellten einen umstrittenen und teilweise angefeindeten neuen Mimen ein und vor allem die Formel wieder auf "mehr Realismus, weniger Spielereien".

Die Produzenten Barbara Broccoli und Michael Wilson engagierten mit dem neuseeländischen Regisseur Martin Campbell ("The Green Lantern") einen Filmemacher, der ihnen bereits beim Reboot der Reihe mit "Goldeneye" und Pierce Brosnan als damals neuem Bond elf Jahre zuvor geholfen hatte, die 007-Saga neu zu starten. Die Drehbuchautoren Neal Purvis und Robert Wade erhielten den Auftrag, einen düsteren, raueren britischen Thriller zu verfassen und auch die Figur des 007 wieder mehr in Richtung der Romanfigur von Ian Fleming als einen kaltblütigen Killer zu charakterisieren. Erst 1999 hatten Eon Productions über ihren Verleiher Sony Pictures die Verfilmungsrechte an "Casino Royale" erwerben können, der bis dahin 1967 nur als Komödie verfilmt worden war.

Ein Neuanfang schien von Nöten. Mit "Die Another Day" hatten die Filmemacher 2002 ihr Jubiläum von 50 Jahren James Bond mit vielen Anspielungen gefeiert, aber auch mit unnötig viel schlechten computergenerierten Effekten, unglaubwürdigen Gadgets wie dem unsichtbaren Auto und einer generellen 08/15-Handlung. Von den insgesamt enttäuschenden Zuschauerzahlen der Brosnan-Ära brachte "Die Another Day" noch die besten, aber der Neustart mit einem anderen Darsteller, der sich wegen des damals bereits 49 Jahre alten Pierce anbot, und angesichts der Konkurrenz durch intelligente Action-Kracher wie "The Bourne Supremacy" schien geboten.

Dieser Neustart fiel insofern moderat aus, weil man Judi Dench als M beließ, erneut Komponist David Arnold engagierte und die Drehbuchautoren aus der Brosnan-Ära beibehielt. Aber mit dem Rückgriff auf den bisher in der offiziellen Bond-Reihe noch unverfilmten Roman "Casino Royale" von Ian Fleming aus dem Jahr 1953, einer tatsächlich härteren und ungeschminkteren Geschichte, viel weniger computergenerierten Effekten und statt dessen "altmodischen" praktischen Tricks und Stunts sowie einem ganz anderen Typ in der Hauptrolle wirkte dieser Bond tatsächlich frisch, neu und anders.

Für die Hauptrolle waren der Neuseeländer Karl Urban, der Engländer Henry Cavill, der Australier Sam Worthington, der Schotte Dougray Scott und der Australier Hugh Jackman im Gespräch, den Part erhielt schließlich der damals 37 Jahre alte Engländer Daniel Craig. Diese Entscheidung traf auch aufgrund der ganz anderen Physiognomie des Akteurs gegenüber der von Fleming beschriebenen Romanfigur auf Skepsis. Im Internet machten Fans mit der Website danielcraigisnotbond.com Stimmung gegen diese Entscheidung und drohten mit Boykott gegen den Streifen.

Doch die Produzenten knickten nicht ein - und gut für sie, denn Craig steht auch persönlich für den neuen Wind, den "Casino Royale" der Bond-Saga unter die Segel setzte, und wurde von vielen Kritikern schließlich als einer der Aktivposten des Werks bezeichnet. Daniel nahm der Figur die von Brosnan verliehene versnobte Eleganz und ließ ihn unberechenbarer, draufgängerischer und interessanter wirken. Sein Vorgänger Roger Moore pries ihn auf einem Niveau von Ur-007 Sean Connery.

Für die weibliche Hauptrolle erwogen die Filmemacher die Amerikanerin Angelina Jolie, die Südafrikanerin Charlize Theron und die Belgierin Cécile de France, bevor sie sich für die Französin Eva Green entschieden. Gedreht wurde für umgerechnet 150 Millionen Dollar in den Prager Barrandov-Studios, im tschechischen Karlovy Vary, das für Montenegro einstand, in den englischen Pinewood-Studios, in Venedig, am Lago di Como und auf den Bahamas.

Der rasante Streifen verzichtet auf die Albernheiten und Gadgets früherer Bond-Werke, und Craig brilliert als sarkastische, von seiner Vergangenheit heimgesuchte und erbitterte Reinkarnation des Superspions - zur gleichsamen Begeisterung von Kritik und Publikum. Mit weltweit 559 Millionen Dollar wurde der britische Film ein Riesenerfolg und der vierterfolgreichste Film des Jahres 2006. Nach Zuschauerzahlen drang er in die Reihe der erfolgreichsten Roger Moore-Streifen "The Spy Who Loved Me" und "Moonraker" der späten Siebziger vor.

Bei den Britischen Filmpreisen erhielt die Co-Produktion von Columbia Pictures und MGM den BAFTA Award für den "Besten Ton" und war nominiert als "Bester britischer Film", für das Drehbuch, Hauptdarsteller Daniel Craig, Kameramann Phil Meheux, der schon "Goldeneye" photographiert hatte, Komponist David Arnold, Cutter Stuart Baird, die Ausstattung und die Spezialeffekte.

Kritiker Christopher Orr lobte in "The Atlantic": "Anders als in den jüngsten Bonds, in denen das Töten nicht gewichtiger war als die Sprüche, die es begleiteten, ist dieser Bond intimer, blutiger und unglamoröser."



"The King's Speech", ARD, 23:50 Uhr
Die Geschichte des britischen König George VI (Colin Firth), seines plötzlichen Aufstiegs auf den Thron und seines Sprachtherapeuten (Geoffrey Rush), der dem unsicheren Monarchen half, des Thrones würdig zu werden.

Figuren des öffentlichen Lebens leben hauptsächlich von ihrer Sprache. Egal wie hoch ihr Engagement ist, unabhängig davon wie gut ihre Politik sein mag - wenn sie im Radio, im Fernsehen oder in der Öffentlichkeit keine drei geraden Sätze unfallfrei sprechen können, macht man sich schnell über sie lustig. Sie wirken unbeholfen, gar dämlich. Und ihre eigentliche Machtbasis, die Autorität, ist schnell dahin. Dieses britische Drama von 2010 nimmt diese Ausgangsüberlegung für ein Gedankenexperiment: Was wenn der britische König sein Land auf einen Krieg gegen Deutschland einschwören muss, das mit Adolf Hitler gleichzeitig von einem der besten Redner im Zeitalter der Massenmedien angeführt wird - und der König stottert? Eine interessante Prämisse, die obendrein noch den Vorteil hat, wahr zu sein.

Den von Colin Firth gespielten stotternden König George VI gab es wirklich, und auch seine Besuche beim australischen Sprachtherapeuten Lionel Logue sind belegt. Drehbuchautor David Seidler, der selbst stottert, beschäftigte sich mit dieser Geschichte bereits seit den achtziger Jahren. Neun Wochen vor Drehbeginn im Jahr 2009 entdeckte man Notizen im Nachlass von Logue, die in den Film eingearbeitet wurden und so für noch mehr Authentizität sorgten. Regisseur Tom Hooper ("The Danish Girl") versammelte einige der besten Talente, die das englischsprachige Schauspiel zu bieten hat, und setzte Seidler's Geschichte packend um. Keine kleine Sache, bedenkt man, dass Sprachtherapie und Geschichtsstunde nicht unbedingt die aufregendsten aller Kombinationen für eine Kinoleinwand ausmachen.

Doch dieses für gerade mal umgerechnet 15 Millionen Dollar produzierte Werk wurde auf der Insel zu einem kulturellen Phänomen: Zuschauer aller Altersstufen kamen in die Kinos, die über Wochen ausverkauft waren. Und der Film lief. Und lief. Und lief. Menschen, die seit Jahrzehnten kein Lichtspielhaus mehr betreten hatten, wollten wissen, was es denn da mit diesem Film über den stotternden König auf sich hat. Und am Schluss der Vorstellung gab es in vielen Kinosälen Applaus.

Weltweit spielte "The King's Speech" 414 Millionen Dollar ein. Die Kritiker überschlugen sich mit Lob, insbesondere für die Leistung von Firth: "Als Schauspieler des Jahres im Film des Jahres, fallen mir nicht genügend Adjektive ein, um Colin Firth angemessen zu würdigen. Der Film hat mich sprachlos zurück gelassen", schrieb Rex Reed für den "New York Observer".

Das Werk gewann über 100 Preise und war für rund 140 weitere nominiert. 53 der Nominierungen gingen davon allein an Colin Firth. Bei der Oscar-Verleihung 2011 war "The King's Speech" für ein Dutzend Academy Awards nominiert - Helena Bonham Carter als Nebendarstellerin, Geoffrey Rush als Nebendarsteller, Kamera, Musik, Schnitt, Kostüme, Ausstattung und Tonmischung - und gewann derer vier, alle in Hauptkategorien: "Bester Film", "Bester Hauptdarsteller", "Beste Regie" und "Bestes Originaldrehbuch".



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