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Der Verdingbub
Der Verdingbub
© Ascot © 24 Bilder

TV-Tipp für Dienstag (10.4.): Katja Riemann beutet ihren Sohn aus

ARD zeigt "Der Verdingbub"

"Der Verdingbub", ARD, 00:40 Uhr
Eine schweizerische Bauernfamilie (Katja Riemann und Stefan Kurt) nimmt in den Fünfzigern einen 15 Jahre alten Waisenjungen (Max Hubacher) auf. Der Jugendliche wird ausgebeutet und misshandelt. Nur die Zuneingung zu einer Leidensgenossin (Lisa Brand) erhält seine Hoffnung auf ein besseres Leben aufrecht.

Selbst die beschauliche Schweiz hat ihre dunklen Schatten der Vergangenheit, und manchmal braucht es Filme wie dieses schweizerische Drama aus dem Jahr 2011, um ein widerwilliges Erinnern oder einen erstaunten Unglauben wachzurufen.

Regisseur Markus Imboden kann es sich auf seine Fahnen schreiben, dass er ein düsteres Kapitel ins Bewusstsein seiner Landsleute gerufen hat. Zwischen 1800 und 1960 wurden Waisen- und Scheidungskinder von den Behörden interessierten Bietern wie auf einem Viehmarkt zur Versteigerung angeboten. Tatsächlich tasteten manche der potentiellen Käufer die Kinder und Jugendlichen wie Vieh ab. Manchmal wurden sie Familien auch zugelost, selbst wenn diese sie gar nicht wollten.

Zumeist wurden diese "Verdingkinder" auf Bauernhöfen wie Leibeigene zur Zwangsarbeit eingesetzt, oft misshandelt, erniedrigt und vergewaltigt. Einige starben, aber die Misshandlungen und Todesfälle wurden von den Behörden nicht verfolgt. Man entzog den "Besitzern" lediglich auf fünf Jahre das Recht, weitere Verdingkinder erwerben zu können.

Imboden und sein Drehbuchautor Plinio Bachmann schonen den Zuschauer nicht. Die Freudlosigkeit und die Armut auf dem Bauernhof, gepaart mit den ständigen kleinen und großen Katastrophen der Erniedrigung und der Gewalt, welche die Hauptfigur Max erleiden muss, scheinen wie ein unerbittliches, böses Perlband, das zugleich eine Zündschnur ist. Das packende und auch politisch wichtige Werk beeindruckt auch durch seine starken schauspielerischen Leistungen.

In der Schweiz wurde "Der Verdingbub" bei der Kritik und mit rund 200 000 Zuschauern ein großer Erfolg beim Publikum. Bei den Schweizer Filmpreisen gewannen Hauptdarsteller Max Hubacher und Nebendarsteller Stefan Kurt; nominiert waren der Film, Hauptdarstellerin Lisa Brand, Drehbuchautor Plinio Bachmann und Komponist Benedikt Jeger.

Kritiker José García urteilte: "Mit ihren differenzierten Figuren entgehen die Filmemacher der Versuchung, die himmelschreiende Ungerechtigkeit und die Ohnmacht, die den ganzen Film durchziehen, in ein schwarzweißes Gut-Böse-Schema zu pressen. Das hilft, dieses menschenverachtende System der Verdingkinder, insbesondere aber auch zu verstehen, dass der Mangel an Liebe und Zuneigung letztlich Enttäuschung, Frust und Gewalt hervorruft."



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