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Scarface - Al Pacino
Scarface - Al Pacino
© Universal Pictures Germany

TV-Tipps für Samstag (28.4.): Sagt hallo zu Al Pacino's kleinem Freund

ZDF zeigt Meisterwerk "Scarface"

Zwei der schillerndsten US-Filmemacher locken am Samstagabend vor den Bildschirm: Michael Bay lässt es mit "Armageddon" im Vox-Hauptprogramm so richtig krachen, während Brian de Palma keine vornehme Zurückhaltung mit "Scarface" im ZDF-Nachtprogramm walten lässt.

"Armageddon", Vox, 20:15 Uhr

Als ein Asteroid von der Größe des US-Bundesstaats Texas die Erde bedroht, engagiert die US-Weltraumbehörde NASA ein Team von sonderlichen Ölbohrern, die einen Monat Zeit haben, zu Astronauten umgeschult den Asteroiden zu sprengen.

Ben Affleck fragte seinen Regisseur Michael Bay ("Transformers"), "warum es einfacher sein sollte, Ölbohrarbeiter zu Astronauten umzuschulen, anstatt Astronauten beizubringen, ein Loch zu bohren. Er sagte mir, ich solle die Klappe halten. Ende der Konversation."

Die Anekdote beschreibt sehr schön, was jeder Zuschauer wahrscheinlich schon weiß, wenn er vor einem Opus des Action-Kracher-Filmemachers Platz nimmt: Die Logik macht Pause, das Gehirn kann auf Urlaub gehen, dafür werden die Sinne angesprochen, dass es nur so kracht. Nebenbei ist dies das Erfolgsgeheimnis von Bay, auf jeden Fall bei diesem Abenteuerfilm, der 1998 mit 554 Millionen Dollar zum weltweit erfolgreichsten Streifen des Jahres wurde, was nicht unbedingt zu erwarten gewesen war. Zum Einen waren die Kritiken mies, zum Anderen war gerade mal zwei Monate zuvor mit "Deep Impact" eine Produktion von Paramount Pictures gestartet und erfolgreich gelaufen, die im Grunde die gleiche Geschichte erzählte. Nur seriöser.

Nach dem Erfolg von "The Rock" hatten Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Bay diese Produktion als ihr nächstes Projekt auserkoren, aber Schwierigkeiten mit dem Verfassen des Drehbuchs. Nicht weniger als neun Autoren werkelten, vor-, neben- und hintereinander am Skript, was der Walt Disney Studios-Produktion schon vor der Premiere viel Spott bescherte. Die Außenaufnahmen wurden in den US-Bundesstaaten South Dakota, Texas, Florida und Kalifornien, dazu auf einer Bohrinsel vor Texas für 140 Millionen Dollar gefilmt.

Mit einem gigantischen Werbeetat - unter anderem einem Spot beim Super Bowl für 2,6 Millionen Dollar - versuchten Disney, den Kinogängern einen weiteren Asteroid-Katastrophenfilm schmackhaft zu machen. Das gelang - die Besucher hatten Portemonnaies, in denen genügend Penunze für zwei gleich gelagerte Werke war.

Vier Oscar-Nominierungen konnte "Armageddon" obendrein verbuchen: Für den Song "I Don't Want to Miss a Thing" von Diane Warren, der Aerosmith einen Riesenhit bescherte, für die Visuellen Effekte, für den Ton und für den Schnitt der Toneffekte.

Ein Zuschauer urteilt: "Ob man ihn liebt oder hasst, man muss Michael Bay für das enorme Handwerk und den Einfallsreichtum loben, die in diesen Film geflossen sind. Seine Streifen sind überzogen, aber unterhaltsam, haben fürchterliche, aber amüsante Dialoge und hölzerne, aber schillernde Figuren aufzuweisen. Er liebt es ganz offensichtlich, Dinge in die Luft zu sprengen, aber er hat auch ein Auge für Details und großartige Kameraeinstellungen - und seine Filme sind niemals langweilig. Wer ein Action-Fan ist, kommt an Bay nicht vorbei, denn letzten Endes gibt er dem Publikum genau das, was es will."



"Scarface", ZDF, 01:00 Uhr
Ein kubanischer Einwanderer (Al Pacino) überimmt in Miami das Drogenkartell, erlangt Macht und Reichtum und erliegt am Ende seiner eigenen Gier.

Schon einmal gefragt, wie ein Film aussehen würde, bei dem Brian de Palma ein Drehbuch von Oliver Stone ("Snowden") verfilmt? Wenn also diese beiden Kinoberserker ihre Kräfte bündelten? Nun, hier ist er: Mit diesem Kriminalfilm von 1983 gelang den beiden Künstlern ein Meisterwerk.

Alles begann, als Pacino den Krimiklassiker "Scarface" von 1932 im Kino gesehen hatte und Produzent Martin Bregman informierte, dass sich hier ein potentieller Kandidat für eine Neuverfilmung auftat. Bregman engagierte zunächst Sidney Lumet ("Die zwölf Geschworenen"), mit dessen Idee, den Streifen politisch aufzuladen und die falschen Entscheidungen der US-Regierung für das Fluten der USA mit Kokain unter die Lupe zu nehmen, er allerdings nicht einverstanden war. Stattdessen wendete er sich an Thriller-Spezialist de Palma und Stone, der unter anderem bereits das Drehbuch zu "Midnight Express", einer etwas anders gelagerten Drogengeschichte, verfasst hatte.

Die Zwei verlegten die Handlung des Originals in die Gegenwart Miamis und dessen Drogenszene und hielten sich nicht zurück: Sie loteten mit ihrem grellen, stilisierten, ultra-gewalttätigen und mit unglaublich vielen zitierbaren Dialogsätzen gespickten Werk die Grenzen aus - und gerieten zwangsläufig mit den Zensoren aneinander. Die stießen sich an der profanen Sprache mit den unzähligen "fucks", an den Gewaltszenen - insbesondere an der mit einem Kettensäge schwingenden Pacino - und den dargestellten Drogenexzessen. Zumal de Palma die erwünschte "Kriminalität macht sich nicht bezahlt"-Moral nicht so simpel serviert, sondern lange Zeit zeigt, dass sich zumindest für Scarface Verbrechen mindestens materiell sehr wohl lohnt und er mit ihm den Exzess geradezu zelebriert.

Wieder und wieder legte de Palma der Motion Picture Association of America neue Schnittfassungen vor, um der kommerziell tödlichen "X"-Altersfreigabe zu entgehen. Die wurde sonst an Pornofilme verliehen und hätte Universal Pictures vor große Probleme gestellt, denn "X"-Filme wurden von den großen Kinoketten erst gar nicht auf den Spielplan genommen. Universal legten Widerspruch gegen die Bewertung ein, und nach einer Anhörung einigte man sich auf das "R", das lediglich Jugendliche ohne Erwachsenenbegleitung aussperrte.

Bei seiner Erstaufführung wurde "Scarface" ein Erfolg, obwohl auch viele Rezensenten ihn wegen seiner Exzessivität kritisierten. Dazu kamen drei Golden Globe-Nominierungen für Al Pacino als "Bester Hauptdarsteller", für Steven Bauer als "Bester Nebendarsteller" und für Giorgio Moroder für die "Beste Musik". Seinen heutigen Kultstatus und sein Einsickern in die Popkultur erlangte "Scarface" dann aber erst so recht durch die Veröffentlichungen auf VHS und Discs.

"Brian De Palma balanciert Humor, Gewalt, Liebe und Drama in seinem Film sehr gut aus. Fast alle Charaktere sind faszinierend, und die dramatische Intensität ist während des gesamten Films hoch. Die spannenden Wendungen und die interessanten Figuren lassen einen die 170 Minuten Spielzeit vergessen, und das Ende lässt einen emotional aufgewühlt zurück. Al Pacino liefert eine einfach Atem beraubende Darstellung", lobt ein US-Zuschauer.



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