Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Into the Wild - Emile Hirsch
Into the Wild - Emile Hirsch
© Tobis

TV-Tipps für Sonntag (6.5.): Emile Hirsch zieht aus

ARD zeigt Meisterwerk "Into the Wild"

Wer eine kompromisslose deutsche Kapitalismus-Satire sehen möchte, wird am Sonntagabend im Arte-Hauptprogramm mit "Zeit der Kannibalen" bestens bedient. Wer hingegen Zeuge sein will, wie es aussieht, wenn ein junger Mann die kapitalistische Welt kompromisslos hinter sich lässt, sollte sich im ARD-Nachtprogramm das Meisterwerk "Into the Wild" nicht entgehen lassen.

"Zeit der Kannibalen", Arte, 20:15 Uhr
Zwei zynische Unternehmensberater (Sebastian Blomberg und Devid Striesow) reisen durch die Welt, um der Gier ihrer Auftraggeber zu Diensten zu sein. Als ihnen eine ehrgeizige neue Partnerin (Katharina Schüttler) zugeteilt wird, stellt das ihre gewohnte Arbeitsroutine in Frage.

Die letzten Zuckungen des außer Kontrolle geratenen Turbo-Kapitalismus, für den Moral, Anstand und Mitgefühl nur ein einziger schlechter Witz sind, inszeniert Johannes Naber ("Das kalte Herz") als stark stilisiertes Kammerspiel. Das deutsche Drama wartet mit starken Dialogen von Stefan Weigl und einer konsequenten Reduzierung auf. So kann der Zuschauer die sich verändernden Spielorte nur daran erkennen, dass in den immergleichen Hotelsuiten und -lobbys lediglich das Personal wechselt, das mal aus Chinesen, mal aus Pakistanern, mal aus Nigerianern besteht.

Die Studio.TV.Film-Produktion aus dem Jahr 2014 erhielt den Deutschen Filmpreis für Stefan Weigl's Drehbuch und eine Bronze-Lola für den "Besten Film". Regisseur Johannes Naber war nominiert.

Kritikerin Kirsten Rießelmann schwärmte im "SPIEGEL": "Großartig, wie der Film seine drei Hauptfiguren mit wenigen Pinselstrichen vieldimensional entwickelt. Niemand ist hier ausschließlich stereotypes Abziehbild der fiesen Heuschrecke. Alle drei haben ihre Abgründe, ihre Empfindsamkeiten, ihre Vergangenheiten und ihre ursprünglich einmal idealistischen Motive. Wie der Film sie dabei grell überzeichnet, ihnen gleichzeitig aber eine fast melodramatische Tiefe gibt, das ist das Resultat des geradezu fabelhaften Ineinandergreifens von Buch, Regie und Schauspielern. Eine großartig geschriebene und gespielte Groteske, wie man sie in ihrer Klug- und Gewitztheit, aber auch in ihrer kompromisslosen Härte aus Deutschland nicht erwartet hätte."



"Into the Wild", 01:15 Uhr
Ein Uniabsolvent (Emile Hirsch) lässt sein bürgerliches Leben hinter sich, verschenkt all seine Besitztümer und Ersparnisse, um als Aussteiger in Alaska zu leben.

Der Journalist Jon Krakauer, auch bekannt durch sein Buch "Into Thin Air" ("In eisige Höhen"), stieß auf die faszinierende Geschichte von Christopher McCandless, der 1990 seinen vorgezeichneten Karrierelebensweg mit einem beherzten Schritt hinter sich ließ, um die kommenden zwei Jahre als Aussteiger das große Abenteuer zu suchen. Krakauer widmete sich der Biographie erstmals 1993 in einem Artikel für das Magazin "Outside" und dann in seinem Sachbuch "Into the Wild" 1996.

Regisseur und Drehbuchautor Sean Penn ("The Last Face") begeisterte sich für den Stoff, den er gemeinsam mit seiner starken Besetzung einfühlsam und souverän in Szene setzte und dabei die komplexe Vorlage als eine zugängliche und berührende Charakterstudie umsetzte. Der US-Abenteuerfilm wurde für 15 Millionen Dollar weitgehend vor Ort gedreht, auch im US-Bundesstaat Alaska; allerdings nicht exakt an der Stelle, an der noch heute der Bus, in dem McCandless zuletzt lebte, steht, da diese für eine Filmcrew zu unzugänglich war.

Die Paramount Vantage-Produktion erhielt gute Kritiken, stand 2007 auf vielen Jahresbestenlisten und setzte als Programmkinotitel weltweit 56 Millionen Dollar um. Nebendarsteller Hal Holbrook und Cutter Jay Cassidy erhielten Nominierungen für den Academy Award. Eddie Vedder bekam den Golden Globe für seinen Song "Guaranteed" und war für seine Musik nominiert.

Kritiker Nick Rogers urteilte in "The Film Yap": "Selbst in seinen erschütternden letzten Momenten erreicht der Film eine spirituell transzendierende Höhe - die Idee des Abschlusses einer langen, seltsamen Reise durch den Absturz in ein noch größeres Unbekanntes mit Angst und Euphorie zugleich. Ein aufwühlendes amerikanisches Drama über Trost und Widerstreit."



Hier geht es zum kompletten TV-Programm


Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.