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Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben
Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben

TV-Tipp für Freitag (27.7.): Peter Sellers vs. Weltuntergang

3sat zeigt Meisterwerk "Dr. Seltsam"

"Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben", 3sat, 22:25 Uhr
Ein verrückter US-General (Sterling Hayden) lässt die Sowjetunion mit Nuklearwaffen angreifen, während Politiker und Generäle in Washington verzweifelt versuchen, die in Gang gesetzte Selbstvernichtung der Menschheit zu verhindern.

Die gerade noch im Herbst 1962 abgewendete Konfrontation der Großmächte Sowjetunion und USA in der Kuba-Krise hatte der Weltbevölkerung das Konzept des "Gleichgewicht des Schreckens" mit der Atombewaffnung deutlich vor Augen geführt. Bei Columbia Pictures führte das aktuelle Weltgeschehen dazu, dass gleich zwei Produktionen angeschoben wurden, in denen es um das Thema eines bevorstehenden Atomkrieges ging. "Fail Safe" basierte auf dem gleichnamigen Roman von Eugene Burdick und Harvey Wheeler aus dem Jahr 1962. "Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb" fußte auf dem britischen Roman "Red Alert" von Peter George aus dem Jahr 1958. Beide Romane sind so ähnlich, dass George eine Klage gegen Burdick und Wheeler wegen Urheberrechtsverletzung einrichte, die außergerichtlich geklärt wurde. Auch die beiden Filmproduktionen sollten sich noch in die Quere kommen.

Ursprünglich wollte Regisseur und Drehbuchautor Stanley Kubrick ("The Shining") ein Drama aus dem Roman "Red Alert" entwickeln, aber je länger er sich mit dem Thema beschäftigte, desto mehr wurde ihm die Absurdität der atomaren Abschreckung deutlich, und er entschied sich, statt dessen eine bitterböse Komödie zu inszenieren, bei der dem Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleibt. So kam auch Komödienspezialist Peter Sellers zum Zug, mit dem der Filmemacher gerade bei "Lolita" zusammen gearbeitet hatte. Sellers sollte gleich drei - ursprünglich waren sogar vier geplant - Rollen übernahm, darunter auch die der durchgeknallten Titelfigur, eines Nazi-Wissenschaftlers, der für die USA arbeitet und den Film mit dem Satz "Mein Führer, ich kann laufen" angemessen absurd beendet.

Gedreht wurde die 1,8 Millionen Dollar teure Produktion in den Shepperton Studios nahe London, wo der geniale Ausstatter Ken Adam unter anderem den ikonischen "War Room" mit dem großen Rundtisch, den riesigen Monitoren, der schrägen Decke und der spärlichen Beleuchtung entwarf. Der War Room beeinflusste die populäre Vorstellung des Publikums von einem Krisenzentrum der US-Politik und ist seitdem immer wieder in Spielfilmen und Fernsehserien aufgegriffen worden. Ursprünglich sollte der US-Streifen mit einer großen Tortenschlacht im War Room enden, die auch gefilmt, dann aber von Stanley nicht benutzt wurde, da sie ihm dann doch dem Thema als unangemessen albern erschien.

Das brillante und böse Meisterwerk hat auch heute nichts von seinem rasiermesserscharfen Witz verloren und bringt die Absurdität, wie von Kubrick intendiert, treffsicher auf den Punkt.

Kubrick setzte bei Columbia Pictures durch, dass seine Version des Weltuntergangs bereits im Januar 1964 erscheinen konnte, während Sidney Lumet mit seinem ernsten Drama "Fail Safe" mit Henry Fonda in der Rolle des US-Präsidenten bis Oktober warten musste. Das hatte Konsequenzen an den Kinokassen: Während "Dr. Strangelove" mit einem Umsatz von 9 Millionen Dollar in den USA ein großer Erfolg wurde, floppte der mit genauso guten Kritiken bedachte "Fail Safe" mit nur 1,8 Millionen Dollar und erlangte nie die Bekanntheit und die Lorbeeren von "Dr. Strangelove".

Bei den Academy Awards war der Film als "Bester Film", für Regisseur Stanley Kubrick, das Drehbuch und Hauptdarsteller Peter Sellers nominiert. Bei den Britischen Filmpreisen gewann der Film als "Bester Film", als "Bester britischer Film"; nominiert waren das Drehbuch, Hauptdarsteller Peter Sellers und Nebendarsteller Sterling Hayden. 1989 gehörte "Dr. Strangelove" zur ersten Tranche der Filme, welche die US-Library of Congress als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsames" Werk in das National Film Registry aufnahm, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer schwärmt: "Wenige Filme vermögen ein todernstes Thema erfolgreich in den Kontext einer übertriebenen Komödie zu platzieren. Dieser Film schafft genau dies. Stanley Kubrick's Meisterwerk führt brillant die Idiotie des Atomkrieges und der Idioten, die ihn orchestrieren, vor Augen. Was am meisten hervorsticht, sind die individuellen Charakterdarstellungen von Peter Sellers, George C. Scott, Sterling Hayden und Slim Pickens. Sie als unvergesslich zu bezeichnen, wäre eine sträfliche Untertreibung. Daneben beeindrucken die Kulisse der Kommandozentrale, die Handkameraführung und die schwarzweiße Photographie von Gilbert Taylor. Einer der großartigsten amerikanischen Filme von einem der großartigsten amerikanischen Regisseure."



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