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Haftbefehl - Philippe Torreton
Haftbefehl - Philippe Torreton

TV-Tipp für Donnerstag (20.9.): Philippe Torreton kämpft um seine Unschuld

3sat zeigt "Haftbefehl"

"Haftbefehl", 3sat, 22:25 Uhr
Ein Familienvater (Philippe Torreton) kämpft um seine Unschuld, nachdem er wegen der Anschuldigung des sexuellen Kindesmissbrauchs verhaftet worden ist.

2001 erzählt ein Achtjähriger im nordfranzösischen Outreau seinen Klassenkameraden, dass er von seinen getrennt lebenden Eltern über fünf Jahre lang sexuell missbraucht worden sei; seine drei Brüder bestätigen das der Polizei und nennen weitere Namen von Nachbarn, die sich als Kinderschänderring an ihnen vergangen haben sollen. Erwachsene beschuldigen sich gegenseitig. Insgesamt 19 Personen werden festgenommen, ihnen wird der Prozess gemacht; ein Beschuldigter nimmt sich das Leben; ein weiterer wird als verhandlungsunfähig eingestuft.

Obwohl sich schnell Zweifel erheben ob der schwachen Indizien, offensichtlichen Falschaussagen und fehlender Beweise, werden die Beschuldigten 2004 mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft. Ein Jahr darauf müssen 13 von ihnen wegen erwiesener Unschuld freigelassen werden - Untersuchungsrichter, Staatsanwälte und Richter hatten sich in einem Klima der Vorverurteilung unentschuldbar vergaloppiert. Die Entschuldigung bei den zu Unrecht Angeklagten, deren Leben teilweise zerstört wurde, übernahm öffentlich Präsident Jacques Chirac.

Der als Outreau-Affäre und einer der größten Justizskandale Frankreichs in die Annalen gelangte Fall bildet den Hintergrund dieses französischen Dramas. Alain Marécaux, einer der Freigelassenen, hatte 2005 seine Autobiographie "Chronique de mon erreur judiciaire" (Chronik meines Justizirrtums) herausgebracht, die Regisseur und Drehbuchautor Vincent Garenq ("Im Namen meiner Tochter") hauptsächlich zur losen Rekonstruktion der Geschehnisse nutzt.

Für umgerechnet 6 Millionen Dollar drehte Garenq das Werk in den französischen Städten Loos und Lille sowie an belgischen Schauplätzen. Dass "Présumé coupable" ("Mutmaßlich schuldig", so der Originaltitel) auf wahren Begebenheiten beruht, mag man kaum glauben. Der Film lässt den Zuschauer packend die Ohnmachtserfahrung der Hauptfiguren erleben und profitiert von der beeindruckenden schauspielerischen Leistung von Philippe Torreton, die mit einer César-Nominierung belohnt wurde. Auch das Drehbuch war für den Französischen Filmpreis vorgeschlagen.

Trotz guter Kritiken floppte "Présumé coupable" 2011 mit nur rund 350 000 Zuschauern in Frankreich; in Deutschland kam er gar nicht in die Kinos, sondern feierte seine Premiere nur auf Disc.

Kritiker Robin Clifford urteilte in "Reeling Reviews": "Die Filmemacher liefern ehrliche Arbeit ab, diesen unglaublichen Skandal auf die Leinwand zu bringen, machen kurzen Prozess mit den Protagonisten eines Justizsystems, die solch eine Fehlleitung zuließen."



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