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Operation Walküre - Tom Cruise, Stephen Fry,...Berkel
Operation Walküre - Tom Cruise, Stephen Fry, Christian Oliver und Christian Berkel

TV-Tipps für Sonntag (30.6.): Tom Cruise will Adolf Hitler töten

Arte zeigt "Operation Walküre"

Wer am Sonntagabend kein Interesse am Fußball hat, dem sei auf Arte die spannende Schilderung des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 in "Operation Walküre" mit Tom Cruise als Claus Schenk Graf von Stauffenberg empfohlen. Wem das wiederum zu viel schwere Geschichte ist, der kommt parallel im Hauptprogramm von RTL2 mit "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" auf seine Kosten, mit dem Hugh Grant vor 25 Jahren zum Weltstar wurde.

"Operation Walküre", Arte, 20:15 Uhr
Eine Gruppe verzweifelter deutscher Offiziere plant ein Attentat auf Adolf Hitler und versucht am 20. Juli 1944 einen Staatsstreich.

2007 wogten die Empörungswellen in den deutschen Medien und Politik hoch: Die Ikone des militärischen Widerstands vom 20. Juli, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, sollte von Tom Cruise dargestellt werden? Für viele ein Affront, denn als Mitglied und Werbeikone der Scientology-Sekte steht der Darsteller für viele für ein undemokratisches Handeln und sollte in keinem geschichtsbewussten Film als ein Mann auftreten, der für seine Ideale sein Leben gab.

Auch Angehörige der am Putsch Beteiligten äußerten sich kritisch: "Ich befürchte, dass aus diesem Projekt nur furchtbarer Kitsch herauskommen wird", erklärte zum Beispiel Berthold Maria Schenck Graf von Stauffenberg, ehemaliger Bundeswehr-General und ältester Sohn von Stauffenberg. "Cruise sollte die Hände von meinem Vater lassen." Dass United Artists den Streifen als Thriller, einer Mischung aus "Mission: Impossible" und "The Great Escape", ankündigten, ließ die Kritiker des Unterfangens in der Tat das Schlimmste befürchten.

In der Filmindustrie teilte man die Vorbehalte gegen Cruise nicht, und mit Florian Henckel von Donnersmack, der gerade seinen Oscar für "Das Leben der Anderen" erhalten hatte, Armin Müller-Stahl und Wolfgang Petersen setzten sich Künstler für die Produktion ein.

Einige Politiker versuchten dennoch zu erreichen, dass Berlin der United Artists-Produktion keine Drehgenehmigung erteilte - doch dass zwei Drittel der 75 Millionen Dollar Produktionskosten in Berlin und Brandenburg hängen bleiben sollten, war auch nicht zu verachten. So hieß die deutsche Bundesregierung Produzent und Hauptdarsteller Cruise willkommen, und der Deutsche Filmförderfonds beteiligte sich mit knapp 5 Millionen Euro sogar noch an dem Werk.

Schlussendlich wurde "Valkyrie" fast gänzlich in Berlin und Brandenburg gedreht; lediglich die in der tunesischen Wüste spielende Eröffnungssequenz filmte Regisseur Bryan Singer ("X-Men: Apocalypse") in Kalifornien. Ein Coup gelang den Filmemachern mit der Erlaubnis vom Bundesfinanzministerium, an den Originalschauplätzen des Bendlerblocks in Berlin drehen zu dürfen, in dessen Hof Stauffenberg und einige Mitverschwörer in der Nacht des 21. Juli erschossen worden waren. Das Verteidigungsministerium, das den Bendlerblock, an dem heute die Gedenkstätte Deutscher Widerstand untergebracht ist, nutzt, hatte sich gegen das Ansinnen gestellt, weil es die Würde des Ortes bedroht sah.

Die Kameras liefen außerdem auf dem Tempelhofer Flughafen, an den Messehallen am Funkturm, am Hauptzollamt Berlin und im Filmstudio Babelsberg. Hitler's Führerhauptquartier Wolfsschanze, das eigentlich im ostpreußischen Rastenburg, dem heutigen polnischen Kętrzyn, lag, wurde 60 Kilometer südlich von Berlin im Schenkenländchen nachgebaut. Als Landeplatz der Wolfsschanze stand der ehemalige NVA-Flugplatz bei Klein Köris ein. Der Berghof in den Alpen wurde digital erzeugt - ebenso wie die fehlende Hand und fehlenden Finger von Stauffenberg digital retuschiert wurden.

Dass sich die Amerikaner der dort wenig bekannten Geschichte der Verschwörung vom 20. Juli, die vom deutschen Kino 1955 gleich zweimal und 2004 mit Sebastian Koch im Fernsehen aufgegriffen worden war, widmeten, lag an Drehbuchautor Christopher McQuarrie. Als dieser 2002 in Berlin für ein anderes Filmprojekt recherchierte, stieß er auf den Bendlerblock und die Gedenkstätte. Er war von der Geschichte fasziniert und sah auch das Potential für einen Spielfilm. Er konnte Singer, mit dem er bereits 1995 bei "The Usual Suspects" zusammen gearbeitet hatte, für die Inszenierung interessieren.

Singer, ebenfalls mit dieser Phase deutscher Geschichte wenig beleckt, kniete sich seinerseits in die Recherche, was man dem Film, der nur wenige historische Ungenauigkeiten aufweist, dafür aber viel Verständnis für die Mechanismen und das Machtgefüge des Dritten Reiches zeigt, ansieht.

Mit einer unbeholfenen Werbekampagne - die schon zu Befürchtungen führten, der Film könne eine "Lachnummer" werden - und mehrmals verschobenen Premierenterminen verbaselten United Artists den Start ihrer Prestige-Produktion, aber als dann zu Weihnachten 2008 endlich die Projektoren surrten, zeigte sich, dass es viel Lärm um nichts gegeben hatte: Weder war den Filmemachern ein Meisterwerk gelungen, noch hatten sie eine Katastrophe produziert. Stattdessen gab es einen unterhaltsamen, wenn auch austauschbaren Thriller mit herausragenden Produktionsbedingungen und einer exzellenten Besetzung hauptsächlich britischer Darsteller zu sehen.

Die Kritiker waren "Valkyrie" gewogen, der mit weltweit 200 Millionen Umsatz ein solider Erfolg wurde, aber von der Filmindustrie in Sachen Preisverleihung komplett ignoriert wurde.

Rezensent Sonny Bunch befand in der "Washington Times": "Spannung aufrecht zu erhalten, wenn der Ausgang doch schon feststeht, ist keine Kleinigkeit, und Bryan Singer und Konsorten gelingt das hier so gut, wie man nur hoffen konnte."



"Vier Hochzeiten und ein Todesfall", RTL2, 22:35 Uhr
Über vier Hochzeiten und eine Beerdigung hinweg muss sich ein Junggeselle (Hugh Grant) eingestehen, dass er die große Liebe gefunden haben könnte.

Jeder Filmemacher hofft auf einen Erfolg seines Streifens, aber keiner der Beteiligten an dieser britischen Komödie aus dem Jahr 1994 behauptet, dass sie oder er mit diesem Mega-Erfolg gerechnet hatten. "Four Weddings and a Funeral" wurde zur damalig erfolgreichsten britischen Produktion aller Zeiten mit einem weltweiten Einspiel von 245 Millionen Dollar, machte aus Hauptdarsteller Hugh Grant einen internationalen Star und brachte die Cover-Version des Songs "Love Is All Around" von Wet Wet Wet für 15 Wochen an die Spitze der britischen Charts.

Am Anfang stand ein enges Budget von umgerechnet 4 Millionen Dollar, das einen engen Drehplan diktierte und den Dreharbeitenradius auf London und Umgebung beschränkte, während die Handlung england- und schottlandweit spielt. Ein Teil des Budgets musste für Doppeldrehs aller Szenen aufgewandt werden, in den das Fluchwort "Fuck!" zu hören war. Da man damit in den USA nicht würde landen können, wurden alle entsprechenden Szenen mit harmlosere Flüche wie "Bugger!" oder "Blimey!" nochmals gefilmt. Einfaches Synchronisieren hätte nicht überzeugt, da die Worte zu unterschiedlich sind und die Zuschauer an der Lippenbewegung eindeutig das "Fuck!" hätten ablesen können.

Die Idee zu der PolyGram-Produktion stammt von Drehbuchautor Richard Curtis ("Alles eine Frage der Zeit"), der das Skript mit 34 Jahren schrieb, nachdem ihm bewusst geworden war, dass er innerhalb von elf Jahren auf 65 Hochzeiten eingeladen gewesen war - und bei einer Gelegenheit einen ihm dort gemachten Heiratsantrag abgelehnt hatte. Er schrieb ein Gag-Feuerwerk, das dann durch Regisseur Mike Newell ("Harry Potter and the Goblet of Fire") mit Realismus, Melancholie und anrührenden Momenten gebändigt wurde - die perfekte Mischung. Der intelligente Streifen mit seinem unwiderstehlich fröhlichen Humor ist mitreißend und gewinnt zusätzlich durch die charmanten Darstellungen von Andie MacDowell und Hugh Grant, die beide nicht die erste Wahl für ihre Parts gewesen waren. Grant musste sich sogar gegen rund 70 andere Schauspieler, die für die Hauptrolle vorsprachen, durchsetzen.

Die Kritiker lobten "Four Weddings and a Funeral" einhellig, und es folgten sogar Oscar-Weihen: Der Film und Drehbuchautor Richard Curtis wurden nominiert. Bei den Golden Globes gewann Hauptdarsteller Hugh Grant; nominiert waren der Film, das Drehbuch und Hauptdarstellerin Andie MacDowell. Bei den Britischen Filmpreisen wurden der Film, Regisseur Mike Newell, Hauptdarsteller Grant und Nebendarstellerin Kristin Scott Thomas prämiert. Leer gingen Drehbuchautor Curtis, Nebendarstellerin Charlotte Coleman, die Nebendarsteller Simon Callow und John Hannah, Cutter Jon Gregory und Kostümbildnerin Lindy Hemming aus.

Ein Zuschauer schwärmt: "Wunderbar witzig, warm und gefühlvoll - die perfekte romantische Komödie. Geschrieben von Richard Curtis - bekannt durch "Blackadder" - und inszeniert von Mike Newell funktioniert der Film auf vielen Ebenen. Als Komödie ist er superb - sehr lustig und dabei intelligent. Dann gibt es den Freundschaftsaspekt, der eine große Herzlichkeit, Bindungen und ein Gefühl der Kamaradschaft vermittelt. Die Charaktere haben Tiefe und ergänzen sich gegenseitig gut. Und zum Schluss funktioniert er auch als romantisches Drama. Nicht der übliche schablonenhafte Schmalz, sondern eine kluge Auseinandersetzung mit dem Thema."



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