Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Armee im Schatten - Lino Ventura
Armee im Schatten - Lino Ventura
© Studiocanal

TV-Tipps für Sonntag (7.7.): Lino Ventura leistet Widerstand

3sat zeigt "Armee im Schatten"

Am Sonntagabend bittet der Dude zum Empfang - im Arte-Hauptprogramm ist das Meisterwerk "The Big Lebowski" mit Jeff Bridges ein Muss. Die Woche klingt exzellent im 3sat-Nachtprogramm aus, in dem "Armee im Schatten", ein französischer Thriller von Jean-Pierre Melville über die Widerstandsbewegung, ausgestrahlt wird.

"The Big Lebowski", Arte, 20:15 Uhr
Jeffrey "The Dude" Lebowski (Jeff Bridges), versehentlich mit dem gleichnamigen Millionär (David Huddleston) verwechselt, will eine Entschädigung für seinen ruinierten Teppich ("Machte den Raum erst gemütlich...") und engagiert seine Bowling-Kumpels (John Goodman und Steve Buscemi), um diese einzutreiben.

Bei seiner Premiere 1998 floppte diese 15 Millionen Dollar teure Komödie mit einem weltweiten Umsatz von bloß 46 Millionen Dollar, und die Kritiken waren auch nur gemischt. Heute kann man das schwer nachvollziehen - "The Big Lebowski" gilt als Meisterwerk, einer der besten Filme der Coen Brothers und ist zum dem geworden, was man einen Kultfilm nennt. Seit 2002 veranstalten Fans in verschiedenen Städten mehrtägige Lebowski-Feste, zu denen auch die Darsteller - wie Jeff Bridges und Julianne Moore im Jahr 2011 - immer mal wieder vorbeischauen.

Die Regisseure und Drehbuchautoren Ethan und Joel Coen ("No Country for Old Man") wollten eine Art Raymond Chandler-Krimi drehen, der sich episodenhaft vorwärts entwickelt, während sich die Charaktere durch eine hoffnungslos komplexe Handlung bewegen, um ein Geheimnis zu enträtseln, das letzten Endes irrelevant ist. Für die unverwechselbaren Charaktere und Situationen kramten sie viele Personen und Begebenheiten aus ihrem Leben zusammen und versahen das Ganze mit ihren typischen scharfzüngigen Dialogen und verblüffenden Einstellungen.

Dabei umgaben sie sich mit ihren langjährigen, hochklassigen Mitarbeitern wie Kameramann Roger Deakins, Komponist Carter Burwell und Schauspielern wie Steve Buscemi, John Goodman und John Turturro und drehten vor Ort in Los Angeles. Neu hinzu kam Jeff Bridges. Heute kann man sich niemand Anderen in der Rolle vorstellen, aber die Coens hatten den Part nicht eigens für ihn geschrieben. Aber er erwies sich als ausgesprochener Glücksgriff, und gerade seine und Goodman's Leistungen befeuern den ausgesprochen witzigen, immens einfallsreichen Streifen, laut "Filmdienst" die "gelungene Variante eines modernen Schelmenromans, geprägt von Fabulierlust und überbordernder Phantasie".

2014 nahm die Library of Congress das "künstlerisch, historisch oder ästhetisch bedeutsame" Werk in das National Film Registry auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer meint: "Es ist ein bisschen schwierig, diesen Film zu beschreiben - und das macht ihn so großartig. Wie bei so vielen Kultfilmen liebt man diesen Streifen, oder er lässt einen kalt, oder man hasst ihn sogar. Ich finde diesen Film sehr witzig, aber man sollte keine Gags, Witze, Slapstick oder Pointen erwarten. Um diesen Film zu genießen, muss man sich seinem Tempo anpassen und durch die irre und unglaubliche Geschichte über Nihilismus, Diebstahl, Kidnapping, abstrakte Kunst, Pornos und - natürlich - Bowling führen lassen. Das alles mit Filmemachen vom Feinsten, mit einer herausragenden Besetzung, perfekt ausgewählten Songs und den witzigsten, zitierfähigsten Dialogen aller Zeiten. Ohne Zweifel der Film mit dem höchsten Wiedersehenswert überhaupt."



"Armee im Schatten", 3sat, 01:00 Uhr
Eine französische Widerstandsgruppe versucht während des Zweiten Weltkriegs die deutschen Besatzer durch zermürbende und selbstzerstörerische Aktionen zu schwächen.

Dieser französische Thriller hatte Pech mit dem Timing. Als er 1969 uraufgeführt wurde, schrieb die führende Filmzeitschrift "Cahiers du cinéma" einen Verriss, der sich mehr auf die vermeintliche Glorifizierung von Charles de Gaulle und der Resistance im Film stützte, die beide in der gerade angefangenen Post-de Gaulle-Ära nach den Studentenunruhen vom Mai 1968 nicht mehr angesagt waren. Viele andere Rezensenten folgten dem Urteil, so dass "L'armée des ombres" - so der Originaltitel - zwar mit 1,4 Millionen Zuschauern in Frankreich noch einigermaßen erfolgreich lief, aber in den USA keinen Verleiher fand.

Das hat das meisterhafte Werk von Jean Pierre Melville ("Der eiskalte Engel") nicht verdient. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Joseph Kessel aus dem Jahr 1943, in dem dieser seine eigenen und anderer Widerstandskämpfer Erlebnisse verarbeitet hatte, zeigt Melville distanziert, sachlich und unpathetisch das Innenleben der Resistance. Ein intensives Filmerlebnis mit großartigen schauspielerischen Leistungen.

Späte Gerechtigkeit: Mitte der Neunziger veröffentlichte "Cahiers du cinéma" eine positive Neubewertung von "L'armée des ombres", was letztlich zu seiner Wiederentdeckung führte. Die 2006 neu aufgeführte restaurierte Fassung wurde einhellig bejubelt und landete auch in den USA auf vielen Jahresbestenlisten der Kritiker.

Ein Zuschauer schreibt: "Jean-Pierre Melville leitet seinen Film mit dem Gefühl, das er auch mit den Kinogängern bezüglich der Resistance teilen will: Zweispältigkeit. Eine große Geschichte wird in einer kleinen Art und Weise erzählt. Es gibt keine großen Action-Szenen, statt dessen fokussiert Melville auf die Gespräche und die Organisation der Widerstandsbewegung, ihren moralischen Code und den täglichen Kampf, den Nazis stets einen Schritt voraus sein zu müssen. Die Kameraführung ist wunderschön, die Kulissen realistisch, die Maskenbildnerkunst wird einem den Magen umdrehen, und der Schnitt treibt die Handlung voran, indem er sich einen feuchten Kehricht um große Gefühlsmomente schert."



Hier geht es zum kompletten TV-Programm


Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.