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Augen ohne Gesicht - Edith Scob
Augen ohne Gesicht - Edith Scob

TV-Tipp für Mittwoch (28.8.): Édith Scob agiert ausdruckslos

Arte zeigt "Augen ohne Gesicht"

"Augen ohne Gesicht", Arte, 01:05 Uhr
Ein Chirurg (Pierre Brasseur) hat durch einen Autounfall das Gesicht seiner Tochter (Édith Scob) entstellt und schreckt vor nichts zurück, ihr ein neues Gesicht zu geben.

Als dieser französische Horrorfilm auf dem Edinburgh Film Festival aufgeführt wurde, fielen sieben Zuschauer in Ohnmacht. Regisseur Georges Franju kommentierte dies sarkastisch: "Jetzt weiß ich, warum Schotten Röcke tragen."

Tatsächlich war "Les yeux sans visage" - so der Originaltitel - bei seiner Premiere 1960 umstritten, obwohl Franju in weiser Voraussicht viele Elemente aus der Romanvorlage von Jean Redon aus dem Jahr 1959 abgemildert oder weggelassen hatte. Er engagierte die Schriftsteller Pierre Boileau und Thomas Narcejac, deren Roman "D'entre les morts" die Vorlage für Alfred Hitchcock's "Vertigo" geliefert hatte, um die Figur des "verrückten Wissenschaftlers" zu vermenschlichen und seine Motive - er handelt aus Kummer und Schuldgefühlen - klarer herauszuarbeiten.

Georges' Herangehensweise vermied eine Konfrontation mit den Zensoren, aber manche Kritiker fanden dennoch deutliche Worte: Isabel Quigly verdammte den Streifen im britischen "The Spectator" als "krankesten Film, den ich je gesehen habe".

Insgesamt fielen die Besprechungen für das in und um Paris gedrehte Werk gemischt aus, mit 560 000 Zuschauern lief es in Frankreich nur mäßig erfolgreich und kam in Deutschland mit dem reißerischen Titel "Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff" leicht gekürzt und mit einer Altersfreigabe "Ab 18 Jahren" in die Lichtspielhäuser.

Es dauerte bis 1986, als "Les yeux sans visage" in einer gemeinsamen Retrospektive des National Film Theatre in London und der Cinémathèque Française in Paris wieder ins Kino kam, dass eine Neubewertung stattfand, die ganz anders ausfiel - nämlich einhellig jubilierend. Stellvertrend sei diesmal Kritiker Geoff Andrew zitiert: "Eine unglaubliche Mischung aus Horrorfilm und Märchen, ein wundervoller Film im Wortsinne, der von Anfang bis Ende durch Georges Franju's einzigartiges Gespür für Poesie erstrahlt."

Heute stellt niemand mehr die Qualitäten des Werkes in Frage, das Franju's bester und bekanntester Film geblieben ist. Die Geschichte von Schuld und Besessenheit ist heute noch genauso schaurig und poetisch wie vor rund 60 Jahren. Der Regisseur wollte seinen Streifen indes gar nicht als Horrorfilm verstanden wissen: "Er besitzt eine stillere Stimmung als Horror - mehr innerlich, mehr durchdringend. Es ist Horror in homöopathischen Dosen."

Unbestritten hat "Les yeux sans visage" die Filmgeschichte beeinflusst. Motive und Umsetzung sind in viele andere Filme - und Billy Idol's Song "Eyes without a Face" - eingeflossen, bis hin zu "La piel que habito" ("Die Haut, in der ich wohne") von Pedro Almodóvar im Jahr 2011.

Eine Zuschauerin schwärmt: "Einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Georges Franju lässt die üblichen Vorboten des Genres - rasendes Tempo, schnelle Schnitte, schrille Musik, hysterische Schreckensszenen - beseite zugunsten eines Tempos, das so langsam wie bei einem Begräbnis und so versteinert wie das Gesicht des Mädchens ist. Ein kühler Film, allen Gefühlen entkleidet, dessen wissenschaftliches Thema eine zeitlose, komplizierte, nicht wertendende Gothic-Geschichte über die Zerstörung der Unschuld, die Fahrlässigkeit männlicher Autorität und die Ausbeutung der Frau, insbesondere in der Kunst, in sich birgt."

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