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Todesmelodie - James Coburn und Rod Steiger
Todesmelodie - James Coburn und Rod Steiger

TV-Tipp für Montag (13.7.): James Coburn und Rod Steiger ziehen die Köpfe ein

Arte zeigt "Todesmelodie"

"Todesmelodie", Arte, 21:45 Uhr
Ein Sprengstoffexperte (James Coburn) der IRA, der sich in Mexiko auf der Flucht befindet, trifft in den zehner Jahren dort auf einen rücksichtlosen Banditen (Rod Steiger) - und beide werden in die Mexikanische Revolution verwickelt.

Von seinen fünf Western, die Sergio Leone drehte, ist dieser hier der wohl unbekannteste. Die "Dollar"-Trilogie und der diesem italienischen Film vorgangegangene "Spiel mir das Lied vom Tod" sind allen Kinofans und -historikern bekannt, während "Giù la testa" ("Zieh den Kopf ein" - so der Originaltitel) aus dem Jahr 1971 verhältnismäßig obskur geblieben ist - obwohl Sergio für seine Leistung sogar mit dem Italienischen Filmpreis als "Bester Regisseur" ausgezeichnet wurde.

Das hat weniger mit der Qualität des Streifens zu tun. Wieder legt Leone ein packendes Werk vor, dessen Charaktere sorgfältig herausgearbeitet sind und dessen aufwendige, stilsicher inszenierten Action-Szenen mitreißen. Und auch für den Intellekt hat der Film einiges zu bieten, stellt er doch die Frage nach dem Sinn von Gewalttaten im Namen der Revolution.

Nein, ein Bein stellte sich Leone mit dem Namen des Films, der - gerade in den USA übersetzt mit "Duck, You Sucker" (Kopf runter, Idiot) - eher eine launige Westernkomödie erwarten ließ. So wurden die Erwartungen des Publikums irregeleitet. Vielleicht wäre der Filmemacher, der wieder das Drehbuch selbst geschrieben hatte, doch lieber bei "C’era una volta la rivoluzione" (Es war einmal die Revolution) geblieben, der an den Titel des mega-erfolgreichen Vorgängers "C'era una volta il West" (Es war einmal im Westen; "Spiel mir das Lied vom Tod") angeknüpft hätte. In den USA titelte man schließlich auf "A Fistful of Dynamite" um, um so an Sergio's "Dollar"-Trilogie mit Clint Eastwood zu erinnern. Der deutsche Titel "Todesmelodie" war wohl der Versuch, an "Spiel mir das Lied vom Tod" anzuknüpfen. Letztlich lief "Giù la testa" nur in Frankreich unter "Es war einmal die Revolution", was dem Streifen am meisten gerecht wurde - und dort war er dann auch prompt am erfolgreichsten.

Dass sich Leone dem Thema Revolution zuwandte, war kein Zufall, denn bei der Konzeption des Films 1968 lag ein Hauch von Revolution dank der Studentenunruhen in Paris in der Luft, und das Konzept der Revolution wurde nicht nur von Studenten, sondern auch von Filmemachern diskutiert. Kein Wunder, dass der Regisseur seinen Streifen mit einem Zitat von Mao Tse-Tung aus dem Jahr 1927 beginnen lässt: "Die Revolution ist kein Festessen, kein literarisches Fest, keine Stickerei. Sie kann nicht mit Eleganz oder Artigkeit durchgeführt werden. Die Revolution ist ein Akt der Gewalt." Und auch kein Wunder, dass United Artists das Zitat aus den Kopien für den US-Markt herausschneiden ließen.

Aber so, wie Leone bei "Spiel mir das Lied vom Tod" die Mythen des Westerns, die ja hauptsächlich durch amerikanische Western-Filme perpertuiert wurden, zerpflückt hatte, dekonstruierte er hier die der Revolution nachgesagte Romantik, nicht zuletzt durch zahlreiche drastische Gewaltdarstellungen. Wie im Vorgängerfilm ist die Rache eine treibende Kraft der Handlung, aber diesmal wird ihr das Konzept der Versöhnung entgegen gestellt.

Wie so viele US-Abenteuerfilme und Italo-Western wurde auch "Giù la testa" in der südspanischen Provinz Andalusien gedreht. Die beiden amerikanischen Hauptdarsteller James Coburn und Rod Steiger waren dabei nicht Leone's erste Wahl gewesen. Er wollte mit den ihm schon aus vergangenen Produktionen vertrauten Jason Robards und Eli Walach drehen - beides Namen, welchen den Co-Produzenten United Artists zu klein schienen. Da Clint Eastwood keine Lust auf einen weiteren Spaghetti-Western hatte, kam Coburn zu Ehren; Steiger wurde vom Studio durchgedrückt, weil er vertraglich noch eine Produktion zu erfüllen hatte. Das Engagement von Coburn und Steiger brauchte Leone nicht zu bereuen, beide bieten exzellente Leistungen.

"Giù la testa" blieb für 13 Jahre Sergio Leone's letzter Film. Dann legte er sein US-Epos "Once Upon a Time in America" ("Es war einmal in Amerika") vor, das sein letztes Werk werden sollte.

Ein Zuschauer lobt: "Sergio Leone war ein meisterhafter Showman, aber er wusste, wie man Stil mit Substanz verbindet, und dieser Film ist die perfekte Mischung aus Stil und Substanz. In vielerlei Hinsicht ist der Streifen Leone's düsterster, und es gibt Szenen, die einem unvergessen bleiben, und Dialoge und Monologe, die großen Eindruck hinterlassen - genauso wie die nonverbalen Ausdrücke der Darsteller. Ebenso verfolgt einen die mystische Musik von Ennio Morricone noch lange, nachdem der Film vorbei ist. Ein Fest für jeden intelligenten Zuschauer, das genug Denkanstöße bietet."



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