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Avengers: Infinity War - Josh Brolin
Avengers: Infinity War - Josh Brolin
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

TV-Tipps für Sonntag (3.1.): Josh Brolin gibt sich mit der Hälfte zufrieden

Pro7 zeigt FreeTV-Premiere "Avengers: Infinity War"

Mit dem Meisterwerk "Avengers: Infinity War" als FreeTV-Premiere im Hauptprogramm des Sonntagabends wartet Pro7 gleich zum Jahresauftakt mit einen ganz dicken cineastischen Brocken für Spielfilm-Fans auf. Auch die ARD lässt sich nicht lumpen und sendet zum Wochenabschluss im Nachtprogramm den hervorragenden "The Imitation Game" mit Benedict Cumberbatch.

"Avengers: Infinity War", Pro7, 20:15 Uhr
Die Avengers und ihre Verbündeten versuchen Thanos (Josh Brolin) daran zu hindern, die sechs Infinity-Steine in seinen Besitz zu bringen und damit die Menschheit um die Hälfte zu dezimieren.

2008 hatte mit "Iron Man" alles angefangen. Marvel Studios und Paramount Pictures schickten Robert Downey Jr. als Tony Stark alias Iron Man erfolgreich ins Leinwandrennen um die Zuschauergunst. Zehn Jahre später und 18 Filme im Marvel Cinematic Universe (MCU) weiter hatten die US-Fantasy-Filme - inzwischen unter der Ägide von Walt Disney Studios - ein Ausmaß an Produktionskosten und Einspielergebnissen erreicht, dass einem schwindlig werden musste. Es ist wohl das größte Verdienst von Produzent Kevin Feige, dass er über all die Jahre das richtige Näschen für die richtigen, manchmal überraschenden Talente hatte, so dass es innerhalb dieser 18 Produktionen viele Höhepunkte, aber keinen echten Reinfall gegeben hatte.

Auch mit der Entscheidung, für den Avengers-End- und Höhepunkt des Doppelfilmes "Avengers: Infinity War" und "Avengers: Endgame", die nacheinander gedreht wurden, auf das Kreativteam zu setzen, das bereits den sehr guten Semi-Avengers-Streifen "Captain America: Civil War" im Jahr 2016 erfolgreich in den MCU-Kanon eingebracht hatte, erwies sich als goldrichtig.

Die Brüder Anthony und Joe Russo sowie die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely und der kanadische Kameramann Trent Opaloch übertrafen sich bei "Avengers: Infinity War" nochmal selbst und legten ein Meisterwerk vor - nicht nur eine der besten Comic-Adaptionen aller Zeiten, sondern einen der besten Filme aller Zeiten überhaupt. Ein Streifen mit riesigen Ambitionen, die eingelöst werden - spannend und auch emotional bewegend. Dazu kommt die erstaunliche Leistung, eine Schwindel erregend große Zahl von Charakteren so auszubalancieren, dass alle Helden ihre großen Auftritte erhalten und niemand als Randfigur zu kurz kommt. Die Handlung erschließt sich allerdings nur denjenigen voll, die zumindest die zweieinhalb"Avengers"-Werke zuvor schon gesehen haben. Hinweise auf die Infinity-Steine hatten die Drehbuchautoren dazu noch in den MCU-Filmen "Captain America: The First Avenger", "Thor – The Dark Kingdom", "Guardians of the Galaxy" und "Doctor Strange" untergebracht.

Die reinen Produktionskosten beliefen sich auf die unfassbare Summe von 400 Millionen Dollar, was die Walt Disney Studios-Produktion zur teuersten Produktion aller Zeiten machte; dazu kamen noch einmal 150 Millionen Dollar an Verleih- und Marketing-Kosten. Gedreht wurde in den Pinewood Studios in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia, in der Stadt selbst, in New York City und an verschiendenen Orten Schottlands, vor allem dessen Hauptstadt Edinburgh. Erstmals wurde eine ganze Produktion mit den hochauflösenden IMAX 65-Digital-Kameras gedreht - hochauflösend und sehr kostspielig.

Nach rund zehn Jahren waren der Appetit und die Vorfreude auf neue Superheldenfilme eher noch gewachsen denn geschrumpft - erstaunlich, aber auch wohl verdient, denn die Qualität stimmte einfach, und gerade auch hier. "Avengers: Infinity War" erhielt 2018 gute Kritiken und durchbrach wie ein Überschallflugzeug diverse Einspielrekorde. Allein das weltweite Startwochenende brachte 640 Millionen Dollar und übertraf den bisherigen Rekordhalter "Fast & Furious 8", der erst ein Jahr zuvor mit 542 Millionen Dollar debutiert hatte. Auch das Startwochenende in Nordamerika war mit 257 Millionen Dollar das bis dahin höchste aller Zeiten. Am Ende standen unfassbare 2,0 Milliarden Dollar weltweit, womit der Film natürlich auch mit Riesenabstand der erfolgreichste des Jahres wurde. Nominierungen der Visuellen Effekte für den Academy Award und den Britischen Filmpreis gab es noch obendrauf.

Ein Jahr darauf folgte der ebenso gute "Avengers: Endgame", der mit 2,8 Milliarden Dollar weltweiten Umsatzes sogar noch wesentlich erfolgreich werden sollte.

Kritiker Damond Fudge schrieb in "KCCI": "Vollgestopft mit Charakteren, Handlungssträngen und Informationen, hätte der Film leicht zu einem wilden Durcheinander in Sachen Reizüberflutung werden können. Aber die Russo Brothers halten alles im Fluss, interessant und - am wichtigsten - verständlich."



"The Imitation Game", ARD, 00:10 Uhr
Während des Zweiten Weltkriegs versucht das Mathematik-Genie Alan Turing (Benedict Cumberbatch) mit anderen Mathematikern die deutsche Verschlüsselungsmaschine Enigma zu decodieren.

Dass das Leben nicht fair ist beziehungsweise menschliche Verhaltensweisen, Einstellungen und Vorurteile das Leben von Mitmenschen zur Hölle auf Erden machen können, ist eine Binsenweisheit. In diesem US-Drama trifft sie allerdings besonders zu. Hätte Alan Turing, dem von 1912 bis 1954 lebenden englischen Mathematiker und Informatiker, nur die geringste Gerechtigkeit widerfahren können, dann wäre dieser Film und damit die Würdigung seiner Lebensleistung noch zu seinen Lebzeiten erschienen. Was nicht möglich war, denn - siehe oben - die Zeiten waren nicht so. Nebendarsteller Matthew Goode brachte es auf den bitteren Punkt: "Wir als Nation haben diesen Helden gefeiert, indem wir ihn chemisch kastriert haben, weil er schwul war." Infolge der Hormonbehandlung erkrankte Turing an Depressionen und starb durch Suizid.

Es ist eine Leinwandbiographie wirklich ohne Happy Ending - und dennoch spielte die Independent-Produktion 2014 weltweit erstaunliche 233 Millionen Dollar ein. Es ist ein Segen, dass auch Popcorn-inkompatible und intelligente Werke wie dieses noch ein Massenpublikum anziehen können. Neben der Tatsache, dass der Streifen hervorragend gemacht ist, war es neben den guten Kritiken sicherlich die außerordentliche Leistung des englischen Hauptdarstellers Benedict Cumberbatch, die mit dem Nominierungs-Grand Slam bei den vier großen Preisverleihungen Academy Awards, Golden Globes, British Film Awards und Screen Actors Guild Awards honoriert wurde - wie auch die seiner Kollegin Keira Knightley -, die viele Zuschauer vor die Leinwände lockte. Und nicht zuletzt die tragische, aber nichtsdestotrotz faszinierende Geschichte.

Wobei man wissen sollte, dass der norwegische Regisseur Morten Tyldum ("Passengers") und Drehbuchautor Graham Moore, dessen erstes und bis heute einziges Skript dies war, es mit der historischen Wahrheit nicht so genau genommen haben, selbst wenn es auf der Biographie "Alan Turing: The Enigma" von Andrew Hodges aus dem Jahr 1983 basiert. Tyldum verteidigte sich damit, dass er nicht das "Best of..." der Wikipedia-Seite habe verfilmen wollen, sondern "emotionales und leidenschaftliches Kino" bieten wollte. Dennoch stießen Historikern die vielen Ungenauigkeiten und Unwahrheiten sauer auf. Auch die Darstellung Turings selbst - insbesondere die unzutreffende Schilderung als ein Mensch, der unter dem Asperberger-Syndrom litt - wurde kritisiert. Allerdings nicht die Leistung Cumberbatchs, welche die Angehörigen der Turing-Familie ausdrücklich lobten. So sagte Turing's Nichte Inagh Payne in einem BBC-Interview, dass die Darstellung Benedicts "meinen Onkel ehrt".

Dabei war Cumberbatch gar nicht mal die erste Wahl gewesen. Als einst Warner Brothers Pictures die Verfilmungsrechte am Drehbuch erstanden hatten, war Leonardo DiCaprio für die Hauptrolle vorgesehen gewesen - ein Projekt, das dann nicht zustande kam und so Benedict zum Zug.

Gedreht wurde für 14 Millionen Dollar vor Ort in England, darunter auch in Bletchley Park in der Grafschaft Buckinghamshire, wo Turing und seine Kollegen im Krieg gearbeitet hatten.

"The Imitation Game" erhielt Academy Awards-Nominierungen als "Bester Film", für Regisseur Morton Tyldum, Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch, Nebendarstellerin Keira Knightley, Komponist Alexandre Desplat, Cutter William Goldenberg und die Bühnenbildnerinnen; Drehbuchautor Graham Moore erhielt den Goldjungen. Bei den Golden Globes waren der Film, Drehbuchautor Moore, Hauptdarsteller Cumberbatch, Nebendarstellerin Knightley und Komponist Desplat nominiert. Nominierungen für den Britischen Filmpreis gingen an den Film, Drehbuchautor Moore, Hauptdarsteller Cumberbatch, Nebendarstellerin Knightley, Cutter Goldenberg, die Bühnenbildnerinnen, Kostümbildnerin Sammy Sheldon und die Tontechniker.

Kritikerin Debbie Baldwin schrieb in "Ladue News": "Dieser Film ist spektakulär in seiner Schlichtheit. Die ruhige Geschichte ist mit Intelligenz, Witz, Zorn, Traurigkeit, Triumph und Tragik gefüllt."

Nicht nur in den Kinosälen zeigte "The Imitation Game" Wirkung. Der Film fachte Proteste gegen die in Großbritannien noch immer bestehenden Verurteilungen gegen homosexuelle Männer aufgrund ihrer sexuellen Einstellung an. Und tatsächlich zeigten sie Wirkung: 2017 begnadigte der Police and Crime Act, informell als Alan Turing-Gesetz bekannt, alle Männer in England und Wales, die verurteilt worden waren wie Turing - den die Queen allerdings schon posthum im Jahr 2013 begnadigt hatte.



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