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Stillwater - Gegen jeden Verdacht
Stillwater - Gegen jeden Verdacht
© Universal Pictures International

Deutsche Filmstarts: Matt Damon will seine Tochter retten

Sebastian Blomberg macht die Wahrheit

Die neue Kinowoche bringt wieder eine bunte Mischung interessanter Streifen in die hiesigen Lichtspielhäuser, darunter mit "Curveball" und "Beckenrand Sheriff" auch zwei deutsche Komödien. Für Hollywood-Glanz sorgt Matt Damon in dem Kriminalfilm "Stillwater", während "The Painted Bird" brillantes und zugleich schwer erträgliches Euro-Arthouse verspricht. Was lohnt den Kinobesuch? Und wann lässt man die Geldbörse stecken?

"Stillwater"
Krimi
USA
139 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Ein Mann (Matt Damon) reist aus den USA nach Frankreich, um seiner von ihm entfremdeten Tochter (Abigail Breslin) zu helfen, die wegen eines Mordes, von dem sie behauptet, ihn nicht begangen zu haben, im Gefängnis sitzt.

Vier Jahre lang saß die amerikanische Studentin Amanda Knox in einem italienischen Gefängnis wegen des Mordes an ihrer Mitbewohnerin im Jahr 2007. 2015 kam sie frei. Regisseur und Drehbuchautor Tom McCarthy ("Spotlight") nutzt diese wahre Geschichte - sehr zum Ingrimm von Amanda Knox, übrigens - als Aufhänger für seinen zeitgemäßen US-Kriminalfilm. Das Tempo der spannenden Handlung ist etwas langsam, aber die gedankenvolle Herangehensweise an intelligente Themen und die beeindruckenden Schauspieler wiegen das mehr als auf. Die 20 Millionen Dollar teure Universal Pictures-Produktion hat gemischte Kritiken und Zuschauerreaktionen geerntet.

Unsere Kritikerin Bianka Piringer ist positiv gestimmt: "Die nüchtern-realistische Inszenierung betont auf reizvolle Weise die kulturellen Unterschiede, die der Held in Frankreich und speziell in der Freundschaft mit einer Künstlerin erlebt. Zugleich kreist sie um die schwierige Vater-Tochter-Beziehung und bezieht aus der Suche nach dem mutmaßlichen Mörder solide Spannung."

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"Don't Breathe 2"
Horror
USA
98 Minuten
FSK 18

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Ein Blinder (Stephen Lang) lebt zurück gezogen mit einer Elfjährigen (Madelyn Grace), bis ihn seine Vergangenheit einholt...

Hätte es wirklich einer Fortsetzung zu "Don't Breathe" von 2016 bedurft? Alleiniger Grund ist die imposante Erscheinung von Hauptdarsteller Stephen Lang, die hier entsprechend in den Vordergrund rückt und in einem reizvollen Rollenwechsel aus dem Bösewicht des ersten Parts den Helden macht. Lang ist der beste Anlass, sich diesen 15 Millionen Dollar teuren US-Horrorfilm anzusehen, während das Drehbuch des uruguayischen Originalregisseurs Fede Álvarez und seines Nachfolgers und Landsmanns Rodo Sayagues Probleme hat, eine erzählenswerte Geschichte aufzubieten, welche diese Sony Pictures-Produktion rechtfertigen würde. Immerhin ist das Ganze noch ausreichend spannend. Die Kritiken und die Zuschauerreaktionen sind gemischt.

Unser Rezensent Björn Schneider kommt zu einem ebensolchen Urteil: "Blutig-heftiger Film mit intensiven Spannungs-Momenten und charismatischem Hauptdarsteller, allerdings auch wenig unheimlichen und bieder gezeichneten Bösewichten."

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"The Painted Bird"
Drama
Tschechien
169 Minuten
FSK 18

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Ein jüdischer Sechsjähriger (Petr Kotlár) irrt während des Zweiten Weltkriegs durch Osteuropa auf der Suche nach Schutz.

Mit Pandemie-Verzögerung kommt dieses brutal kompromisslose tschechische Drama über Abgründe der Unmenschlichkeit aus dem Jahr 2019 in die hiesigen Kinos. Der große Gewinner der Tschechischen Filmpreise im vergangenen Jahr, der auch für den Europäischen Filmpreis nominiert war, ist eine sehr schwierige Seherfahrung, die ihren schroffen Schrecken durch ihre erbarmungslose Wirkung rechtfertigt. Regisseur und Drehbuchautor Václav Marhoul, dessen erstes Werk seit elf Jahren diese Bildstörung-Produktion ist, verfilmte den Roman "The Painted Bird" des polnischstämmigen US-Autoren Jerzy Kosinski aus dem Jahr 1965 für umgerechnet 7,5 Millionen Dollar. Bei allem Vorbehalt aufgrund des auf der Leinwand gezeigten Grauens - Kritiker wie Zuschauer heben den Daumen.

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"Curveball"
Komödie
Deutschland
108 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Die unglaubwürdige Behauptung eines Asylbewerbers im Jahr 2000, er sei im Irak an der Herstellung von Anthrax beteiligt gewesen, macht beim Bundesnachrichtendienst die Runde und gerät als von den USA zur Begründung eines Krieges gegen den Irak gesuchten Bestätigung außer Kontrolle.

Nach einer leider allzu wahren Geschichte erzählt diese deutsche Komödie von einer Farce, bei welcher einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Regisseur und Drehbuchautor Johannes Nader ("Das kalte Herz") trifft mit seinem schwarzen Humor und den scharfen Dialogen ins Schwarze des Panoptikums aus Inkompetenz, Ehrgeiz, Dummheit und Skrupellosigkeit, mag auch nicht jeder Gag zünden. Die Filmwelt-Produktion ist für drei Deutsche Filmpreise nominiert: Als "Bester Film", für das Drehbuch und für Nebendarsteller Thorsten Merten. Die Kritiken sind gut.

Unserem Kollegen Björn Schneider hat es auch gefallen: "Satirische, bewusst überspitzte und bisweilen radikale Aufarbeitung einer unfassbaren Farce, die entscheidend zum Beginn und Rechtfertigung einer illegalen Invasion diente."

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"Beckenrand Sheriff"
Komödie
Deutschland
114 Minuten
FSK 6

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Ein von allen gehasster Bademeister (Milan Peschel) einer bayerischen Kleinstadt sieht sich mit der Schließung seines Freibads konfrontiert und versucht, ein Bürgerbegehren auf die Beine zu stellen, wozu er sich zum Sympathieträger wandeln muss.

Leicht und locker, mit etwas sozialkritischem Biss und kauzigen Figuren, überzeugt diese deutsche Komödie von Regisseur Marcus H. Rosenmüller ("Trautmann") und Drehbuchdebutant Marcus Pfeiffer zwar nicht auf ganzer Linie, aber ausreichend für erste gute Kritiken.

Unsere Kritikerin Bianka Piringer kommt zu einem gemischten Urteil über die Leonine-Produktion: "Mit Milan Peschel, Johanna Wokalek und Gisela Schneeberger stimmig besetzt, sorgt der Film immer wieder für vergnügliche Momente. Das Drehbuch von Marcus Pfeiffer ähnelt einer Wundertüte voller Ideen, aber vom überdrehten Slapstick bis zum Flüchtlingsdrama ist für einen runden Eindruck zu viel drin."

Hier geht es zu den kompletten Filmstarts


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