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Der einzige Zeuge
Der einzige Zeuge
© Paramount Pictures Germany

TV-Tipps für Samstag (18.9.): Harrison Ford im Zeugenschutzprogramm

ARD zeigt "Der einzige Zeuge"

Am Samstagabend bieten die Öffentlich-Rechtlichen mit zwei sehenswerten US-Produktionen die besten Alternativen für Spielfilm-Fans. Im 3sat-Spätprogramm läuft Barry Jenkins' Romanverfilmung "If Beale Street Could Talk" als FreeTV-Premiere, gefolgt von Peter Weir's Krimi "Der einzige Zeuge" im ARD-Nachtprogramm.

"If Beale Street Could Talk", 3sat, 22:50 Uhr

Eine schwangere Frau (Kiki Layne) versucht mit Hilfe ihrer Familie die Unschuld ihres im Gefängnis sitzenden Freundes (Stephen James) zu beweisen.

Das Drehbuch zu diesem US-Drama hatte Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Barry Jenkins bereits 2013 geschrieben und damit vor "Moonlight" drei Jahre später. Der Oscar-gekrönte Welterfolg jenes Streifens ermöglichte es Jenkins, im Anschluss auch "If Beale Street Could Talk" zu realisieren. Vor Ort in New York City und auf Puerto Rico realisierte der Filmemacher für 12 Millionen Dollar die Adaption des gleichnamigen Romans von James Baldwin aus dem Jahr 1974. Dabei griff Barry auf sein "Moonlight"-Team aus Kameramann James Laxton, Komponist Nicolas Britell und den Cuttern Joi McMillon und Nat Sanders zurück.

Die Independent-Produktion bewies, dass "Moonlight" keine qualitative Eintagsfliege war. "If Beale Street Could Talk" erwies mit seiner wunderschön verfilmten und gewandt erzählten Adaption dem Roman seine Ehre. Die Kritiker waren 2018 einhellig begeistert, und als Programmkinotitel spielte das Werk weltweit immerhin 20 Millionen Dollar ein.

Der Academy Award ging an Nebendarstellerin Regina King; Drehbuchautor Barry Jenkins und Komponist Nicolas Britell waren nominiert. Bei den Golden Globes gewann ebenfalls Nebendarstellerin King; nominiert waren hier der Film und Drehbuchautor Jenkins. Nominierungen für den Britischen Filmpreis gingen an Drehbuchautor Jenkins und Komponist Britell.

Kritiker Alex Bently schrieb in "Culture Map": "Während der Film sich sicherlich nicht um Gesellschaftskritik herumdrückt - insbesondere dann nicht, wenn Barry Jenkins wahre pointierte Beispiele von Alltagsrassismus einwebt -, ist er dann besonders wirkungsvoll, wenn er die romantische Seite der Geschichte zeigt."



"Der einzige Zeuge", ARD, 00:40 Uhr
Ein Polizist (Harrison Ford) versteckt sich mit dem Kronzeugen eines Mordfalls, einem kleinen Amish-Jungen (Lukas Haas), in dessen Heimatgemeinde.

"Witness" - so der Originaltitel dieses US-Kriminalfilms - gilt heute als einer der stärksten Streifen der Achtziger und in den Karrieren des australischen Regisseurs Peter Weir ("The Truman Show"), dessen erste amerikanische Produktion dies war, und des Hauptdarstellers Harrison Ford. Und er war 1985 nicht nur ein Kritikerliebling, sondern auch mit 69 Millionen Dollar ein großer Publikumserfolg in den USA. Um so erstaunlicher, dass er fast nicht gedreht worden wäre.

Das Drehbuch von William Kelley und Earl W. Wallace machte über Jahre vergeblich die Runde durch Hollywood. Joe Wizan, Studiogeschäftsführer bei 20th Century Fox, lehnte das Projekt selbst dann noch ab, als Ford an Bord gekommen war: "Wir drehen keine Dorffilme." Schließlich griffen Paramount Pictures zu und stellten ein Budget von 12 Millionen Dollar zur Verfügung - eine weise Entscheidung, wie sich nicht nur an den Kinokassen zeigen sollte.

Der Aspekt der Amish-Kultur, einer von Nachfahren deutscher und schweizerischer Einwanderer getragenen protestantischen Glaubensgemeinschaft, die sich bewusst moderner Technik wie Auto, Fernsehen und Telephon verschließen und in Isolation leben, ist der faszinierendste Aspekt von "Witness", offenbarte er doch vielen US-Zuschauern eine "fremde Welt" im eigenen Land. Auch Peter Weir widmet diesem atmosphärischen Aspekt viel Raum und evoziert das Bild eines von außen bedrohten Paradieses mit Schattenseiten, während die Studiobosse natürlich mehr auf eine Action-geladene Handlung hofften.

Gedreht wurde in den US-Bundesstaaten Pennsylvania und Philadelphia. Bei der Sequenz des Scheunenbaues konnte Harrison Ford seine beruflichen Fähigkeiten als Schreiner einbringen.

"Witness" ist ein sehr spannendes und unterhaltsames Werk mit einem ungewöhnlichen Schauplatz und einer gefühlvollen und sympathischen Darstellung von Harrison Ford, der erfolgreich seine schauspielerische Bandbreite über Han Solo und Indiana Jones hinaus erweiterte.

Nicht glücklich war indes die Amish-Gemeinschaft mit dem, was sie als "Zurschaustellung" ihrer Kultur ansah. Wenig überraschend waren keine Amish als Schauspieler oder Statisten bei den Dreharbeiten beschäftigt gewesen.

Das Drehbuch und Cutter Thom Noble gewannen den Oscar; nominiert waren zudem der Film selbst, Regisseur Peter Weir, Hauptdarsteller Harrison Ford, Kameramann John Seale, Komponist Maurice Jarre und die Bühnenbildner. Golden Globes-Nominierungen gingen an den Film, Regisseur Weir, das Drehbuch, Hauptdarsteller Ford, Nebendarstellerin Kelly McGillis und Komponist Jarre, der den Britischen Filmpreis gewann. Nominierungen für diesen gab es für den Film, das Drehbuch, Hauptdarsteller Ford, Hauptdarstellerin McGillis, Kameramann Seale und Cutter Noble.

Eine Zuschauerin schwärmt: "Als Kriminalfilm überzeugt der Streifen. Aber er ist so viel mehr als das. Er gibt uns einige der besten Leinwandcharaktere, eine der besten Liebesgeschichten und bringt uns mehr zum Nachdenken als die meisten anderen Werke dieses Genres. Das hier ist keine weitere Action-geladenene Rumschießerei. Die wenigen gewalttätigen Szenen wirken realistisch, und eine entscheidende Szene, in der die Hauptfigur eine Situation mit Gewalt lösen will, führt dann ausgerechnet zu ihrer Entlarvung. Ein Beispiel meisterhaften Filmemachens, intensiv, spannend, aber auch tief und bewegend."



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