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Der Große Diktator - Charlie Chaplin
Der Große Diktator - Charlie Chaplin
© Piffl Medien

TV-Tipp für Donnerstag (30.12.): Charlie Chaplin nimmt es mit Adolf Hitler auf

Arte zeigt Meisterwerk "Der große Diktator"

"Der große Diktator", Arte, 20:15 Uhr
Diktator Adenoid Hynkel (Charles Chaplin) versucht sein Reich zu vergrößern, während ein jüdischer Barbier (ebenfalls Chaplin) den Häschern seines Regimes zu entkommen versucht.

Ein Film gegen Adolf Hitler? Im Jahr 1940, als die Deutschen halb Europa besetzten? Ein solches Werk musste in den USA, zumal wenn ein solcher Meister wie Charles Chaplin sich daran machte, den Diktator zu veralbern, doch mit Begeisterung aufgenommen werden. Doch so einfach war die Sache nicht. In den Vereinigten Staaten gab es durchaus Sympathien für den deutschen Machthaber als "Bollwerk gegen den Sowjet-Kommunismus" und dazu eine starke isolationistische Strömung, die vor allem Amerika aus einem Krieg gegen Deutschland heraushalten wollte - und gegen alles war, was die Nationalsozialisten hätte reizen können.

So ist zu erklären, dass die Zeitungen des konservativen Pressemoguls William Randolph Hearst Chaplin und "The Great Dictator" der "Kriegshetze" beschuldigten. Doch das konnte jenem egal sein, denn seine US-Komödie wurde mehrheitlich mit Begeisterung aufgenommen und vor allem sein erfolgreichter Film an den Kinokassen.

Dass sich der Regisseur und Drehbuchautor an die Figur Hitler wagen würde, hatte sich bereits in den Dreißigern abgezeichnet. Auf die Ähnlichkeit der beiden dunkelhaarigen, schmalen Personen, die im selben Monat geboren worden waren und den gleichen kleinen Schnurrbart trugen, waren Komiker und Cartoonisten schon längst aufmerksam geworden. Nun wollte Charles das imaginäre Duell Clown gegen Diktator selbst auf die Leinwand bringen und dies mit einer humanitären Botschaft verknüpfen, denn die Hetze gegen Juden war auch in den USA kein Geheimnis.

Der damals 50-Jährige schrieb ein Drehbuch und sich selbst die Doppelrolle auf den Leib und stattete sein Werk mit vielen verbalen und visuellen Verballhornungen der deutschen Sprache, des Nationalsozialismus und von Diktaturen insgesamt aus. Dabei bekommt seine Diktatorfigur mehr als genug von infantiler Geltungssucht und sexueller Triebhaftigkeit ab.

Für 2 Millionen Dollar drehte Chaplin seinen ersten echten Tonfilm - und damit rund zehn Jahre, nachdem sich das Format durchgesetzt hatte - in seinen Studios in Los Angeles. Die Arbeiten begannen im September 1939, also direkt nach dem deutschen Angriff auf Polen, und dauerten rund sechs Monate. Als "The Great Dictator" im Oktober 1940 Premiere feierte, war das gesamte west- und südosteuropische Festland plus Teile Skandinaviens unter deutsche Herrschaft gezwungen. Insofern konnte das Werk nicht zeitgemäßer sein.

Chaplin's Meisterwerk schlingert wie so viele seiner Filme zwischen großartiger Burleske und tiefem Pathos; am Schluss wendet er sich so gut wie direkt mit einer Rede ans Publikum, um klar seinen Standpunkt zu beziehen. Dass ein Künstler sein Handwerk und seine Kunstfertigkeit in den Dienst einer "Sache" stellt, mag nicht jedem gefallen, aber der Einfallsreichtum und der Witz dieses Meilensteins der Filmgeschichte kann nicht in Abrede gestellt werden, ebensowenig wie sein Wert als Zeitdokument. "The New York Times" schrieb zur Uraufführung: "Das wahrlich herausragende Werk eines wahrlich großen Künstlers und vielleicht der bedeutsamste Film, der je produziert wurde."

"The Great Dictator" wurde für fünf Oscars nominiert: Als "Bester Film", für Drehbuchautor Charles Chaplin", Hauptdarsteller Chaplin, Jack Oakie für seine großartige Mussolini-Parodie als Benzino Napaloni als "Bester Nebendarsteller" und für die Komponist Meredith Willson. 1997 nahm die US-Library of Congress den Streifen als "künstlerisch, historisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" ins National Film Registry auf, um es für die Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer ist begeistert: "Dieser Film ist mehr als exzellent. Charlie Chaplin schafft es, äußerst komisch und witzig zu sein und doch gleichzeitig mit seiner Satire eine starke Aussage gegen den Faschismus zu machen. Die Rede am Ende, in der er verschiedene Werte aufzählt, ist einer der großen Momente der Filmgeschichte. Ich hatte während des ganzen Films das Gefühl, dass hier eine höhere Einsicht jenseits des wahrhaft intelligenten Filmemachens am Werk war."



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