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Diamantenfieber - Sean Connery und Lana Wood
Diamantenfieber - Sean Connery und Lana Wood
© United Artists

TV-Tipp für Donnerstag (10.3.): Sean Connery ist wieder gesetzt

Vox zeigt "Diamantenfieber"

"Diamantenfieber", Vox, 22:30 Uhr
Die Untersuchung eines Diamantenschmuggels führt James Bond (Sean Connery) nach Las Vegas, wo er eine Verschwörung rund um einen reichen Geschäftsmann (Jimmy Dean) aufdeckt.

"On Her Majesty's Secret Service" von 1969 war ein guter 007-Film gewesen, aber es war klar: Der Australier und Sean Connery-Nachfolger George Lazenby zündete nicht. So wie zwei Jahrzehnte später das Publikum Timothy Dalton ablehnen sollte, war den Produzenten Albert Broccoli und Harry Saltzman klar, dass sich mit Lazenby keine Connery-mäßigen Sensationsergebnisse mehr erzielen lassen würden. Man ging nach nur einer Kooperation und dem gefühlten Misserfolg des gemeinsamen Werks getrennter Wege vor dem siebten Abenteuer "Diamonds Are Forever".

Als neuen James Bond erwogen die Produzenten bereits Roger Moore - der dann schließlich nach "Diamonds Are Forever" zum Zuge kommen sollte - und sogar schon Dalton. Doch schließlich entschied man sich für den Amerikaner John Gavin, der einen Vertrag unterschrieb. Das passte den Finanziers bei United Artists überhaupt nicht. Gavin war für sie genauso unattraktiv wie Lazenby. UA-Chef David Picker machte deutlich, wen er in der Rolle von James Bond sehen wollte: Sean Connery. Oder niemand.

Das Problem war, dass Connery nach fünf Filmen die Nase voll von 007 und geschworen hatte, diese Rolle nie wieder zu spielen. Picker aber war entschlossen, Connery zurückzuholen - koste es, was es wolle. Er reiste persönlich nach London, um mit dem Darsteller zu verhandeln. Sean konnte hoch pokern und tat das auch: Er handelte die unerhörte Gage von 1,25 Millionen Dollar und eine Gewinnbeteiligung von 12 Prozent heraus, was ihn zum damals bestbezahlten Schauspieler der Welt machte. Daneben würden United Artists ihm zwei Filme seiner Wahl finanzieren, bei denen er Regie führen oder mitspielen konnte.

Mit Sean Connery zurück in seiner Paraderolle konnten sich alle Beteiligten bereits vor Drehbeginn entspannt zurücklehnen - der Erfolg des britischen Thrillers war damit bereits gesichert. Dennoch mussten so lästige Pflichten wie das Schreiben eines Drehbuchs erledigt werden, und da tat sich Richard Maibaum, der bis dahin für fünf der sechs 007-Streifen die Skripts geliefert hatte, schwer bei der Adaption des gleichnamigen Romans von Ian Fleming aus dem Jahr 1956. Die Produzenten engagierten Tom Mankiewiecz, um sein Drehbuch zu überarbeiten.

Für die weibliche Hauptrolle waren Faye Dunaway, Raquel Welch und Jane Fonda im Gespräch, man entschied sich dann für die kurvenreiche und schlagfertige Jill St. John, die besser zu dem teilweise klamaukigen Tonfall des Werks passte.

Gedreht wurde für 7 Millionen Dollar in Amsterdam, Frankfurt am Main, Großbritannien, Frankreich und in den USA, hauptsächlich vor Ort in Las Vegas, wo man sogar im Hotel des zurückgezogen lebenden Geschäftsmanns Howard Hughes drehen durfte, der mit Broccoli befreundet war und als Figur Willard Whyte wenig bemäntelt im Film vorkommt.

Nicht nur die Rückkehr von Sean Connery, sondern auch von "Goldfinger"-Regisseur Guy Hamilton und Sängerin Shirley Bassey ließen darauf hoffen, dass die Ambition bestand, die Qualität von "Goldfinger" wieder zu erreichen. Doch davon ist "Diamonds Are Forever" meilenweit entfernt. Dank großartiger Stunts, witziger Dialoge und der Präsenz von Connery ist der Film recht unterhaltsam, aber es gibt kaum eine Szene, die im Gedächtnis bleibt, die unnötigte komplizierte Handlung ist uninteressant, und der klamaukige Tonfall nervt.

Doch die Rechnung von United Artists ging auf. Nicht zuletzt wegen Sean's Rückkehr wurde das Werk 1971 ein Riesenerfolg und spielte als dritterfolgreichster Film des Jahres weltweit 116 Millionen Dollar ein, was heute rund 750 Millionen Dollar entspräche. Von den Zuschauerzahlen platziert sich dieser siebte Bond bis heute in den Top Ten der insgesamt 25 Abenteuer. Aber selbst mit Connery konnten die Höhen von "Goldfinger" und "Thunderball" nicht mehr erreicht werden. Immerhin erhielt "Diamonds Are Forever" noch eine Oscar-Nominierung für den "Besten Ton".

Und Connery? Er brachte seine 1,25 Millionen Dollar in den Scottish International Education Trust ein, der bis heute besteht und schottische Künstler in ihrer Ausbildung mit jährlich 30 000 Pfund unterstützt. Von den zwei extra Filmen, die Sean sich aussuchen durfte, wurde einer realisiert: Gleich als nächstes drehte der Schotte den düsteren britischen Kriminalfilm "The Offence" ("Sein Leben in meiner Gewalt"), in dem er sich von seinem James Bond-Image so weit wie möglich entfernte. Der Film floppte. Das zweite Projekt, eine "Macbeth"-Adaption mit ausschließlich schottischen Schauspielern, wurde ad acta gelegt, nachdem Roman Polanski mit seiner Version zuvor gekommen war. Die James Bond-Rolle ging an Roger Moore; Connery wurde 1982 für die "Thunderball"-Neuverfilmung "Never Say Never Again" noch einmal rückfällig.

Eine Zuschauerin lobt: "Der Film ist kein 'Goldfinger', sondern wirkt im Stil eher wie die 'Batman'-Fernsehserie oder eine Variation von 'Die Zwei'. Und das ist gar nicht so schlecht! Dazu gibt es ausgefeilte Dialoge, und die sehr elegante Produktion sieht auch heute immer noch gut aus. Dieser Film ist ein Übergang von der ernsteren Connery-Ära in die lockere Moore-Phase - für sich genommen einer der unterhaltsamsten und vergnüglichsten Bonds."



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