oder
Das Comeback - Russell Crowe und Paul Giamatti
Das Comeback - Russell Crowe und Paul Giamatti
© Buena Vista

TV-Tipps für Sonntag (26.6.): Russell Crowe schlägt zu

Arte zeigt "Das Comeback"

Der Sonntagabend gehört in Sachen Spielfilm den Öffentlich-Rechtlichen: Arte zeigt im Hauptprogramm mit "Das Comeback" einen von Ron Howard's besten, aber nicht unbedingt bekanntesten Streifen. Zu Ehren des vor einer Woche verstorbenen Jean-Louis Trintignant strahlt die ARD im Spätprogramm "Liebe" von Michael Haneke aus.

"Das Comeback", Arte, 20:15 Uhr
Der Boxer James J. Braddock (Russell Crowe), dessen Karriere durch die Depressionszeit und persönliche Umstände bereits beendet scheint, versucht sich an einem Comeback.

Vier Jahre nach ihrem Triumph mit "A Beautiful Mind" fanden sich Produzent und Regisseur Ron Howard ("Solo: A Star Wars Story"), Drehbuchautor Akiva Goldsman ("The Dark Tower") und Hauptdarsteller Russell Crowe wieder zusammen, um dieses US-Drama zu drehen, das sich erneut um eine historische Person drehte. In diesem Fall den amerikanischen Boxer James J. Braddock, der 1935 in einem der unerwartetesten Siege der Boxgeschichte Weltmeister gegen den Schwergewichts-Champion Max Baer wurde und den Spitznamen "Cinderella Man" erhielt - auch der Originaltitel des Films.

Qualitativ gelang dem Team erneut ein Treffer: Die 88 Millionen Dollar teure Co-Produktion von Universal Pictures und Walt Disney Studios fängt Ort und Zeit der Handlung realistisch ein - wenn auch das kanadische Toronto für New York City einstand - und erzählt die starke Underdog-Geschichte ungeschminkt und mit herausragenden Darstellern. Das einzige echte Zugeständnis an eine dramatische Zuspitzung ist die dämonisierende Darstellung des von Craig Bierko verkörperten Braddock-Kontrahenten Max Baer, die mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat.

Doch trotz seiner Qualitäten und den guten Kritiken enttäuschte "Cinderella Man" 2005 kommerziell. Nach dem schwachen Start mit nur 18 Millionen Dollar am Premierenwochenende griff die Kinokette AMC Theatres sogar zur Marketing-Masche, in manchen Städten anzukündigen, dass jeder unzufriedene Zuschauer sein Geld zurück erstattet bekäme. Letztlich landete das Werk bei weltweit soliden 108 Millionen Dollar.

Auch im Gegensatz zu "A Beautiful Mind" blieb der große Oscar-Segen aus - aber es reichte für einige Nominierungen. Für den Academy Award waren Nebendarsteller Paul Giamatti, die Cutter und die Maskenbildner nominiert. Bei den Golden Globes lagen Hauptdarsteller Russell Crowe und Nebendarsteller Paul Giamatti im Rennen. Das Drehbuch von Akiva Goldsman und Cliff Hollingsworth erhielt eine Nominierung für den Britischen Filmpreis.

Kritikerin Karina Montgomery schrieb in "Cinerina": "Ich habe noch nie bei einem Sportereignis so mitgefiebert wie hier vor der Leinwand. Ich saß auf der Sesselkante, die Hände auf meinen Knien geballt und betend, dass James Braddock sich durchsetzen würde. Superb geschnitten, wunderschön gefilmt, gefühlvoll gespielt und mit phantastischer Körnung und Textur."



"Liebe", ARD, 23:35 Uhr
Die Liebe der über 80 Jahre alten Anne (Emmanuelle Riva) und Georges (Jean-Louis Trintignant), beide ehemalige Musiklehrer, wird auf eine harte Probe gestellt, als Anne einen Schlaganfall erleidet.

Mit "Amour" - so der Originaltitel - gelang es dem österreichischen Regisseur und Drehbuchautor Michael Haneke, nach neun Jahren den damals 81-jährigen Jean-Louis Trintignant wieder vor die Kamera zu locken. Als Spielpartnerin engagierte Haneke die drei Jahre ältere Emmanuelle Riva, die er ebenso wie Trintignant seit Jahrzehnten bewunderte. Ihre überragenden Leistungen und das unerschrockene Drehbuch sorgen in der Hauptsache für die ehrliche und Herz zerreißende Darstellung tiefer Liebe und Verantwortung.

Der Filmemacher bekam die Idee zu diesem französischen, für 7 Millionen Euro in den TSF-Filmstudios bei Paris gedrehten französischen Drama durch den Selbstmord seiner über 90 Jahre alten Tante, die allein zu Hause lebte, weil sie nicht in ein Altenheim wollte, und unter starken Schmerzen wegen Rheumatismus litt. Die Frage, "wie man mit dem Leiden eines geliebten Menschen umgeht", machte Michael zur zentralen Frage seines Werks.

Weltweit spielte "Amour" 2012 umgerechnet knapp 30 Millionen Dollar ein und wurde von der Kritik, von Künstlern und der Industrie gefeiert. Der Film gewann die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes, den Academy Award, den Golden Globe, den Britischen, den Dänischen, den Europäischen, den Französischen, den Italienischen, den Polnischen, den Schwedischen sowie den Spanischen Filmpreis als "Bester nicht englischsprachiger Film". Dazu war er bei den Academy Awards noch als "Bester Film", für Regisseur Michael Hanecke, sein Drehbuch und Hauptdarstellerin Emmanuelle Riva nominiert.

Kritiker Austin Trunick schrieb in "Under the Radar": "Eine brutal schwierige Seherfahrung, aber kein Film, den man vergessen möchte - oder kann."



Hier geht es zum kompletten TV-Programm


Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.