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Ned Kelly-Biopic mit Heath Ledger in Australien umstritten

Rebell oder bloß Pferdedieb?

Der legendäre australische Outlaw Ned Kelly wird in seinem Heimatland meist als Held der unterprivilegierten irischen Einwanderer des 19. Jahrhunderts mythisiert. Doch für einige Historiker ist er schlicht ein Pferdieb und Mörder...

Gregor Jordans Verfilmung von Kellys Leben, mit Heath Ledger in der Hauptrolle, hat die Diskussion über Kellys Bedeutung innerhalb Australiens Geschichte neu entfacht. Der Regisseur Jordan ist sich der Umstrittenheit seines Helden durchaus bewusst:"Dies ist ein Kerl, der bereits mythisiert wurde, als er noch gelebt hat. Welche Zeugenaussagen oder Versionen man sich anhört, hängt von der vorgefassten Meinung über ihn ab."
Heath Ledger gab Reuters Television gegenüber zu, zunächst voreingenommen gegen Kelly gewesen zu sein. Jedoch bewundere er die Leidenschaftlichkeit des Outlaws - "Ich wusste, dass ich mich daran festbeißen konnte."

Die historischen Fakten von Ned Kellys Leben als Outlaw:
Gemeinsam mit seinem Bruder Dan und den Freunden Joe Byrne und Steve Hart raubte er in den 1870ern Banken in New South Wales und Victoria aus. Dabei nahm er einige Male ganze Städte als Geisel. Seine Mutter wurde schließlich für eine (vermutlich) erfundene Geschichte über den Anschlag auf einen Polizisten verhaftet. Ob Ned damit zu tun hatte ist bis heute unklar - jedenfalls flohen er und Dan Kelly daraufhin in den Busch.
Ned Kellys "Showdown" mit der Polizei passierte 1880 in Glenrowan, Victoria. Seine Gang verteidigte sich in einer Art selbstgebastelten Ritterrüstung. Alle starben, bis auf Kelly. Er wurde gefangen genommen (nach über 20 Schüssen in Arme, Beine und Unterleib) und später gehängt - trotz einer Petition für seine Freiheit, mit 32.000 Unterschriften. Er starb mit 25 Jahren.

Für den australischen Historiker Ian Jones war Ned Kelly ein authentischer Held, der lediglich in einer Kette tragischer Ereignisse gefangen war. Weil Bürgern, die mit Kelly sympathisierten, der Kauf von Land verboten wurde, wurde Kelly Jones' Meinung nach plötzlich "verantwortlich für eine ganze Klasse von Menschen". Ausserdem sei Kelly ein "Outlaw Gentleman" gewesen - Ein Kavalier den Frauen gegenüber, bei Männern immer voll Respekt. Sogar die Geiseln von seinen Banküberfällen soll er mit rührenden Ansprachen über Ungerechtigkeit auf seine Seite gebracht haben.

Für Alex McDermott, ebenfalls Historiker, sieht der wirkliche Ned Kelly jedoch anders aus: "Dies ist ein Bursche, der völlig anders als in den Mythen aufgewachsen ist. Und dennoch - als er ein Outlaw wurde, war er fähig, die Rhetorik der Unterdrückung der Iren durch die Briten, den Mythos des edlen Outlaws von vergangenen Sträflingsverfolgungen, zu nutzen." Damit bezeiht sich McDermott auf den sogenannten "Jerilderie Letter" - eine Ansprache von Kelly an seine Gefangenen in Jerilderie, in dem er seine Taten verteidigte und eine Republik für Arme und Unterdrückte propagierte.

Die Erinnerung an Ned Kelly - egal wie man ihn und seine Taten einschätzt - ist in Australien auf jeden Fall noch sehr lebendig. Peter Carey erhielt 2001 den Booker Prize für sein Buch "The True History of the Kelly Gang". Bei den olympischen Spielen 2000 (in Sidney) verkleidete sich eine Performance-Gruppe als Kellys Gang und nahm das Publikum in der Arena (scheinbar) als Geisel.
Ian Jones erklärt die Langlebigkeit der Mythen um Ned Kelly mit der Verstädterung des modernen australischen Lebens:"Je urbaner Australien wird und je mehr wir uns von den alten [Siedlungs-]Grenzen entfernen, umso bemerkenswerter wird ein Mann wie Ned Kelly. Er repräsentierte eine erstaunliche Generation von jungen Männern und Frauen. Sie waren größer und stärker als ihre Eltern und die Herren des Landes."


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