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Elia Kazan ist tot

Regie-Legende wurde 94 Jahre alt

Elia Kazan, mehrfach ausgezeichneter Regisseur und Autor aus Hollywoods "goldenen Jahren", ist gestern in seinem Haus in Manhattan gestorben. Die Todesursache ist noch nicht bekannt. Er war 94 Jahre alt.

Vor vier Jahren erhielt der gebürtige Grieche den Oscar für sein Lebenswerk. Eine Auszeichnung, die von vielen als unangebracht kritisiert wurde – hatte Kazan doch während der McCarthy-Ära, 1952, acht Kollegen bewusst an die Kommunistenjäger verraten. Die meisten von ihnen mussten die USA verlassen. Den übrigen wurde die Arbeit beim Film unmöglich gemacht.
Kazan verteidigte seine Entscheidung später. Er behauptete, die Namen wären dem Komitee ohnehin schon bekannt gewesen, und überhaupt: "Es ist natürlich traurig, wenn man Leuten weh tun muss, aber ich verletze sie lieber ein wenig, anstatt mich viel mehr."

Der Verrat beschädigte auch die Freundschaft mit Arthur Miller, dessen Stück "Tod eines Handlungsreisenden" Kazan zu überragendem Erfolg auf der Bühne verhalf. Kazan hatte Miller vorher erzählt, dass er einige Personen denunzieren wird. Der ehemals gute Freund war geschockt. Eine Notiz zu Kazan aus Millers Tagebuch: "Er hätte mich genauso geopfert."

Geboren wurde Kazan als Elia Kazanjoglous, am 7. September 1909, im damaligen Konstantinopel in der Türkei. Sein Vater, ein griechischer Teppichhändler, brachte seine Familie vier Jahre später nach New York. Sie lebten zunächst in einer griechischen Siedlung in Harlem, später in der Vorstadt New Rochelle.

Zu Beginn seiner Karriere war Kazan Bühnenschauspieler. Mitte der 1930er wagte er sich erstmals an Regiearbeiten und hatte schließlich mit Thornton Wilders "The Skin of Our Teeth" 1942 seinen Durchbruch. Neben diesem und Arthur Miller arbeitete er auch mit dritten großen amerikanischen Dramatiker seiner Zeit: Von Tennessee Williams inszenierte er zuerst "Endstation Sehnsucht", 1947, später "Camino Real", "Die Katze auf dem heißen Blechdach" und "Süßer Vogel der Jugend". Williams lobte seine Scharfsichtigkeit bei der Inszenierung: "Er nähert sich einem Stück viel kritischer als jeder, den ich kenne; und so mache ich mehr Revisionen für ihn als für jeden anderen Regisseur".

Den meisten dürfte Kazan als Hollywoodregisseur bekannt sein: Seinen ersten Oscar für die beste Regie erhielt er 1948 ("Tabu der Gerechten"). "Die Faust im Nacken" (1954), mit Marlon Brando und Karl Malden wurde mit insgesamt sechs Academy Awards ausgezeichnet und erwies sich als erster Hollywoodfilm voll schonungsloser Sozialkritik wegweisend. Mit "Jenseits von Eden" (1955) trug Kazan auch zur Legendenbildung um James Dean bei.

In den 1950ern wurde der Regisseur und Schauspieler schließlich auch zum Bestseller-Autor, der zwei seiner Bücher zudem selbst verfilmte. "Sogar als kleiner Junge wollte ich drei oder vier Leben führen", sagte er einst.


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