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Die Liebe seines Lebens
Die Liebe seines Lebens
© Koch Media © Studiocanal

Kritik: Die Liebe seines Lebens (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Die Liebe seines Lebens" beruht auf der gleichnamigen Autobiographie von Eric Lomax, einem ehemaligen britischen Offizier und Opfer grauenvoller Kriegsverbrechen. Lomax starb 2012 im Alter von 93 Jahren, konnte dem Filmteam aber noch beratend zur Seite stehen. Der Film entstand nämlich bereits 2012, Ende 2013 feierte er seine Weltpremiere auf dem Filmfestival in Toronto. Erst jetzt, nach über anderthalb Jahren, startet der Film auch in den deutschen Kinos. Gedreht wurde das Drama u.a. in Edinburgh, Thailand und Ipswich. "Die Liebe seines Lebens" ist nicht der erste Film, der sich mit der sog. "Death Railway" - die ausschließlich von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen gebaut wurde - befasst. Der Klassiker "Die Brücke am Kwai" aus den 50er-Jahren sowie das Kriegs-Drama "Gefangen in der Hölle" (2001) mit Kiefer Sutherland widmeten sich bereits diesem tragischen Kapitel der Weltkriegsgeschichte.

"Die Liebe seines Lebens" ist ein über weite Strecken gelungenes, da herausragend gespieltes und fotografiertes Drama. Die beiden Hauptdarsteller Colin Firth und Nicole Kidman machen dabei wohl den größten Reiz des Films aus. In ihrem intensiven Zusammenspiel harmonieren Kidman und Firth prächtig, wobei die stärksten Szenen klar Firth gehören, der als gebeutelter, psychisch gebrochener Ex-Kriegsgefangener brilliert und wohl seine beste Darbietung seit seiner Oscar-gekrönten Leistung in "Kings Speech" liefert. Kidman steht hier zwar nicht selten im Schatten von Firth' einnehmender, enormer Leinwand-Präsenz, doch spielt sie ihre Rolle der hilf- und ahnungslosen Frau zu jeder Zeit glaubwürdig und geerdet.

Der Film springt ständig zwischen Vergangenheit und Film-Gegenwart (die 80er-Jahre), doch wird diese sprunghafte Inszenierung und Erzählstruktur geschickt durch ein optisches Element gelöst: während die Szenen und Ereignisse aus den 40er-Jahren in bestechenden, leuchtenden Farben gehalten sind, ist die Farbgebung der Gegenwarts-Szenen gedeckt und weniger kraftvoll. So vermeiden die Macher auch beim letzten Zuschauer Verwirrung und Unverständnis darüber, in welcher Zeitebene man sich gerade befindet. Die beiden größten Schwächen des Films sind seine bedeutungsschwangeren Dialoge, die nicht selten abseitig-pathetisch und allzu kitschig geraten sind. Zudem lässt sich der Film viel Zeit, bis er im zweiten Drittel mit hoher Geschwindigkeit dann auf seinen emotionalen Höhepunkt (die Konfrontation: Peiniger - Ex-Kriegsgefangener) zusteuert. Auch wenn der Film einige Längen aufweist und einem die knapp 90 Minuten bis zur alles entscheidenden Konfrontation bisweilen doppelt so lang vorkommen: die Szene der Begegnung am Ende ist an Spannung und Beklemmung kaum zu überbieten, neben den Darsteller-Leistungen zweifelsfrei der Höhepunkt des Films.

Und zuletzt überzeugen auch die wunderhübsch fotografierten, gekonnt in Szene gesetzten Landschafts- und Umgebungs-Bilder bzw. -Eindrücke Australiens und Schottlands. Dort entstanden weite Teile der Außenaufnahmen des Films.

Fazit: Größtenteils gelungenes Drama, das mit seinen intensiven Schauspieler-Darbietungen und dem bedrückend-beklemmenden Schluss-Akt überzeugt. Abzüge gibt es bei den schwülstigen Dialogen und der - vor allem in den ersten beiden Dritteln -langatmigen, behäbigen Inszenierung.





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