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Sausage Party - Es geht um die Wurst
Sausage Party - Es geht um die Wurst
© Sony Pictures

Kritik: Sausage Party - Es geht um die Wurst (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Wenn eine Animationskomödie nicht für Kinder gemacht ist, geht es darin mit großer Wahrscheinlichkeit versaut zu. Der amerikanische Schauspieler und Produzent Seth Rogen und sein langjähriger Freund und Produktionspartner Evan Goldberg hatten schon vor Jahren die Idee, dem geheimen Leben von Supermarktprodukten auf den Grund zu gehen. Worüber würde ein Wiener Würstchen im Regal mit dem benachbarten Hotdog-Brötchen wohl reden? Über Sex natürlich, und damit das jedem auf den ersten Blick einleuchtet, sind die Würstchen männlich und die Brötchen weiblich. Die beiden Produzenten, die das Drehbuch zusammen mit zwei weiteren Autoren verfassten, nutzen die Möglichkeit, mit den drastischen Worten und Taten der Animationsfiguren die sexuelle Prüderie der amerikanischen Gesellschaft quasi unter der Gürtellinie zu attackieren. Das mag für ein junges Publikum rund um die Volljährigkeit vielleicht auch hierzulande noch ganz lustig sein.

Aber älteren Semestern dürften die sexuellen Provokationen schon nach kurzer Zeit nicht mehr interessant in den Ohren klingen. Und wenn sie dann Ausschau nach weiteren lustigen Dingen halten, herrscht in den Supermarktregalen eine erstaunliche geistige Leere. Zwar dreht sich die eigentliche Geschichte gar nicht um Sex, sondern darum, dass die Lebensmittel und selbst das Klopapier keine Lust mehr haben, von den Menschen zerstückelt, benutzt und zerstört zu werden. Das aber ist eine ziemlich dumme Idee, aus der sich kein nennenswerter Spannungsbogen entwickeln kann. Im Grunde beschränkt sich der Film weitgehend darauf, Charaktere aus verschiedenen ethnischen Gruppen in den Ring zu schicken, einen Indianer, eine Mexikanerin, einen Juden, einen Araber – wohlgemerkt alle in Gestalt von Getränk oder Knabberzeug. Ein wenig wird dabei die jüdisch-arabische Feindschaft persifliert, oder es geht um lesbische Liebe. Am Rande kommen auch ein paar Menschen vor, aber wenn diese erkennen, dass die schönen Fertiggerichte oder Gemüse, die sie verspeisen, sprechen und gehen können, dann nur, weil sie gerade Drogen genommen haben. Was sich übrigens noch als einer der ergiebigeren komödiantischen Einfälle erweist.

Bei der visuellen Gestaltung wurde tief in den Farbtopf gegriffen. So passt der grelle Look perfekt zu diesem protzig-frechen Comedy-Patchwork, zu dem sich die einzelnen Gags summieren. Insgesamt bleibt festzustellen, dass die Autoren und ihre Regisseure Conrad Vernon und Greg Tiernan offenbar mit Lust filmischen Quatsch produzieren wollten, und dass ihnen das gelungen ist.

Fazit: Wer findet, dass ins amerikanische Komödiengenre noch viel mehr peinlich-provokanter Sexhumor hineinpasst, der ist hier im richtigen Film. Würstchen, die mit Brötchen kopulieren wollen, aber keine Lust haben, von Menschen verzehrt zu werden, führen durch eine deftige Animationskomödie, die sich das Etikett bekloppt redlich erarbeitet. Denn wenn in dem schrillen Sammelsurium halbgarer Einfälle mal ein hellerer Gedanke aufblitzt, bleibt das weitgehend folgenlos.





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