VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Sieben Minuten nach Mitternacht (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona ("The Impossible") hat ein ungewöhnliches Drama über einen Jungen, dessen Mutter im Sterben liegt, verfilmt. Es basiert auf der gleichnamigen Buchvorlage von Patrick Ness und verknüpft Fantasie und Realität engmaschig. Das Monster, das Conor O'Malley in der Not besucht, symbolisiert sowohl Angst und Gefahr, als auch die Hoffnung des Jungen, einen Weg aus dem Dunkel zu finden. Das Monster spricht mit ihm in Bildern und Gleichnissen über all die Gefühle, die er selbst verdrängt, fürchtet oder denen er sich nicht zu folgen traut.

Und Conor befindet sich in einer schrecklichen seelischen Notlage. Die Krebskrankheit der Mutter macht ihm mehr Angst, als er ertragen kann. Und dann ist da diese kühle, strenge Großmutter, zu der er gar keinen Bezug hat, und die ihn zu sich nehmen will. Sigourney Weaver spielt diese schwierige Rolle, die zwar reserviert und abweisend, aber keineswegs verständnislos ist, sehr eindrucksvoll. Das gleiche gilt für den jungen Hauptdarsteller, dem so oft Angst, Wut und Verzweiflung ins ernste Gesicht geschrieben sind. Der Vater kommt zwar zu Besuch, will den Jungen aber nicht zu sich nehmen. Merkwürdigerweise problematisiert die Geschichte dieses elterliche Versagen aber gar nicht. Die Welt, die hier gezeichnet wird, ist alles andere als perfekt. Ständig verzahnen sich das wirkliche Geschehen und die Geschichten, die das Monster erzählt, auf spannende Weise: Mal verwechselt der Junge selbst die Ebenen von Fantasie und Wirklichkeit und erschrickt dann über sich selbst, als er seinen Irrtum bemerkt. Mal lehren ihn die Geschichten des Monsters, dass es nicht immer ein Happy End gibt. Gerade der Verlauf dieser Geschichten, die einem Märchen widersprechen, verblüfft nicht nur Conor, sondern auch die Zuschauer.

Das animatronische Monster ist furchterregend, aber sanftmütig, was eine interessante Doppelnatur ergibt. Und darin ist es auch stets ein Spiegel von Conors eigenem Erleben. Spannend sind auch die zeichentrickartigen Animationen, mit denen die Geschichten des Monsters bebildert werden. So ernsthaft und ungewöhnlich der Trauerprozess dieses Kindes auch geschildert wird, auf die Tränendrüse drückt der Film dennoch kräftig. Das liegt am Thema selbst, das den Film auch nicht gerade für Kinder empfiehlt, und daran, dass Conor immer wieder zu seiner Mutter gehen muss, um diesen langen Abschied zu absolvieren.

Fazit: Das Drama, das der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona nach dem gleichnamigen Roman von Patrick Ness inszeniert hat, verzahnt die Fantasie eines Jungen auf spannende und ergreifende Weise mit seiner traurigen Realität. Weil seine Mutter im Sterben liegt, quält sich der Junge mit seinen Ängsten und Schuldgefühlen, die ihm in Gestalt eines wohlmeinenden Monsters begegnen. Der ungewöhnliche, oftmals überraschende Film bietet dennoch schwere Kost und kreist sehr intensiv um das aufwühlende Abschiednehmen.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.