VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Snowden
Snowden
© Universum Film © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Snowden (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Dass Edward Snowdens Geschichte der perfekte Stoff für einen Thriller ist, wird in keinem Moment so klar wie dem, als er mit seiner SD-Karte voller Beweismaterial die Ausgangskontrolle im NSA-Gebäude auf Hawaii passieren will. In diesem Augenblick ist der ernste Mann mit der Brille ein Spieler, der alles riskiert. Er weiß, wie seine Arbeitgeber mit Verrätern verfahren. Er weiß aber auch, dass sein Leben, selbst wenn er die Wachen überlistet, nie wieder das alte sein wird. Noch heute, drei Jahre nach seinen Enthüllungen der skandalösen NSA-Abhörpraxis, lebt der abtrünnige Geheimdienst-Computerspezialist in Moskau, weil er dort am sichersten vor dem Zugriff des amerikanischen Staates ist, der ihn als Kriminellen verfolgt. Regisseur Oliver Stone schöpft das Gänsehautpotenzial dieser wahren Geschichte voll aus, die auf der Basis eines Sachbuchs von Luke Harding und eines Romans des Snowden-Anwalts Anatoly Kucherena in chronologischen Schritten nacherzählt wird. Die Ereignisse in Hongkong im Jahr 2013 dienen dabei als Rahmenhandlung, die die häufigen Rückblenden verbindet.

Stone verhehlt seine Sicht der Dinge und wem seine Sympathien gehören, zu keiner Zeit. Oft genug triefen die Dialoge der Geheimdienstler vor Zynismus. Aber der anfangs naive Titelcharakter selbst wird deswegen nicht zur Lichtgestalt verklärt, im Gegenteil: Joseph Gordon-Levitt spielt ihn als unscheinbaren und dabei auch reichlich wankelmütigen Typen. Schon früh irritiert ihn die Machtfülle der CIA und die Praxis, sich über das Recht hinwegzusetzen. Er kündigt – und geht zur NSA, später sogar wieder zurück zur CIA, nur um noch mehr darunter zu leiden. Der Film unternimmt keinen Versuch, diese Ungereimtheiten zu erklären, sondern lässt sie Snowden sozusagen als unerschlossene psychische Gefilde.

Nicht Snowdens Skrupel, sondern die Praktiken von CIA und NSA lassen Stones Film zum Thriller mutieren. Private Mails und Telefonate, Chats in sozialen Netzwerken – nichts ist vor der NSA sicher. Eine so erhellende wie aufregende digitale Animation zeigt einen Globus mit einer wachsenden Zahl von bespitzelten Internetverbindungen, der sich in die Iris eines Auges verwandelt. Es ist das Auge der NSA, die ohne das Wissen und die Zustimmung angeblich mündiger Bürger alles und jeden kontrollieren kann. Besser hätte diese dramatische Whistleblower-Geschichte nicht erzählt werden können, die jeden Zuschauer zum Betroffenen macht und ihn nicht wirklich mit einem Happy End entlässt.

Fazit: Regisseur Oliver Stone verleiht Edward Snowdens Lehr- und Entwicklerjahren bei den Geheimdiensten CIA und NSA dramatische Spannung mit Gänsehautfaktor. Der hervorragende Spielfilm demonstriert plausibel und mit zuweilen zynischer Schärfe, warum Snowdens Entschluss, die Weltöffentlichkeit 2013 über die grenzenlose Abhörpraxis der Geheimdienste zu informieren, für die Demokratie im Kommunikationszeitalter so wichtig war.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.