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Kritik: Final Portrait (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur und Drehbuchautor Stanley Tucci reflektiert in seinem Drama natürlich den künstlerischen Schaffensprozess und fragt danach, wann ein Kunstwerk eigentlich fertig ist und jemals fertig sein kann. Aber er nimmt auch die interessante Perspektive des Modells ein: Wie ist es für einen Menschen, Teil eines künstlerischen Schaffensprozesses zu sein? Wie viel Einfluss, wie viel Mitsprache hat derjenige beim Entstehen des Kunstwerks? Und in diesem speziellen Fall: Wie ist es, wenn man als Modell nicht nur Gegenstand im Schaffensprozess wird, sondern ein Akteur im Leben des Künstlers selbst?

Armie Hammer spielt die Rolle des Modells klug, weil zurückhaltend: James Lord kann seinem Freund keinen Gefallen abschlagen, nichtsdestotrotz spürt er das Auszehrende eines nicht enden wollenden Schaffensprozesses, ist hin- und hergerissen zwischen dem Stolz, Part im Entstehen eines möglicherweise meisterhaften Werkes zu sein, und dem Bewusstsein, dass er zum Spielball der Launen seines von Geoffrey Rush launig gespielten "Gastgebers" geworden ist oder werden könnte.

Tucci bleicht seine Bilder im Grau des Ateliers aus und setzt die Farben außerhalb des schäbigen Hinterhofs, in dem Giacometti arbeitet und lebt, ein. Das Leben, so scheint es, pulsiert woanders. Und so flüchtet der erratische Giacometti oft mit Lord zu Spaziergängen, um über das Leben und die Kunst zu sinnieren, oder jeden Abend in die Gesellschaft seiner Geliebten, der Prostituierten Caroline, die für ihn seine Muse geworden ist, auch wenn der Zuschauer sie eher als ihn ausnutzende Person wahrnimmt. "Ich hätte zehnmal so viel für sie bezahlt, so viel hat sie mir gegeben", erklärt Giacometti an einer Stelle, als er ihren Zuhältern eine Unsumme überreicht hat, um sich für ein weiteres halbes Jahr ihre Gesellschaft zu erkaufen. Das Kunstwerk ist eines im Auge des Betrachters.

Der im Paris des Jahres 1964 spielende und in London gedrehte "Final Portrait" erzählt amüsant und teilweise berührend von einem Künstlerleben, einer Freundschaft und 18 Tagen der letzten Begegnung zwischen Lord und Giacometti, der 1966 verstarb. Tucci versucht der Monotomie und der Statik des Modellsitzens auch dadurch zu begegnen, dass er das Tempo zum Schluss in einer Collage rafft. Wie bei so vielen Biographien endet der Streifen dann ohne besonderen Höhepunkt, hört einfach auf und wird durch die erzählende Stimme Lords, die neben den Textafeln, welche die einzelnen Tage anzeigen, als Klammer dient, abgebunden.

Fazit: Ein teilweise amüsantes und anrührendes Drama, das sich mehr auf die Schauspielkunst als auf eine packende oder erkenntnisreichende Geschichte verlässt.





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