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Schweinskopf al dente
Schweinskopf al dente
© Constantin Film

Kritik: Schweinskopf al dente (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die beiden Krimikomödien "Dampfnudelblues" und "Winterkartoffelknödel" nach den gleichnamigen Romanen von Rita Falk lockten jeweils über 500.000 Besucher in die bayerischen Kinos. Ihr Regisseur Ed Herzog legt also nach, und auch bei "Schweinskopf al dente" dient die Krimihandlung eigentlich wieder nur als Vorwand, um all die verschiedenen Originale in der bayerischen Provinz lustig aufeinanderprallen zu lassen. Für den Dorfpolizisten Franz Eberhofer gibt es nichts Wichtigeres als die herrlichen Gerichte seiner Oma, mit der er samt Vater in familiärer Wohngemeinschaft lebt. Selbst wenn der Eberhofer im Dienst ist, befindet er sich im heimischen Umfeld und wird dort eher als "der Bub" oder als der Kneipenfreund vom Metzger Simmerl (Stephan Zinner) und dem "Heizungspfuscher" Flötzinger (Daniel Christensen) wahrgenommen.

Man durfte gespannt sein, ob es auch diesem dritten Film gelingt, die Charaktere witzig und dennoch realitätsnah erscheinen zu lassen. Es gelingt, und zwar fast noch besser als in den Vorgängerfilmen. Das ist wohl hauptsächlich das Verdienst des neu an Bord gekommenen Drehbuchautors Stefan Betz ("Grenzverkehr"), denn die Buchvorlage zeigt rein sprachlich schon deutliche Ermüdungserscheinungen. Hier findet eine filmische Veredelung statt, mit herrlichem komödiantischem Timing und einem eingespielten Darstellerteam. Sebastian Bezzel muss statt eines verbalen Kommentars oft nur missmutig dreinschauen, um das Publikum zum Lachen zu bringen, etwa wenn von einem Wellness-Wochenende die Rede ist.

Viel Raum erhalten diesmal die Nebenfiguren, etwa der Flötzinger, oder eben der Moratschek mit dem Kiffer-Papa. Schon allein dass der Polizist Franz unter einem Dach mit einem Drogenkonsumenten lebt, der väterliche Autorität genießt, zeigt aufs Wunderbarste, wie anarchisch-bunt das wahre Leben ist und wie sehr es Korrektheit als bürokratische Utopie entlarvt. Mit kabarettistischer Lust wird zum Beispiel auch geschildert, wie die Polizisten einer Provinzinspektion vor ihrem eitlen Chef kuschen, den sie als unvermeidliches Übel auffassen. Die Inszenierung setzt auf eine abwechslungsreiche Mischung, in denen von der sparsamen Oma bis zum Pilzesucher, der den Küstner im Wald trifft, die verschiedensten Mentalitäten kurz und knapp ihre Spleens aufblühen lassen können. In solcher Situationskomik wird auch immer die durchaus vorhandene Fähigkeit der Provinzler zur Selbstironie zutage gefördert.

Fazit: In seinem dritten Kinoauftritt bekommt es der bayerische Dorfpolizist Franz Eberhofer aus der Romanreihe von Rita Falk mit einem rachsüchtigen Psychopathen zu tun, aber erneut spielen die witzigen Komplikationen in seinem Privatleben den Kriminalfall glatt an die Wand. Das Drehbuch von Stefan Betz und die Regie von Ed Herzog lassen die bewährte Darstellerriege in dieser köstlichen Provinzkomödie mit ihren tendenziell inkompatiblen Charakteren zur Hochform auflaufen.





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