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Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen
Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen
© 20th Century Fox

Kritik: Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Hidden Figures" erzählt die wahre Geschichte einer Gruppe von Frauen, die über viele Jahre im Geheimen und regelrecht "hidden", also versteckt, arbeitete. Die Namen der großen Astronauten jener Tage, John Glenn oder Neil Armstrong, kennt fast jeder. Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson hingegen – die drei Frauen, von denen "Hidden Figures" handelt – hingegen fast niemand. Das will der Film von Theodore Melfi nun ändern. Melfi feierte vor zwei Jahren mit der Komödie "St. Vincent" seinen Durchbruch. Sein neuer Film beruht auf dem gleichnamigen Roman der Afroamerikanerin Margot Lee Shetterly. "Hidden Figures" ist bei den kommenden Academy Awards für drei Oscars nominiert, u.a. als "Bester Film".

Längst überflüssig ist es, mit "Hidden Figures" einige der wichtigsten Personen im Hintergrund der amerikanischen Raumfahrt-Programme jener Ära (Mercury, Apollo), zu zeigen. Und mit dieser wahren Geschichte zu verdeutlichen, wie verbreitet Ressentiments und Aggressionen gegen die schwarze Bevölkerung auch in den obersten Etagen der führenden US-Behörden, waren. "Hidden Figures" ist zugleich Rassen-Drama als auch das berührende, aber nie zu rührselige Porträt dreier starker Frauen. Diese stehen hier stellvertretend für eine noch weitaus größere Zahl an farbigen, intelligenten Frauen, von denen die NASA ab den 40er-Jahren – als ein Großteil der für diese Jobs in Frage kommenden Männer im Krieg gefallen waren – extrem profitierte.

Auch wenn die Grenze zum Pathos und typischen US-Patriotismus durch die ein oder anderen kitschigen, ausgelutschten Dialoge und Äußerungen ("Wir erreichen unser ziel gemeinsam oder gar nicht") oft bedenklich nahe rückt: als Zuschauer kann man sich diesen drei selbstsicheren, lebensbejahenden und sich ihrer Stärken bewussten Frauen nur schwer entziehen. Diese werden von Taraji P. Henson, Octavia Spencer und Janelle Monáe leidenschaftlich und hingebungsvoll verkörpert. Vor allem Taraji P. Henson als herausragend talentierte Katherine, überzeugt. Katherine ist der hellste Kopf von allen, bekommt aber zu Beginn ihrer NASA-Karriere die Willkür der Gesetze ebenso brutal zu spüren wie die anderen Frauen: in Form von Demütigungen, Beschimpfungen und fehlendem Respekt.

Sätze wie "Frauen sind für so etwas nicht vorgesehen" bekommen sie praktisch täglich an den Kopf geworfen und ihre Notdurft müssen sie in der für die farbigen Frauen vorgesehenen, zwei Kilometer entfernen Toiletten, verrichten. Ihre Forschungen betreiben die afroamerikanischen Wissenschaftlerinnern zudem abgeschottet von den Weißen. Dennoch beißen sie auf die Zähne und kämpfen für ihre Recht, wie ein menschliches Wesen behandelt zu werden – mit Erfolg. Obwohl Thematik und Handlung etwas anderes vermuten lassen, gelingt es Melfi, "Hidden Figures" dabei immer wieder auch als Feel-Good-Movie anzulegen. Humor, Sarkasmus und beißende Ironie kommen nie zu kurz, vor allem dann nicht, wenn die Unterdrückten mit schwarzhumorigen Äußerungen den Wahnsinn um sie herum kommentieren – und damit die bierernsten, zugeknöpften, weißen NASA-Mitarbeiter der Lächerlichkeit preisgeben.

Fazit: Großartig gespieltes Drama über vergessene Heldinnen der US-Raumfahrt, das mit seinem frechen Humor und den bissigen Kommentaren, immer wieder auch als Feel-Good-Movie mit ernster Thematik, durchgeht.





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