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Patriots Day
Patriots Day
© Lionsgate Films

US-Filmstarts: Mark Wahlberg überzeugt am "Patriots Day"

"Hidden Figures" muss sechs Neustarts abwehren

Die Redensart besagt: "Meister werden ist nicht schwer, Meister werden dagegen sehr." Umgekehrt scheint es sich beim aktuellen Spitzenreiter der US-Kinocharts, dem Drama "Hidden Figures", zu verhalten. Mit einem winzigen Vorsprung konnte die 20th Century Fox-Produktion über die wahre Geschichte dreier afro-amerikanischer Mathematikerinnen, die Anfang der Sechziger das bemannte Weltraumprogramm der NASA ermöglichten, am vergangenen Wochenende "Rogue One: A Star Wars Story" so gerade eben vom Kinokassenthron stoßen. Das kommende lange Wochenende mit dem Martin Luther King Day am 16. Januar scheint dagegen laut der Analysten eine relativ sicherere Sache für den Octavia Spencer-Streifen zu werden - und das, obwohl gleich sechs Produktionen neu starten oder landesweit ausgeweitet werden.

Der härteste Konkurrent dürfte "Patriots Day" werden, für den 16 bis 18 Millionen Dollar vorausgesagt werden. Zum dritten Mal nach "Lone Survivor" und "Deepwater Horizon" haben Regisseur und Drehbuchautor Peter Berg und Hauptdarsteller Mark Wahlberg hier eine wahre Begebenheit verfilmt, in diesem Fall die Anschläge auf den Boston Marathon 2013 durch zwei tschetschenische Immigranten. Das Drama zeigt detailliert die Suche der Polizei, der Bundespolizei FBI und der Geheimdienste nach den Attentätern und umgibt Wahlberg mit einem starken Ensemble aus Michelle Monaghan, J.K. Simmons, John Goodman und Kevin Bacon. Das 45 Millionen Dollar teure Lionsgate-Werk ist seit Weihnachten auf einigen wenigen Leinwänden gezeigt worden und expandiert jetzt in 3120 Filmtheater. Auch wenn die Kritiken und die ersten Zuschauerreaktionen positiv sind, deutet nach den bisherigen drei Wochen wenig darauf hin, dass die Besucher in Massen dem "Patriots Day" beiwohnen werden. Platz zwei scheint eine sichere Voraussage.

Es geht das Gerücht, dass "Monster Trucks" auf den Wunsch des neunjährigen Sohns eines Paramount-Managers zurückgeht, einen Film über ein von einem Monster beherrschten Truck sehen zu wollen. Sollte das der Fall sein, dann sollten diejenigen, die auf den Kleinen gehört haben, langen Stubenarrest verordnet bekommen. Paramount haben bereits eine 115 Millionen Dollar-Abschreibung auf diese Produktion vorgenommen; niemand im Studio glaubt mehr daran, dass die 125 Millionen Dollar teure Katastrophe auch nur einen Cent verdienen wird. Und auch die Eltern von Heranwachsenden werden die Warnzeichen zu deuten wissen: Ursprünglich sollte der schon 2014 gedrehte Abenteuerfilm - eine Mischung aus Animation und Realfilm - im Mai 2015 in die Säle kommen, wurde dann aber immer wieder verschoben. Besieht man sich die schlechten Kritiken, wird klar, warum.

Doch ein paar Millionen Dollar möchten Paramount doch noch aus diesem filmischen Totalschaden ziehen, den sich eigentlich nur Jungen, deren Alter noch von keiner zweistelligen Zahl angegeben wird, ansehen können. Und so kommt der von Chris Wedge ("Epic") inszenierte Streifen mit Lucas Till in immerhin 3119 Spielorte, lediglich einer weniger als "Patriots Day". Doch Branchenkenner glauben, dass das Millionenergebnis ebenfalls nur einstellig wird und prophezeien 7 Millionen Dollar zum Start.

Ben Affleck's Bilanz als Regisseur ist bislang überragend: "Gone Baby Gone", "The Town" und "Argo" sind alles sehenswerte Werke, Letzterer sogar Oscar-Sieger. Doch jede gute Serie geht irgendwann mal zu Ende, und mit seinem vierten Film "Live by Night" hat sich der Filmemacher den Rezensenten zufolge seinen ersten Fehltritt geleistet. Der Kriminalfilm, der auf einem Roman von Denis Lehane aus dem Jahr 2012 beruht, welcher schon die Vorlage zu "Gone Baby Gone" geliefert hatte, ist schön anzusehen, aber die vorausschaubare Geschichte um Gangster aus Boston, die im sonnigen Florida während der Prohibition Alkohol schmuggeln, lockt wenige hinter dem Ofen hervor. Was sich auch an den mageren Umsätzen der letzten Wochen ablesen lässt, denn wie "Patriots Day" ist die Warner Brothers Pictures-Produktion bereits seit Weihnachten mit wenigen Kopien im Einsatz gewesen. 65 Millionen Dollar standen Affleck zur Verfügung, der sich selbst in der Hauptrolle in Szene gesetzt und mit Sienna Miller, Elle Fanning, Zoe Saldana, Chris Cooper und Brendan Gleeson umgeben hat. Analysten sagen ein "Monster Truck"-mäßig schlechtes Startergebnis von 7 bis 8 Millionen Dollar voraus.

Noch weniger, nämlich bloß 5 Millionen Dollar, werden "The Bye Bye Man" zugetraut, der von der Kritik als "Dilettantenstadl" verrissen worden ist. Der Horrorfilm, der von einem Geist handelt, der das Schlechteste im Menschen hervorkehrt, ist allein wegen des Mitwirkens von Faye Dunaway und Carrie-Anne Moss bemerkenswert. Die Handlung basiert auf der Kurzgeschichte "The Bridge to Body Island" von Robert Damon Schneck aus dem Jahr 2005. STX Entertainement, die zuletzt die Horrorfilme "The Boy" und "The Forrest" als Achtungserfolge in den Filmtheatern veröffentlichten, könnten mit diesem Steifen, dessen Mundpropaganda abgrundtief schlecht ist und der in den Sozialen Medien keine Rolle spielt, an ihre Rentabilitätsgrenzen kommen, selbst wenn Regisseurin Stacy Title ("The Last Supper") hier nur 7 Millionen Dollar versenkt hat. 2220 Spielstätten haben "The Bye Bye Man" im Programm.

Gar nicht erst der Presse gezeigt worden ist "Sleepless". Selten ein gutes Zeichen. Die ersten Reaktionen von Zuschauern, die den Kriminalfilm mit Jamie Foxx und Michelle Monaghan bereits sehen konnten, fallen jedenfalls schon mal nicht gut aus. Der schweizerische Regisseur Baran bo Odar ("Who Am I?") legt hier die Neuverfilmung des französischen Films "Nuit Blanche" von 2011 vor. Open Road Films haben für das Werk um einen korrupten Polizisten, der nach seinem entführten Sohn sucht, 1803 Lichtspielhäuser gebucht. Auch hier sehen Branchenkenner nur 5 bis 6 Millionen Dollar Umsatz an den ersten drei Tagen für den 30 Millionen Dollar teuren Streifen voraus, der wenig Werbung durch seinen Verleiher erhalten hat.

Und schließlich, wenn auch nach dem Weihnachtsstart auf immer noch nur moderate 747 Kinos erweitert, ist noch "Silence" erwähnenswert. Martin Scorsese ("The Wolf of Wall Street") hat als Regisseur und Drehbuchautor den gleichnamigen Roman des Japaners Shūsaku Endō aus dem Jahr 1966 adaptiert. Bereits seit Anfang der Neunziger hat der Filmemacher dieses Projekt realisieren wollen. Nun haben ihm Paramount Pictures für 40 Millonen Dollar die Gelegenheit gegeben. Das Drama ist laut der Kritiker und der ersten Zuschauer ein gelungenes, aber auch sperriges Werk, das nicht weiter von den grellen Exzessen von "The Wolf of Wall Street" entfernt sein könnte. Andrew Garfield und Adam Driver spielen zwei katholische Mönche aus Portugal, die in Japan missionieren und ihren angeblich abtrünnig gewordenen Mentor (Liam Neeson) finden wollen. Aufgrund der geringen Kopienzahl und der begrenzten Massentauglichkeit sollten nicht mehr als 2 bis 3 Millionen Dollar für "Silence" drin sein, was nicht für die Top Ten reichen würde.



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