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Atomic Blonde
Atomic Blonde
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Atomic Blonde (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Basierend auf der Graphic Novel "The Coldest City", inszenierte Regisseur David Leitch mit "Atomic Blonde" einen Agenten-Actioner am Vorabend des Zusammenbruchs des Eisernen Vorhangs. Für Leitch ist es der zweite Kinofilm, nachdem er gleich mit seinem Regie-Debüt, "John Wick" (2014), einen Überraschungshit landen konnte. Zuvor war der Amerikaner viele Jahre als Stuntman aktiv, unter anderem in Produktionen wie "Fight Club", "Daredevil" oder "Van Helsing". "Atomic Blonde" wurde Ende 2015 in Budapest und Berlin inszeniert. Für eine hochkarätig besetzte Blockbuster-Produktion (neben Theron und McAvoy sind neben anderen noch John Goodman, Toby Jones und James Faulkner dabei), war der Film vergleichsweise "günstig" - das Budget betrug rund 30 Millionen Dollar.

Die Action-Handschrift von David Leitch ist hier immer wieder klar zu erkennen. Wie in "John Wick" kreiert er raffinierte (Nah-)Kampfszenen, rasant und spektakulär choreografiert: Mal in Innenhöfen, mal im Inneren eines Autos, in Hotelzimmern oder auf der Straße. Dabei arbeitet Leitch häufig mit wenigen Schnitten, was sich gerade bei einer Szene sehr gut macht - einer minutenlangen, straff inszenierten Action-Schleife ohne Atempause, in der so ziemlich alles an Küchengerätschaften eingesetzt wird, was den Kämpfenden zwischen die Finger kommt – natürlich Waffen inklusive.

Im Film sind Könner am Werk: Top-Spione und perfekt ausgebildete Agenten, die auch dann noch weiter kämpfen, wenn der eigene Körper bereits blutüberströmt und das Gesicht arg lädiert ist. Das macht auch jene beschriebene Szene deutlich. Zwar reicht kein weiterer Action-Moment im Film in Sachen Dringlichkeit und Intensität an diese meisterhafte Action-Einlage heran, dennoch enttäuschen die übrigen Kampfszenen nicht. Auch dank der guten Figur, die Theron als durchtrainierte, enorm biegsame und rattenscharfe Top-Agentin macht – gehüllt in lederne Boots, Strapse und edle Abendrobe. Für die männlichen Zuschauer gibt’s obendrein noch Anspielungen auf "Basic Instinct" sowie die obligatorische Lesben-Erotik.

Apropos Klischee: Da die Handlung in den 80er-Jahren angesiedelt ist, sind im Laufe des Films natürlich immer wieder auch bekannte Pop-Songs jener Dekade zu hören. Wieso es sich bei einigen aber um derart ausgelutschte Titel wie "99 Luftballons" und "Major Tom" handeln muss, bleibt ein Rätsel. Zu häufig waren viele bereits in anderen Filmen und Serien zu hören. Immerhin fangen einige Lieder mit ihrer düsteren New-Wave-Grundstimmung und den bedrohlichen Synthie-Sounds das Lebensgefühl in der geteilten Stadt während der 80er-Jahre gut ein. Darunter die Elektro-Pop-Klassiker "Blue Monday" (im Original von New Order) und "Behind the Wheel" von Depeche Mode. Fröhliche, bunte NDW-Hits passen da eher weniger. Ein weiteres Trostpflaster: Original-TV-Berichte und O-Töne bekannter Politiker vermitteln ein Gefühl von Authentizität und erschaffen einen wahrhaftigen Rahmen um die fiktive Handlung.

Schade ist, dass der Plot inhaltlich ein wenig überfrachtet ist und man bei der Vielzahl an agierenden, involvierten Agenten irgendwann den Überblick verliert. Wer am Ende auf welcher Seite steht und ob es sich bei dem ein oder anderen Protagonisten (überspitzt formuliert) um einen Doppel-, Drei- oder Vierfachagenten handelt, ist irgendwann nur noch schwer zu durchschauen.

Fazit: Tolle, eindringliche Action-Momente, die ebenso verführerische wie kampferprobte Hauptdarstellerin und authentische Zeitdokumente in Bild und Ton machen aus "Atomic Blonde" einen kurzweiligen, soliden Action-Blockbuster. Abzüge gibt's bei der schlampigen musikalischen Untermalung und aufgrund der Entscheidung, ein Übermaß an Agenten auflaufen zu lassen.





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