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Kritik: Die Frau im Mond (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die französische Regisseurin Nicole Garcia hat ein wunderschönes Liebesdrama inszeniert, das auf dem gleichnamigen Roman von Milena Agus basiert. Obwohl es von der mal verzehrenden, mal beflügelnden Kraft der Sehnsucht handelt, wirkt es erstaunlich kitschfrei und über einen langen Zeitraum auch von einem guten Gespür für Realismus geerdet. Dafür sorgt das spannende Dreieck der Hauptcharaktere und ein Erzählstil, der den individuellen Entfaltungsspielraum der Figuren relativ eng fasst. Das Augenmerk der Inszenierung gilt nämlich auch der gestalterischen Funktion, die dem jeweiligen Umfeld zukommt. Die Handlung überrascht gegen Ende mit einer unvorhersehbaren und dramaturgisch recht problematischen Wendung, die ihrerseits aber wiederum ansprechend aufgelöst wird. So erwartet die Zuschauer an der Seite Gabrielles insgesamt eine aufregende Entdeckungsfahrt in die vielschichtigen Gefilde der Liebe.

Die Geschichte umfasst 17 Jahre und ist in mehrere, gleichermaßen spannende Abschnitte mit gelungener Milieuzeichnung unterteilt. Zuerst geht es um Gabrielles seelische Not daheim auf dem Land, in einer Zeit, in der Frauen keine großen Sprünge machen durften. Mit ihrem sexuellen Verlangen, ihrem sinnlichen Feuer wirkt Gabrielle wie eine Getriebene, gar psychisch Gestörte, die sich nicht im Griff hat. Dann folgt die erste Zeit der Ehe mit José, einem einfachen, wortkargen Mann, der ihr einen gewissen Halt gibt. Aber erst der Aufenthalt im Sanatorium lässt Gabrielle aufblühen: Hier ist sie in einer mondänen Umgebung und lernt den künstlerisch begabten Mann kennen, der ihrer Wesensart viel mehr entspricht als José. Auf einmal wirkt Gabrielle gar nicht mehr sonderbar. Man kann sich kaum sattsehen an den geheimnisvollen Figuren, die sich nach Nähe sehnen und auch so neugierig darauf sind, was sie in der Beziehung zueinander über das Leben erfahren werden.

In der Rolle der Gabrielle kann sich Marion Cotillards überragendes schauspielerisches Talent voll entfalten. Die Kamera verliebt sich direkt in diese schöne Frau, forscht in ihrem Profil, führt mit ihr einen intuitiven Dialog. Die Menschen in Gabrielles Umfeld werden nur kurz und knapp, aber prägnant und authentisch porträtiert. Gerade diese oft flüchtige, sich auf enge Ausschnitte beschränkende Erzählweise bildet einen spannenden Kontrast zur emotionalen Handlung. Gabrielles Liebestraum ist absolut und kompromisslos, gleicht aber dennoch einer Suche mit Augenbinde, die erst vom Kurs abweichen muss, um ans Ziel zu kommen.

Fazit: Marion Cotillards Schauspiel entfaltet in diesem bezaubernden Liebesdrama von Nicole Garcia eine beglückende Kraft. Ihr Charakter einer Frau, die zu leidenschaftlich für die 1950er Jahre zu sein scheint, gibt der sowohl romantisch, als auch nüchtern erzählten Geschichte eine geheimnisvolle Spannung. Zwei interessante Männerfiguren und eine gelungene Milieuzeichnung vertiefen den Genuss dieser aufregenden Expedition in die Gefilde des Herzens.





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