VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Nerve (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das Online-Spiel, auf das sich die Schülerin Vee einlässt, klingt wie ein wahr gewordener Tagtraum: Jeder ihrer Schritte kann von anderen Leuten auf dem Smartphone beobachtet werden und wenn sie sich geschickt anstellt und Mut beweist, wird sie beliebt, berühmt und reich. Doch dieser Traum hat seine Schattenseite, die Vee und ihre beste Freundin in Lebensgefahr bringt. Der Thriller verknüpft actionreiche Abenteuer mit einem kritischen Blick auf die sozialen Medien und ihre noch viel zu wenig reflektierte Nutzung. Die Geschichte basiert auf dem Roman "Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen" von Jeanne Ryan und wird von den Regisseuren Henry Joost und Ariel Schulman temporeich, spannungsgeladen und mit viel Sinn für jugendliches Lebensgefühl und für zeitgemäße visuelle Gestaltung inszeniert.

Zuerst werden die Interessenten von "Nerve" gefragt, ob sie Spieler oder Zuschauer sein wollen. Die bislang zurückhaltende Vee klickt das Türchen zu einer neuen Identität als Internet-Prinzessin an. Das mysteriöse Spiel beschert ihr auch den passenden Prinzen und ein glitzerndes grünes Kleid. Die realen Mutproben steigern sich bis zu gelegentlicher Unglaubwürdigkeit - etwa bei einer Motorradfahrt, bei der Ians Augen verdeckt sind und Vee ihn als Beifahrerin leiten muss. Die Handlung entwickelt eine vage Ähnlichkeit mit den Arena-Kämpfen aus der "Tribute von Panem"-Reihe, nur dass die Spieler hier nicht in der Macht einer totalitären Regierung, sondern unsichtbarer Zuschauer sind. So wirft das Geschehen die spannende Frage auf, wie weit man gehen würde, um sich die öffentliche Beliebtheit zu sichern. Und wie sich die Kontrolle über Internet-Phänomene gewinnen lässt, die sich unheilvoll verselbstständigen. Wenn Vee und Ian auf Schritt und Tritt beobachtet werden, hat das zwar in puncto Öffentlichkeit noch eine leichte Sci-Fi-Note, spielt aber natürlich auch auf die Allgegenwart von NSA oder von behördlichen Videokameras an.

Der Film zeigt das pulsierende New York in vielen Facetten, von einem tristen Wohnblock auf Staten Island bis zur Park Avenue in Manhattan. Etliche Szenen spielen nachts und zwischen den Lichtern der Wolkenkratzer werden dann zuweilen die Positionen der Spieler markiert. Die kreative Kombination von digitaler Grafik und realer Welt erinnert auch an den deutschen Horrorfilm "Unfriend", denn wie dort wird die Social-Media-Kommunikation oft ins Bild integriert. Die visuelle Gestaltung fällt ausgesprochen reizvoll aus, aber auch das Spiel von Emma Roberts, Dave Franco und dem Tommy-Darsteller Miles Heizer fesselt die Aufmerksamkeit.

Fazit: Die auf ein jugendliches Publikum zugeschnittene Romanverfilmung bezieht ihre Thriller-Spannung nicht nur aus Actioneinlagen und einem Schuss Romantik, sondern auch aus dem dynamischen Geschehen in sozialen Medien. Dabei widmet sich die temporeiche und visuell einfallsreiche Inszenierung mit philosophischer Neugier dem verführerischen Reiz einer Online-Öffentlichkeit, die totalitäre Züge annehmen kann.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.