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Kritik: Du neben mir (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Oft sind Teenager-Romanzen im Film von der Gefahr des Todes überschattet. Da leiden zum Beispiel zwei junge Menschen an Krebs – wie in "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" - oder ein Junge vom Mars besucht seine Freundin auf der Erde, kann dort aber nicht leben – wie in "Den Sternen so nah". Die kühne Rebellion eines solchen Paares gegen den Lauf der Dinge sorgt zuverlässig für eine Extraportion Herzschmerz. Auch in dieser Verfilmung des Romans "Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt" von Nicola Yoon befindet sich die Liebe scheinbar auf tragischem Kurs. Denn in der ersehnten Begegnung mit ihrem Nachbarn Olly lauert für die immungeschwächte Maddy die Gefahr einer tödlicher Erkrankung. Die Regisseurin Stella Meghie setzt jedoch auf eine weitgehend keimfreie, schwelgerische Atmosphäre schöner Bilder.

Obwohl Maddy vollkommen isoliert und ohne Aussicht auf Veränderung dieses Zustands lebt, wirkt sie wie ein ganz normaler Teenager. Sie ist neugierig und fröhlich, der Lichtblick im Leben ihrer Mutter, die Mann und Sohn verlor, als Maddy noch sehr klein war. Die jugendliche Frische Maddys bestimmt weitgehend den Tonfall der Geschichte. Diese kann auch ausgesprochen witzig werden, wenn die beiden jungen Nachbarn am Fenster stehen und sich pantomimisch unterhalten. Oder wenn sie sich, während sie chatten, in Gedanken eine echte Begegnung ausmalen. Solche Szenen, in denen reale und Fantasiedialoge auseinanderdriften, wirken wie aus dem Leben gegriffen. Olly erinnert mit seinem sanften Gesichtsausdruck und dem leicht rebellischen Blick ein wenig an James Dean. Die beiden Jugendlichen ergeben wirklich ein schönes Paar und das ist auch ihre Hauptfunktion im Film. Denn wenn sie ihre Leidenschaft in Worten und Mimik ausdrücken sollen, zerrinnt sie des öfteren zur bloßen Behauptung, zum Thema einer banalen Konversation.

Die visuelle Gestaltung und im Grunde die ganze Inszenierung wirken wie ein bebilderter Wunschtraum. Stets signalisiert das Ambiente Wohlstand und Luxus. Auf inhaltliche Glaubwürdigkeit legt die Geschichte weniger Wert als auf die schönen Aufnahmen. Allerdings gelingt es dem interessanten finalen Twist, einige der im Verlauf beim Zuschauer entstandenen Zweifel und Fragen wieder aus der Welt zu schaffen. Insgesamt aber fehlt dem Film mit seiner an Oberflächenreizen orientierten Dramaturgie doch viel von der romantischen Tiefe, die solche Geschichten von Haus aus benötigen.

Fazit: Die Jugendromanze, die auf einer Romanvorlage von Nicola Yoon basiert, bezieht ihre Spannung aus der Verbindung von erster Liebe und tödlicher Gefahr. Denn die 18-jährige Maddy, die sich in ihren jungen Nachbarn verliebt, kann nur gesund bleiben, wenn sie sich von Menschen fernhält. Die Inszenierung verfügt über humorvolle Passagen, einen frischen, unbekümmerten Tonfall und legt stets Wert auf ein schönes Ambiente. So gleicht der Film einem bebilderten Wunschtraum für Teenager, dessen oberflächliche Reize aber mit wahrer Romantik kaum in Berührung kommen.





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