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Cabaret mit Liza Minelli und Joel Grey
Cabaret mit Liza Minelli und Joel Grey
© Allied Artists / ABC Pictures

TV-Tips für Samstag (2.1.): Willkommen im Kit Kat Club!

3sat zeigt "Cabaret"

Am Samstagabend wartet 3sat mit dem stärksten Kinofilm-Programm auf. Nach dem Drama "Der Vorleser" mit der "Oscar"-gekrönten Kate Winslet im Hauptprogramm folgt im Spätprogramm mit "Cabaret" eines der besten Muscials aller Zeiten, für das Liza Minelli ebenfalls den "Oscar" erhielt.

"Der Vorleser", 3sat, 20:15 Uhr

Eine ungewöhnliche Affäre: Im Jahr 1958 in der Bundesrepublik Deutschland verführt die 36-jährige Straßenbahnfahrerin Hanna (Kate Winslet) den 15 Jahre alten Michael (David Kross). Als Gegenleistung für den Sex verlangt sie, dass er ihr vorliest. Eines Tages verschwindet Hanna abrupt aus Michael's Leben und taucht acht Jahre später wieder auf: Als Angeklagte in den Auschwitz-Prozessen.

Der Engländer Stephen Daldry ("The Hours") verfilmte Bernhard Schlink's Roman aus dem Jahr 1995. Gedreht wurde in Berlin, Görlitz und Köln. Die 32 Millionen Dollar teure Produktion erhielt rund vier Millionen Dollar aus deutschen Filmfördertöpfen. Für ihr Make-up als alte Hanna musste Kate Winslet täglich siebeneinhalb Stunden in der Maske verbringen. Das Resultat konnte sich besonders, was ihre Person betrifft, sehen lassen: Die Aktrice erhielt jeden der großen Filmpreise für ihre Leistung, darunter den "Oscar" als "Beste Hauptdarstellerin". Der Film war für weitere vier Academy Awards nominiert - für "Bester Film, "Beste Regie", David Hare für "Bestes adaptiertes Drehbuch" und Roger Deakins für "Beste Kamera".

Mit einem weltweiten Einspiel von über 100 Millionen Dollar war das von der Kritik gelobte Drama an den Kinokassen mäßig erfolgreich. Kritiker Nick Rogers schrieb in "Suite 101": "Ein Jahrzehnte umspannendes Drama, das in die schwer fassbare menschliche Natur von Lust, Manipulation, Vergeltung und Zweifel eintaucht. 'The Reader' ist eine phänomenal tragische Geschichte von Menschen, die für immer verbunden sind - niemals wissend, ob dies aus wahrer Liebe oder nicht nachlassendem Bedauern geschieht."



"Cabaret", 3sat, 22:05 Uhr
Die Entertainerin (Liza Minelli) eines Berliner Klubs ist 1931 mit zwei Männern (Michael York und Helmut Griem) romantisch liiert, während um sie herum die Nationalsozialisten immer mächtiger werden.

1971 planten Allied Artists eine Leinwandadaption des Broadway-Hits "Cabaret" aus dem Jahr 1966. Als Regisseur diente sich Bob Fosse an; die Produzenten bevorzugten zunächst allerdings größere Namen wie Joseph Makiewicz oder Gene Kelly, zumal Fosse gerade mit seinem Leinwanddebut - dem Kolossal-Flop "Sweet Charity", der 1969 beinahe Universal Pictures versenkt hatte - in unguter Erinnerung war. Es gelang dem damals 44-Jährigen dennoch, das Studio zu überzeugen, dass er der Richtige für den Job war - und die Studio-Manager sollten für ihren Wagemut mehr als belohnt werden.

Der Regisseur kam mit Drehbuchautorin Jay Presson Allen überhaupt nicht zurecht und blieb trotz monatelanger Zusammenarbeit mit ihrem Skript unzufrieden. So engagierte er Hugh Wheeler, um das Buch zu überarbeiten. Im Vorspann blieb indes Allen's Name stehen (und sie war es auch, die für den "Oscar" nominiert wurde), während Wheeler lediglich als "Recherche-Mitarbeiter" auftaucht.

Fosse entfernte sich mit seiner Version des Musicals erheblich von dem Bühnenstück und gründete sein Werk mehr auf der Buchvorlage des Musicals, dem Doppelroman "The Berlin Stories" des Engländers Christopher Isherwood aus dem Jahr 1939, der seine eigenen Erlebnisse in der deutschen Hauptstadt verarbeitet hatte. Des weiteren strich Bob zahlreiche Songs, ließ die übrig gebliebenen im Gegensatz zum Broadway-Stück fast alle nur im Kit Kat Club singen und verlegte den Fokus der Handlung auf die Liebesgeschichte.

Die Dreharbeiten fanden in Deutschland statt: Die Innenaufnahmen wurden in den Münchener Bavaria-Studios gefilmt, die Außenaufnahmen in Berlin und im Eutiner Schloss in Schleswig-Holstein. Fosse zeigte sich der Aufgabe dabei mehr als gewachsen: Aus seinen Darstellern kitzelte er hervorragende Leistungen, sein Kameramann Geoffrey Unsworth photographierte ausgezeichnet die brillant choreographierten und vorgetragenen Bühnennummern, und alles wurde elegant in eine sozial bewusste Geschichte verpackt.

War Bob Fosse drei Jahre zuvor noch Pechmariechen gewesen, so wurde er nun zum Goldesel: Das 2 Millionen Dollar teure Musical wurde mit 42 Millionen Dollar der achterfolgreichste Film des Jahres 1972 in den USA. Dazu gewann er Preise ohne Ende und bot dem allmächtigen "The Godfather" Paroli. Bei den Academy Awards gewann Letzterer zwar die "Oscars" als "Bester Film" und für das "Beste adaptierte Drehbuch", ansonsten aber triumphierte "Cabaret" mit acht Academy Awards: Für die "Beste Regie", für Liza Minelli als "Beste Hauptdarstellerin", für Joel Grey als "Bester Nebendarsteller", für die "Beste Kamera", für die "Beste Musik", für den "Besten Schnitt", für die "Beste Ausstattung" und für den "Besten Ton".

Auch bei den Golden Globes und den Britischen Filmpreisen räumte der Streifen ab. 1995 nahm die US-Library of Congress "Cabaret" als "historisch, künstlerisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" in das National Film Registry auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer aus New York City lobt: "Auf der historischen Ebene, auf der Ebene eines persönlichen Schicksals oder als pure Unterhaltung - der Film funktioniert perfekt. Hitler wird kein einziges Mal erwähnt, und doch ist die Präsenz der wachsenden Nazi-Bewegung rund um diese dekadenten Außenseiter immer spürbar. Wie auch jede der wunderschön choreographierten und präsentierten Musical-Nummern uns an die Verzweiflung im Leben von Liza Minelli's Hauptfigur und in ganz Deutschland erinnert. Jeder, der wissen will, zu welchen künstlerischen Höhen Film fähig ist, sollte sich diesen Streifen ansehen."



"Duell - Enemy at the Gates", ARD, 01:15 Uhr
Ein russischer Scharfschütze (Jude Law) und ein deutscher Scharfschütze (Ed Harris) spielen während der Schlacht um Stalingrad Katz und Maus.

Dieser US-Abenteuerfilm aus dem Jahr 2001 hatte mindestens bei zwei Besuchergruppen einen mehr als schweren Stand. Selten ist ein Eröffnungsfilm oder überhaupt irgendein Film auf der Berlinale so ausgebuht worden wie Jean-Jacques Annaud's Werk. Der Franzose schimpfte nachher über das "Schlachthaus" Berlinale und schwor, dort nie wieder eines seiner Werke zu zeigen. Der Regisseur wies dabei korrekt darauf hin, dass "Enemy at the Gates" überall sonst in der Welt wesentlich besser aufgenommen worden sei.

Zweitens waren da sowjetische Kriegsveteranen der Schlacht von Stalingrad, die in der russischen Duma gehört wurden, als sie beantragten, den Film in Russland verbieten zu lassen, weil er das Andenken an die Rote Armee beschmutze. Weder habe es die im Streifen gezeigten Massenexekutionen gegeben, noch habe man abends getanzt und gefeiert. "Alles was man tat, war nach Nahrung und einem Platz zum Schlafen zu suchen", erklärte ein ehemaliger Teilnehmer der Schlacht. Die Duma verbot die Aufführung des Films allerdings nicht.

"Enemy at the Gates" stützt sich auf zwei Quellen: Einmal die Erinnerungen des tatsächlich existierenden sowjetischen Scharfschützen Wassili Saizew, der von dem Journalisten Wassili Grossman noch während der Kämpfe im Winter 1942/43 interviewt wurde. Saizew's Erzählungen nutzte Grossman für seinen Roman "Life and Fate" im Jahr 1959. Hier spielt das Motiv des Duells mit dem deutschen Meister-Scharfschützen eine große Rolle, das von Historikern indes in Frage gestellt wird. Einen deutschen Super-Scharfschützen namens Erwin König oder eine analoge Figur gab es jedenfalls nicht.

Zum zweiten griff Annaud, der auch das Drehbuch geschrieben hat, auf das Sachbuch "Enemy at the Gates: The Battle for Stalingrad" von William Craig aus dem Jahr 1973 zurück, der allerdings nur am Rande erwähnt, dass es Duelle zwischen den Scharfschützen gab. Die im Film geschilderte Auseinandersetzung der beiden spezifischen Gegner darf man daher getrost als fiktional bezeichnen. Die deutsche Presse hing sich daran besonders auf und kritisierte, dass Stalingrad hier als bloße Kulisse eines western-artigen Showdowns missbraucht worden sei.

Doch um auf Annaud's Punkt zurückzukommen - das war eine, aber nicht die Sichtweise. Tatsächlich schätzen Zuschauer und viele Kritiker das Werk für dessen Fähigkeit, das Gefühl und das Aussehen von Kriegsgeschehen überzeugend zu reproduzieren und dabei spannend und atmosphärisch zu sein. Alle sind sich indes einig, dass die Liebesgeschichte mit Rachel Weisz deplatziert und überflüssig wie ein Kropf ist.

Gedreht wurde die rund 70 Millionen Dollar teure Produktion von Januar bis Mai 2000 ausschließlich in Deutschland, hauptsächlich in Brandenburg. Drehorte waren neben dem Filmstudio Babelsberg die Kavallerieschule Krampnitz bei Potsdam, das stillgelegte Chemiewerk in Rüdersdorf bei Berlin und das stillgelegte Tagebau-Revier Greifenhain in der Nähe von Cottbus.

In den USA und im Rest der Welt wurde die Paramount Pictures-Produktion ein mäßiger Erfolg mit einem Gesamteinspiel von knapp 100 Millionen Dollar. Weisz, Annaud und Law wurden für einen Europäischen Filmpreis nominiert.

Ein australischer Zuschauer schwärmt: "Das ist einer der besten Filme über den Krieg - wie er ist und wodurch er verursacht wird. Ich weiß, dass einige Leute die Liebesgeschichte unglaubwürdig finden, aber für mich illustriert sie, wie Eifersucht und Neid zu irrationalen Taten, Hass und sogar Krieg führen können. Dieser Film ist keine propagandistische einseitige Analyse des Krieges, sondern ein tiefschürfender und sehr bewegender Blick auf die Realität, Mensch in einer Kriegssituation zu sein - egal ob männlich oder weiblich, deutsch oder russisch."



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