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Der Vorleser (2008)

The Reader

Verfilmung von Berhard Schlinks Bestseller "Der Vorleser", mit Kate Winslet, Ralph Fiennes, Bruno Ganz und Alexandra Maria Lara: In den 50er Jahren lernt der Schüler Michael Berg eine ältere Frau kennen und beginnt mit ihr eine Affäre. Jahre später sieht er sie vor Gericht wieder: Angeklagt, als KZ-Wärterin für Hunderte von Toten verantwortlich zu sein...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.6 / 5

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Deutschland in den 50er Jahren: Der 15jährige Gymnasiast Michael Berg wächst behütet in der Provinz auf. Als ihm eines Tages auf dem Heimweg von der Schule übel wird, kümmert sich eine Frau um ihn und begleitet ihn nach Hause. Später stellt sich heraus, dass Michael an Scharlach erkrankt ist - wegen der Ansteckungsgefahr muss er Monate in Quarantäne verbringen.

Als er sich schließlich bei seiner Helferin mit einem Blumenstrauß bedanken kann, knistert es gewaltig zwischen dem Schüler und der um einiges älteren Hanna. Zwischen beiden entspinnt sich eine leidenschaftliche Affäre, in der nur zweierlei zählt: Sex und Bücher. Bei jedem seiner täglichen Besuche lässt sich die verschlossene Hanna stundenlang von Michael vorlesen - erst anschließend wird er mit Sex "belohnt".
Die Affäre hält nur einen Sommer: Als Hanna befördert wird, verlässt sie die Stadt ohne Michael Bescheid zu geben.

Jahre später studiert Michael Jura in Berlin und beobachtet mit einer Studiengruppe einen Prozess, in dem sich fünf ehemalige Wärterinnen des Konzentrationslagers Auschwitz verantworten müssen. Unter den Angeklagten, denen 300-facher Mord vorgeworfen wird, entdeckt er Hanna...

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Der Vorleser - Kate WinsletDer Vorleser - David Kross und Kate WinsletDavid Kross und Kate WinsletDer VorleserDer VorleserDer Vorleser


Filmkritik

Mit "Der Vorleser" legt Stephen Daltry seine Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Bernhard Schlink vor. Nach einem Drehbuch von David Hare drehte Daltry sein Liebesdrama mit Kate Winslet, David Kross und Ralph Fiennes in den Hauptrollen im vergangenen Jahr weitgehend in Deutschland. Hierzulande erlebte "Der Vorleser" seine Premiere im Rahmen der Berlinale, als außer Konkurrenz laufender Wettbewerbsbeitrag, in den USA hingegen wurde das Drama schon Mitte Anfang Dezember als "limited release" in die Kinos gebracht - ein Trick der Oscarerprobten ausführenden Produzenten Bob und Harvey Weinstein, um den Film noch möglichst chancenreich im aktuellen Oscarrrennen unterzubringen: Wählbar sind für die im Februar vergebenen Preise immer nur jene Filme, die spätestens im Dezember des Vorjahres in den USA zu sehen waren. Und es gilt: Je später im Jahr ein Film in die US-Kinos kam, desto wahrscheinlicher ist, dass er eine (oder mehrere) Nominierung(en) abstauben kann. Kate Winslet, die nun tatsächlich als beste Hauptdarstellerin 2008 ausgezeichnet wurde, hat dies also sicherlich auch der generalstabsmäßigen Oscarplanung der Herren Weinstein zu verdanken. Dabei hätte sie diese Schützenhilfe gar nicht nötig gehabt, denn Winslet macht ihre Sache auffallend gut - was man ausgerechnet in der deutschen Fassung leider nur teilweise wahrnehmen wird, weil der strenge, deutsche Akzent, den Winslet sich für die Rolle antrainierte, einfach wegsynchronisiert wird.
Mit der Story erregte "Der Vorleser" fraglos einiges Aufsehen, enthält sie doch gleich zwei skandalträchtige Elemente: Zum einen die Liebesbeziehung zwischen einem Teenie und einer wesentlich älteren Frau, zum anderen weil es sich bei der Geliebten dann auch noch um eine ehemalige Wärterin in Auschwitz handelt. Im tatsächlichen Film aber ist beides eher nebensächlich - da wir dem Verlauf aus Sicht des ahnungslosen Michael folgen, erfahren wir von Hannas Vergangenheit erst spät und auch nur so viel, wie man eben muss um Michael zu verstehen. Und auch die Romanze ist eigentlich keine Romanze - die Zuschauer bekommen zwar allerlei, vielleicht sogar einen Tick zu viele oder zu lange, Liebesszenen zu sehen, von Liebe und Romantik jedoch keine Spur. Das Interesse von Winslets Hanna gilt primär jenen Büchern, die sie sich vor jedem Schäferstündchen vorlesen lässt; Michaels Interesse gilt der Entdeckung seiner Sexualität.
So ist denn auch das eigentlich zentrale Thema der Story schlicht Schuld, laden doch beide Hauptfiguren eine (zugegebenermaßen unterschiedlich starke) Unterlassungssschuld auf sich, die ihrer beider Leben für immer zeichnet: Sie hat es als KZ-Aufseherin unterlassen, die Türen einer brennenden Kirche zu öffnen um hunderten eingeschlossenen Häftlingen das Leben zu retten; er hingegen entscheidet sich als junger Jurastudent dagegen, mit einer einfachen Aussage in Hannas Prozess Falschaussagen aufzudecken und seine ehemalige Geliebte so vor lebenslanger Haft zu retten. Allerdings: Die Monstrosität von Hannas Taten lassen Michaels Fehler verblassen. Der Versuch, sie durch die parallele Konstruktion quasi gleichzusetzen, kann durchaus als (dann allerdings schon in der Vorlage angelegte) Holocaust-Relativierung gedeutet werden. Diskussionswürdig ist "Der Vorleser" also allemal - und allein deswegen schon sehenswert.

Fazit: Sehenswertes, diskussionswürdiges Schuld-Drama mit einer zurecht für ihre Hauptrolle ausgezeichnete Kate Winslet.




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Land: Deutschland, USA
Jahr: 2008
Genre: Drama
Länge: 123 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 26.02.2009
Regie: Stephen Daldry
Darsteller: Ralph Fiennes als Michael Berg, Jeanette Hain als Brigitte, David Kross
Verleih: Senator Film

Awards - Oscar 2009Weitere Infos


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Der Engländer Stephen Daldry ("The Hours") verfilmte Bernhard Schlink's Roman aus dem Jahr 1995. Gedreht wurde in Berlin, Görlitz und Köln. Die 32 Millionen Dollar teure Produktion erhielt rund vier [...mehr] Millionen Dollar aus deutschen Filmfördertöpfen. Für ihr Make-up als alte Hanna musste Kate Winslet täglich siebeneinhalb Stunden in der Maske verbringen. Das Resultat konnte sich besonders, was ihre Person betrifft, sehen lassen: Die Aktrice erhielt jeden der großen Filmpreise für ihre Leistung, darunter den "Oscar" als "Beste Hauptdarstellerin". Der Film war für weitere vier Academy Awards nominiert - für "Bester Film, "Beste Regie", David Hare für "Bestes adaptiertes Drehbuch" und Roger Deakins für "Beste Kamera". Mit einem weltweiten Einspiel von über 100 Millionen Dollar war das von der Kritik gelobte Drama an den Kinokassen mäßig erfolgreich.

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