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12 Years a Slave - Michael Fassbender), Lupita Nyong'o und Chiwetel Ejiofor
© Tobis Film

TV-Tips für Pfingstmontag (16.5.): Vom Schicksal eines Sklaven, der keiner war

Pro7 zeigt Meisterwerk "12 Years a Slave"

Mit einer Free TV-Premiere, die sich wirklich lohnt, versucht Pro7 am Pfingstmontagabend Zuschauer aus der TATORT-Republik zu sich zu locken: Es läuft der "Oscar"-Preisträger und das Meisterwerk "12 Years a Slave" im Hauptprogramm.

"12 Years a Slave", Pro7, 20:15 Uhr
In den Jahren vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg wird Soloman Northup (Chiwetel Ejiofor), ein gefeierter afro-amerikanischer Geiger im US-Bundesstaat New York, in Washington D.C. entführt und in die Sklaverei in den Südstaaten verkauft.

Nach seinen eher intimen Dramen "Hunger" und "Shame" (beide mit Michael Fassbender, der auch in diesem Film eine Nebenrolle übernehmen sollte), wollte der englische Regisseur Steve McQueen eine Geschichte epischeren Ausmaßes erzählen und bekundete sein Interesse am Thema der Sklaverei in den USA. Seine Ehefrau Bianca Stigter tat die Memoiren "Twelve Years a Slave" von Soloman Northup aus dem Jahr 1853 auf, die in den Vereinigten Staaten erstmals 1968 in größerer Auflage einer breiten Leserschaft bekannt gemacht worden waren. McQueen war begeistert und verglich das Werk mit "Das Tagebuch der Anne Frank" hinsichtlich einer authentischen, aus Ich-Perspektive erzählten Leidensgeschichte zu einer spezifischen Zeit. "Ich habe es mir zur Leidenschaft gemacht, dieses Buch auf die Leinwand zu bringen."

Dass dies nicht einfach werden würde, war aufgrund des schwierigen Materials klar: "12 Years a Slave" ist kein angenehmes Seherlebnis, sondern eine unbeirrt brutale Darstellung der amerikanischen Sklaverei - also kein Kino für die ganze Familie oder Popcorn kauende Teenager. Dass das Budget von 22 Millionen Dollar schließlich gestemmt werden konnte, war zu keinem kleinen Teil Brad Pitt und seiner Produktionsfirma Plan B zu verdanken, die sich hinter McQueen und sein Projekt stellte und so mühsam die Finanzierung durch verschiedene Filmstudios sicher stellen konnte. Um die kommerziellen Aussichten des Streifens zu verbessern, übernahm Pitt selbst eine Nebenrolle, damit sein Gesicht in den Trailern und sein Name auf den Postern mehr Zuschauer anlocken würden.

Im Sommer 2012 drehte man in New Orleans und auf vier alten Plantagen, von denen eine unweit der lag, auf welcher Northop rund 160 Jahre zuvor tatsächlich hatte schuften müssen. McQueen gelang ein brillantes und essentielles Stück Kino, das von der Kritik gefeiert wurde und dank der Wucht seiner Qualität auch sein Publikum fand: Mit weltweit 188 Millionen Dollar Umsatz wurde die Independet-Produktion 2013 ein Erfolg.

Die größte Weihe folgte dann bei der "Oscar"-Verleihung im folgenden Jahr: Das Werk wurde als "Bester Film" des Jahres ausgezeichnet, Nebendarstellerin Lupita Nyong'o erhielt den Academy Award ebenso wie Drehbuchautor John Ridley für sein adaptiertes Skript. Nominiert waren dazu noch Regisseur Steve McQueen, Hauptdarsteller Chiwetel Ejiofor, Nebendarsteller Michael Fassbender, der Schnitt, die Kostüme und die Ausstattung, auf die man sehr viel Wert in ihrer Authentizität gelegt hatte. Auch der Golden Globe und der Britischen Filmpreis gingen an das Werk.

Kritiker Michael Arbeiter schrieb für "Hollywood.com": "Ja, wir sind alle schon über die erschöpfende Hölle, die die Ära der amerikanischen Sklaverei gewesen ist, aufgeklärt worden. Aber noch nie sind wir so lebendig zwischen den Menschen ausgesetzt worden, welche sie zu erleiden hatten."



"96 Hours - Taken", RTL, 22:00 Uhr
Ein CIA-Agent im Ruhestand (Liam Neeson) reist nach Europa und versucht mit Hilfe seiner alten Fähigkeiten seine in Paris entführte Tochter zu befreien.

So ein Film entsetzt die Kritiker und gesellschaftskritischen Kommentatoren, die "Fremdenfeindlichkeit, Rache-Gemetzel und Selbstjustiz" beklagen, während die Zuschauer Schlange stehen. Turmhoch den beiden unnötigen Fortsetzungen überlegen, macht dieser französische Thriller mit seiner gekonnten Action eben auch eine Menge Spaß.

Die Idee stammt von Luc Besson, der das Drehbuch schrieb und den Streifen auch produzierte, die Regie aber seinem ehemaligen Kameramann Pierre Morel überließ. Die Beiden hatten bereits bei Morel's Regiedebut "Ghettogangz - Die Hölle vor Paris" von 2004 in dieser Konstellation zusammen gearbeitet. Das Ganze war als auf Englisch gedrehtes Projekt für den internationalen Markt ausgelegt, und Besson besetzte die Hauptrolle mit Jeff Bridges, der allerdings wieder ausstieg und den Weg für Liam Neeson freimachte. Dieser wollte auch einmal die Rolle in einem Action-Film spielen, erwartete allerdings nicht mehr "als einen Seitenarm in meiner Karriere", der womöglich sogar nur direkt auf Disc veröffentlicht werden würde.

Weit gefehlt! Der Erfolg mit weltweit 227 Millionen Dollar Umsatz des umgerechnet 25 Millionen Dollar teuren Streifens, der Anfang 2007 in Paris und in Los Angeles gedreht worden war, sorgte 2009 dafür, dass Neeson in der Folge eine ganz neue Hauptstraße in seinem Lebenslauf planiert wurde - die des harten Action-Helden, der für solide Erfolge an den Kinokassen zuständig war.

Die Rezensionen waren gemischt. Kritiker Avi Offer lobte in "NYC Movie Guru": "Regisseur Pierre Morel macht einen guten Job, indem er genügend aufregende Action-Sequenzen, Spannung und kurze komische Einschübe mit einem flotten Tempo zu einem spannenden, schnörkellosen und vollkommen realitätsfernen Streifen verquickt."



"Bagdad Café", Arte, 22:10 Uhr
Eine einsame Deutsche (Marianne Sägebrecht) strandet im verlassensten Motel auf Erden in der kalifornischen Wüste und entscheidet, den Ort ein bisschen zu verschönern.

Das kommt nur alle Jubeljahre vor, dass eine deutsche Produktion in den USA für größeren Anklang sorgt. Regisseur und Drehbuchautor Percy Adlon gelang dies mit "Out of Rosenheim", als der "Bagdad Café" - der internationale Verleihtitel - hier zu Lande in die Kinos kam. So spielte er in Nordamerika 3,6 Millionen Dollar ein, was aller Ehren wert ist, und der Song "Calling You" von Bob Telson wurde für einen "Oscar" nominiert.

Offensichtlich sprach diese witzige und mit großer Liebe für das Detail inszenierte und gespielte Komödie 1987 auch das Publikum jenseits des Atlantiks an, wo er allerdings auch gedreht worden war. Indessen nicht im realen Bagdad an der legendären Route 66 in der Mojave-Wüste, sondern im Wüstenort Newberry Springs an der Interstate 40.

Die Amerikaner waren von dem Stoff offensichtlich so eingenommen, dass CBS daraus 1990 die Fernsehserie "Bagdad Café" mit Jean Stapleton und Whoopi Goldberg produzierten, die allerdings floppte und die erste Staffel nicht überstand.

"Bagdad Café" alias "Out of Rosenheim" erhielt zwei Französische Filmpreise als "Bester ausländischer Film" und als "Bester europäischer Film" sowie Silber bei den Deutschen Filmpreisen, wo Marianne Sägebrecht auch als "Beste Hauptdarstellerin" gewürdigt wurde.

Ein Zuschauer aus dem US-Bundesstaat Washington meint: "Für mich ist dieser Film wie ein gutes Buch, das ich nicht aus der Hand legen kann und ich wieder und wieder lesen möchte, um zu sehen, ob ich irgendetwas nicht mitbekommen habe, oder um bloß das warme Gefühl wieder zu erleben, das sich beim ersten Mal eingestellt hat. Wer eine Geschichte über Menschlichkeit, Liebe und Freundschaft sucht, die mit leichter Hand gezeichnet hat, der sollte diesen Streifen genießen."



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